Die Aktie von Brenntag gehört aktuell zu den größten Verlierern im Dax. Die Nachricht dahinter ist unspektakulär und trotzdem folgenreich: Der Chemikalienhändler verliert einen entscheidenden Ertragstreiber.
Hintergrund ist ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran. Die geopolitische Deeskalation normalisiert die Preise für Basischemikalien. Genau diese Preise hatten Brenntag zuvor durch Versorgungsängste und Handelsunterbrechungen in die Höhe getrieben.
Der Chemiedistributor ist Weltmarktführer mit einem starken Fokus auf Basischemikalien – dem Geschäftsbereich Essentials. Davon hatte das Unternehmen überproportional profitiert. Jetzt fallen die Krisen-Prämien weg.
Ein Stück weit kehrt die Normalität zurück.
Analysten reagieren mit Herabstufungen
Eine aktuelle Sektorstudie zeigt, wo der Unterschied zu Wettbewerbern liegt. IMCD und Azelis setzen stärker auf Spezialchemikalien. Deren Margen hängen weniger von volatilen Rohstoffpreisen ab. Brenntag ist hier anfälliger.
Die Folge: Analysten haben die Aktie zuletzt auf „Hold“ herabgestuft. Das Kursziel fiel von 67 auf 57 Euro. Kaufempfehlungen für spezialisiertere Konkurrenten bestehen dagegen teilweise weiter.
Der Dax selbst zeigt sich robust nahe der 25.000-Punkte-Marke. Diese relative Stärke hilft Brenntag aber nicht. Die Aktie notiert um 55 Euro und nähert sich wichtigen Unterstützungslinien.
Kostensenkung als Gegengewicht
Das Unternehmen reagiert mit einem Sparprogramm. Im ersten Quartal erzielte es Einsparungen von rund 27 Millionen Euro. Ob das reicht, hängt von der Preisentwicklung ab.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Experten mit einem Gewinn von 3,70 Euro je Aktie. Die nächste Quartalsbilanz für das dritte Quartal kommt im August. Dann zeigt sich, wie stark der Margendruck tatsächlich ausfällt. Und ob die Prognose für das operative EBITDA weiter Bestand hat.
Kurz gesagt: Solange die Chemiepreise keinen Boden finden, bleibt die Aktie anfällig.
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