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BMW vor der Bewährungsprobe: Trägt das Sparprogramm bis zur Neuen Klasse?

BMW kämpft mit Gewinneinbruch und China-Schwäche. Das Sparprogramm bis 2030 soll die Marge retten, doch Analysten bleiben skeptisch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatz und Gewinn deutlich gesunken
  • China-Absatz bricht um 30 Prozent ein
  • Sparprogramm bis 2030 angekündigt
  • iX3-Start treibt Elektroabsatz an

Ausgangslage

BMW steckt mitten in der größten Umbauphase seit Jahren. Ende Juli legte der Konzern Halbjahreszahlen vor, die Konzernchef Milan Nedeljković selbst als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnete: Der Umsatz sank um 8,0 Prozent auf 62,266 Milliarden Euro, das EBT brach um 29,4 Prozent auf 4,045 Milliarden Euro ein.

Die Automobil-Sparte kam nur noch auf eine EBIT-Marge von 2,3 Prozent, nach 5,4 Prozent im Vorjahr. Zeitgleich verkündete BMW ein Restrukturierungsprogramm mit dem Ziel, bis 2030 wieder eine EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent zu erreichen – inklusive eines freiwilligen Aufhebungsprogramms und dem Abbau von rund 8.000 Stellen weltweit bis Ende 2027.

Seither ist gut drei Wochen vergangen, der Kurs hat sich in dieser Zeit kaum bewegt. Am Freitag schloss die Aktie bei 59,06 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent auf Tagessicht, doch das ändert wenig am Gesamtbild: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37 Prozent zu Buche.

Für Anleger stellt sich damit weniger die Frage nach der Vergangenheit als nach der Tragfähigkeit des eingeschlagenen Kurses – zumal operative Lichtblicke wie die Elektroauto-Erholung im zweiten Quartal und der China-Einbruch gleichzeitig auf dem Tisch liegen.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor ist die China-Entwicklung. Im zweiten Quartal 2026 verkaufte BMW dort nur noch 117.927 Fahrzeuge, ein Rückgang von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im Halbjahr summiert sich das Minus auf 20,4 Prozent. China bleibt trotz des Einbruchs BMWs größter Einzelmarkt.

Ob die angepeilte Margenrückkehr bis 2030 gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich dieser Abwärtstrend stabilisiert oder weiter beschleunigt. Alle anderen Stellschrauben – Stellenabbau, Modelloffensive, Sparprogramm – wirken nur, wenn der wichtigste Absatzmarkt nicht weiter wegbricht.

Bullisches Szenario

Für Optimisten gibt es durchaus Ansatzpunkte. Der Elektroauto-Absatz drehte im zweiten Quartal mit 116.807 verkauften BEV ins Plus, ein Zuwachs von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber ist vor allem der Marktstart des iX3, der in Europa zu einem Absatzsprung von 38,0 Prozent auf 81.445 Einheiten beitrug und sich Medienberichten zufolge der Marke von 100.000 Auftragseingängen in Europa nähert.

Auch in Deutschland zeigt sich Rückenwind: Der Juli brachte 24.644 Neuzulassungen, ein leichtes Plus von 0,5 Prozent, während das Halbjahr insgesamt ein Zulassungsplus von 5,4 Prozent verzeichnete.

Sollte der iX3 als Vorbote der „Neuen Klasse“ tatsächlich zum Absatztreiber werden und sich die Modelloffensive in den kommenden Quartalen fortsetzen, könnte das Restrukturierungsprogramm greifen, bevor die Ergebnisdynamik weiter erodiert.

Auch das Signal des Vorstands zählt: Milan Nedeljković hatte im Mai über 5.000 eigene Aktien zugekauft – ein Zeichen von Vertrauen in die mittelfristige Erholung.

Bärisches Szenario

Die Risiken sind jedoch ernst zu nehmen. Bernstein Research senkte am 13. August sein Kursziel deutlich von 108 auf 85 Euro, begründet mit nach unten revidierten Prognosen bei Umsatz, operativer Marge und Cashflow – auch wenn die Einstufung „Outperform“ blieb.

Einen Tag später reduzierte RBC Capital Markets sein Kursziel von 62 auf 60 Euro bei unveränderter „Sector Perform“-Einstufung. Beide Bewegungen zeigen: Der Markt traut BMW kurzfristig keine schnelle Trendwende zu. Hinzu kommt die China-Schwäche, die sich im zweiten Quartal sogar noch beschleunigt hat statt abzuflachen.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, drohen die für 2026 bereits avisierten Ziele – ein leichter Absatzrückgang bei deutlich sinkendem Ergebnis und einer EBIT-Marge von nur 1 bis 3 Prozent – zur unteren Leitplanke statt zum Zwischentief zu werden.

Auch die Verschiebung der Agenturmodell-Einführung im deutschen Vertrieb auf frühestens 2028 signalisiert, dass strukturelle Umbauten länger dauern als ursprünglich geplant.

Ausblick

Solange sich der iX3-Hochlauf fortsetzt und die Europa-Zahlen stabil bleiben, bietet das Sparprogramm eine plausible Brücke bis zur vollen Wirkung der Neuen Klasse. Beschleunigt sich der China-Rückgang dagegen weiter, dürfte die für 2026 in Aussicht gestellte Margenspanne von 1 bis 3 Prozent unter Druck geraten, und die 2030er-Ziele rücken in weitere Ferne.

Ein wichtiger Gradmesser wird der Amtsantritt von Dorothea von Boxberg als neue Personalvorständin zum 1. September, die die Restrukturierung im Bereich Arbeitsdirektion mitverantworten wird. Die kommenden Quartalszahlen dürften zeigen, ob sich der China-Trend stabilisiert – bis dahin bleibt die Aktie ein Abbild der Unsicherheit zwischen Sparkurs und Modelloffensive.

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Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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