Ein Softwarefehler, den Boeing bereits im Februar 2025 als unkritisch eingestuft hatte, entwickelt sich zur handfesten Belastung für die Zertifizierung der 737 Max 10. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verschiebt die lang erwartete Freigabe für das größte Modell der Max-Familie und prüft nun in einem eigens einberufenen Corrective Action Review Board, ob ein Sicherheitsrisiko vorliegt. Die Aktie reagierte am Montag mit einem Kursrutsch von 6,2 Prozent auf 185,86 US-Dollar und landete damit am Ende des Dow Jones.
Der Fehler betrifft die Flugsteuerungssoftware in den Versionen 14 und 14.1. Bricht ein Pilot einen Landeanflug ab, kann sich die automatisierte vertikale Navigation ausschalten und auf eine einfachere Automatisierungsstufe zurückfallen — ausgerechnet in der Phase kurz vor der Landung, in der die Crew ohnehin stark gefordert ist.
Boeing hat alle Betreiber der 737-Max-Flotte Ende August informiert, ein dauerhafter Software-Fix wird nach eigenen Angaben nicht vor 2028 erwartet, auch wenn der Konzern an einer schnelleren Lösung arbeitet.
Airlines wollen die betroffene Software nicht
Southwest Airlines und United Airlines haben Boeing bereits mitgeteilt, keine neuen Max-Auslieferungen mit den fehlerhaften Softwareversionen zu akzeptieren und eine frühere, unbelastete Version zu verlangen.
Alaska Airlines und American Airlines bestätigten, dass ihre bereits im Einsatz befindlichen Max-Flotten nicht betroffen sind. Die kanadische WestJet erklärte, bislang keine im Betrieb relevanten Vorfälle im Zusammenhang mit der Software festgestellt zu haben.
Besonders empfindlich trifft die Verzögerung Alaska Air Group. Der Carrier hat 105 Maschinen des Typs Max 10 bestellt, dazu Optionen auf 35 weitere — die größte Einzelbestellung in der Firmengeschichte. Erste Auslieferungen waren für Frühjahr 2027 geplant, der operative Flugbetrieb sollte im April 2027 starten. Diese Zeitplanung steht nun infrage.
Für Boeing geht es um mehr als nur eine einzelne Modellvariante. Die Max 10 macht rund 31 Prozent der unausgelieferten 737-Bestellungen aus, insgesamt liegen etwa 1.400 Vorbestellungen für den Typ vor.
Jede Verzögerung trifft damit einen erheblichen Teil des Auftragsbuchs. Hinzu kommt die historische Last: Die beiden tödlichen Abstürze der Max-Baureihe 2018 und 2019 mit 346 Todesopfern sorgen dafür, dass Aufsichtsbehörden und Kunden dem Thema Softwaresicherheit besondere Aufmerksamkeit widmen.
Trotz des Rückschlags bleibt JPMorgan-Analyst Seth Seifman bei seiner „Overweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 290 US-Dollar. Er verweist darauf, dass Boeing die Sicherheitsaspekte der Flugsteuerungssoftware intensiv bearbeite, räumt aber ein, dass die Vorgeschichte der Max-Baureihe zusätzliche regulatorische Wachsamkeit provozieren könnte.
Die FAA hat keinen Zeitplan genannt, wann das Review Board zu einem Ergebnis kommt. Bis dahin bleibt offen, ob sich die Verzögerung auf die Max 10 beschränkt oder auch die kürzlich zugelassene Max 7 sowie laufende Auslieferungen weiter belastet.
Boeing-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Boeing-Analyse vom 29. September liefert die Antwort:
Die neusten Boeing-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Boeing-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 29. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Boeing: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
