Das erste Halbjahr 2026 war für BP voller Kontraste. Neue Partnerschaften in Indien und Abu Dhabi signalisieren Wachstum. Gleichzeitig drückt der fallende Ölpreis den Aktienkurs auf den tiefsten Stand seit Monaten.
Der Konflikt dahinter: Operativ läuft vieles. Strategisch ebenso. Doch an der Börse zählen gerade andere Signale.
Indien-Deal mit ONGC: Technik gegen Öl
BP hat Ende Juni einen bedeutenden Vertrag mit dem indischen Ölriesen ONGC unterzeichnet. Es geht um 43 Blöcke im Western Offshore Basin. BP übernimmt die Rolle des technischen Dienstleisters.
Die ersten zwei Jahre gibt es eine Festvergütung. Danach wird die Bezahlung leistungsabhängig. Je mehr Öl und Gas die Felder liefern, desto höher die Einnahmen für BP. ONGC behält alle Rechte und die operative Kontrolle.
Der Deal ist kein Zufall: Seit Februar 2025 arbeitet BP bereits erfolgreich am Mumbai-High-Feld. Der neue Vertrag baut darauf auf. Er ist die logische nächste Stufe.
Ölpreis unter Druck: Brent fällt auf 73,76 US-Dollar
Während BP in Indien expandiert, belastet der globale Ölmarkt die Aktie. Brent-Rohöl gab um rund zwei Prozent nach. Das zieht die gesamte Branche mit nach unten – auch BP.
Der Abstand zum Jahreshoch von 7,01 Euro beträgt inzwischen fast 22 Prozent. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 28,9 Punkten. Das ist ein klares Signal: Die Aktie ist überverkauft.
Dennoch zeigt der Chart keine Umkehr. Der Kurs liegt rund zwölf Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Der kurzfristige Trend bleibt damit klar negativ.
Neue Struktur, neue Projekte, neue Schulden
Ab Juli 2026 gilt bei BP eine neue Organisation. Zwei Divisionen ersetzen die bisherige Struktur: Upstream und Downstream. Gordon Birrell führt künftig die Förderung, Richard Harding übernimmt interimistisch die Verarbeitung und Vermarktung.
Parallel dazu steigt BP beim Bab-Gas-Cap-Projekt von ADNOC in Abu Dhabi ein. Zehn Prozent hält BP an dem Vorhaben. Das Ziel: eine Produktion von täglich 1,5 Milliarden Kubikfuß. BPs Anteil entspricht rund 2,3 Prozent der gesamten Gasförderung von 2025.
Doch die Bilanz bleibt angespannt. Der Nettoschuldenstand lag zum Ende des ersten Quartals bei 25,3 Milliarden US-Dollar. Die Aktienrückkäufe sind seit Februar ausgesetzt. Eine Wiederaufnahme ist nicht terminiert.
Soweit die Fakten. Die Richtung wird sich wohl erst weisen, wenn der Ölpreis wieder dreht oder BP einen klaren Schuldenabbau präsentiert.
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