Nach Jahren der Krise tastet sich Boeing Schritt für Schritt zurück ins operative Normalmaß. 2025 hat der US-Flugzeugbauer so viele Maschinen ausgeliefert wie seit 2018 nicht mehr und seinen größten Rivalen bei den Neuaufträgen überholt. Parallel dazu gibt die US-Luftfahrtaufsicht grünes Licht für höhere Produktionsraten. Wie stabil ist diese Erholung, wenn der regulatorische Druck zugleich hoch bleibt?
Starke Erholung im Kerngeschäft
Das Geschäftsjahr 2025 markiert für Boeing einen klaren Wendepunkt im operativen Bereich. Der Konzern lieferte 600 Verkehrsflugzeuge aus – ein Plus von 72,4 % gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit 2018. Allein im vierten Quartal gingen 160 Maschinen an die Kunden, was die Dynamik gegen Jahresende unterstreicht.
Auf der Nachfrageseite lief es ebenfalls deutlich besser. Mit 1.175 Brutto-Bestellungen im Zivilflugzeuggeschäft übertraf Boeing erstmals seit 2018 wieder den europäischen Konkurrenten Airbus bei den Neuaufträgen. Der Auftragsbestand wuchs damit auf 6.130 Jets an – genug Arbeit für viele Jahre und eine klare Absicherung für die geplante Produktionserhöhung.
Einige zentrale Kennzahlen für 2025:
- Gesamtlieferungen im Zivilbereich: 600 Flugzeuge
- Brutto-Bestellungen: 1.175 Jets
- 737-Lieferungen: 447 Maschinen
- 787-Lieferungen: 88 Maschinen
Diese Kombination aus höheren Auslieferungen und gut gefüllten Auftragsbüchern hat auch an der Börse Spuren hinterlassen: Die Aktie notiert aktuell auf einem Zweijahreshoch, liegt auf Jahressicht über 50 % im Plus und hat in den vergangenen 30 Tagen rund 40 % zugelegt.
Produktionshochlauf bei 737 und 787
Wesentlicher Treiber der positiven Stimmung ist der beschleunigte Produktionshochlauf. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat für das Programm 737 MAX eine Erhöhung der Fertigungsrate auf 42 Maschinen pro Monat genehmigt. Das ist entscheidend, um den hohen Auftragsüberhang abzuarbeiten und die Mittelzuflüsse aus Lieferungen zu steigern.
Auch im Langstreckenbereich setzt Boeing auf mehr Tempo. Für die 787 Dreamliner-Reihe sind Pläne vorgesehen, die Produktion im Verlauf des Jahres 2026 auf 10 Flugzeuge pro Monat zu erhöhen. Damit signalisiert das Management Vertrauen in die Nachfrage der Airlines nach modernen, treibstoffeffizienten Widebodies und in die Stabilität der eigenen Lieferkette.
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Für den Kapitalmarkt bedeutet ein solcher Hochlauf in der Regel zweierlei: Zum einen verbessert sich der freie Cashflow, wenn mehr Flugzeuge ausgeliefert und bezahlt werden. Zum anderen sinkt das Risiko, dass Kunden angesichts langer Wartezeiten abzuspringen drohen.
Rückenwind mit regulatorischem Beigeschmack
Trotz der operativen Fortschritte bleibt Boeing engmaschig unter behördlicher Beobachtung. Die FAA hat eine neue Lufttüchtigkeitsanweisung für bestimmte 757-200- und 757-300-Modelle veröffentlicht, die im Februar 2026 in Kraft tritt. Hintergrund ist ein Bericht über einen Riss an einem Flugzeug mit sogenannten „blended winglets“. Solche Direktiven führen in der Regel zu Inspektionen, möglichen Nachrüstungen und damit zu zusätzlichem Aufwand bei Kunden und Hersteller.
Parallel dazu sorgt ein Befund der US-Unfallbehörde NTSB für Diskussionen. In der Untersuchung eines tödlichen UPS-Absturzes mit einer MD-11 wurde bekannt, dass Boeing bereits 2011 ein Service-Schreiben zu dem später ausgefallenen Bauteil veröffentlicht hatte. Damals war der Hersteller jedoch zu dem Schluss gekommen, dass ein Ausfall keine unmittelbare Gefahr für die Flugsicherheit darstelle. Diese Vorgeschichte unterstreicht, warum Regulierer Boeing weiterhin genau auf die Finger schauen.
Für die Investment-Story bedeutet das: Auch wenn die Produktion wieder hochläuft, bleibt das Risiko zusätzlicher Auflagen oder Nacharbeiten allgegenwärtig und kann Margen wie Zeitpläne beeinflussen.
Analysten werten Erholung als tragfähig
Die verbesserten Kennzahlen und der sichtbare Fortschritt im Tagesgeschäft schlagen sich inzwischen auch klar in den Analysteneinschätzungen nieder. Das Research-Haus Bernstein hat sein Kursziel für Boeing von 277 auf 298 US-Dollar angehoben und den Titel zu einer „Top-Pick“ für 2026 erklärt.
Begründet wird dies vor allem mit:
- der fortschreitenden Erhöhung der Produktionsraten bei 737 und 787
- der Erwartung eines kräftigen freien Cashflows in den kommenden Jahren
- dem wiedergewonnenen Momentum bei Auslieferungen und Bestellungen
Aus Sicht der Analysten befindet sich Boeing damit auf einem soliden Erholungspfad: Ein hoher Auftragsbestand, steigende Stückzahlen und bessere Cashflow-Perspektiven stehen an, auch wenn regulatorische Themen und Sicherheitsfragen das Unternehmen weiterhin begleiten und jederzeit für Rückschläge sorgen können.
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