BMW bekommt gleich von mehreren Seiten Gegenwind: schwächere Nachfrage bei Elektroautos, Druck im wichtigen China-Geschäft und ein gemischtes Analystenbild. Die jüngste Kurszielsenkung der Deutschen Bank verstärkt diesen Eindruck, auch wenn das Votum formal positiv bleibt. Entscheidend ist jetzt, ob die anstehenden Quartalszahlen genügend Argumente für eine Stabilisierung liefern.
Deutsche Bank wird vorsichtiger
Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für den Autobauer von 105 auf 103 Euro reduziert, das Rating „Buy“ jedoch bestätigt. Analyst Tim Rokossa verweist auf kurzfristige Risiken, die aus seiner Sicht derzeit stärker ins Gewicht fallen als das langfristige Potenzial.
Im Fokus der vorsichtigeren Einschätzung stehen:
- Anhaltende Marktschwäche in China
- Geopolitische Risiken durch die US-Zollpolitik
- Gedämpfte Wachstumserwartungen für 2026
Trotz der Senkung signalisiert das neue Kursziel vom aktuellen Schlusskurs bei 88,84 Euro aus rechnerisch weiterhin ein Aufwärtsspielraum von rund 16 Prozent. Der Schritt zeigt aber klar: Der Bewertungsabschlag kommt nicht von ungefähr, die Latte für positive Überraschungen liegt höher.
Analystenlage: Uneinheitliches Bild
Die Einschätzungen der Investmenthäuser zur BMW-Aktie gehen spürbar auseinander. In den vergangenen Tagen trafen mehrere, teils gegensätzliche Urteile ein:
- Deutsche Bank: Buy, Kursziel 103 Euro (16.01.2026)
- Merrill Lynch: Underperform (15.01.2026)
- Bernstein Research: Outperform (14.01.2026)
- UBS: Neutral, Herabstufung von „Buy“ (13.01.2026)
- JP Morgan: Overweight (12.01.2026)
Vor allem die UBS-Abstufung auf „Neutral“ nach der vorangegangenen Kurserholung sorgte für zusätzlichen Druck. Begründet wurde der Schritt mit Bewertungsaspekten – sprich: Die Aktie hatte aus Sicht der Schweizer Bank einen Teil ihres Nachholpotenzials bereits ausgeschöpft.
Im breiteren Konsens liegt das durchschnittliche Kursziel der 24 beobachtenden Analysten bei 90,91 Euro und damit nur leicht über dem aktuellen Kurs. Die Spanne ist mit 69 bis 112 Euro ungewöhnlich breit, was die Unsicherheit über die weitere Entwicklung unterstreicht.
Technische Lage kühlt ab
Charttechnisch hat sich das Bild in den vergangenen Tagen eingetrübt. Am Freitag rutschte der Kurs auf 88,84 Euro und damit auf ein neues 4-Wochen-Tief. Auf Sicht von sieben Tagen ergibt sich ein Minus von 3,85 Prozent, in den vergangenen 30 Tagen summiert sich der Rückgang auf 4,56 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 7,15 Prozent zu Buche.
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Wichtige Kennzahlen aus der technischen Perspektive:
- Kurs rund 2,9 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt (91,50 Euro)
- Noch über dem 100- und 200-Tage-Durchschnitt (87,47 bzw. 84,28 Euro)
- 52‑Wochen-Hoch bei 97,12 Euro, Abstand etwa 8,5 Prozent
- 52‑Wochen-Tief bei 63,56 Euro, aktueller Abstand knapp 40 Prozent
- RSI (14 Tage) bei 36,7, also nahe an der überverkauften Zone
Das frische 4‑Wochen-Tief ist ein bearishes Signal und kann technisch orientierte Anleger zu weiteren Verkäufen motivieren. Gleichzeitig liegt der Titel weiterhin klar über der 200‑Tage-Linie – von einem langfristigen Trendbruch kann also noch keine Rede sein.
Fundamentale Baustellen: Elektro und China
Die Schwäche im Kurs spiegelt auch operative Herausforderungen wider. Besonders im Elektrosegment musste BMW gegen Ende 2025 deutliche Rückschläge hinnehmen. Im vierten Quartal brachen die Verkäufe von batterieelektrischen Fahrzeugen in den USA um 45,5 Prozent ein. Weltweit sank der BEV-Absatz im selben Zeitraum um mehr als 10 Prozent.
Noch kritischer wird die Lage im strategisch wichtigen China-Geschäft gesehen. Dort verliert BMW im Segment der „New Energy Vehicles“ (NEV) an Boden. Während der Markt bereits eine NEV-Quote von über 53 Prozent erreicht, kommt der Konzern nur auf 11,5 Prozent. Die Diskrepanz zeigt, wie stark lokale und chinesische Wettbewerber das Tempo vorgeben – und wie viel Aufholarbeit im elektrifizierten Portfolio noch nötig ist.
Diese Kombination aus nachlassender Dynamik bei E-Autos und einer schwächeren Position im größten Einzelmarkt der Branche sorgt dafür, dass Investoren selbst bei einem optisch günstigen Bewertungsniveau zurückhaltend bleiben.
Bewertung und Ausblick: Zahlen im März als Prüfstein
Mit einem für 2026 geschätzten KGV von unter 8 wirkt die Aktie auf dem Papier klar günstig. Der Markt honoriert aktuell aber weniger die Bewertung als die Fähigkeit, das Geschäftsmodell an die strukturellen Veränderungen – E-Mobilität, China, Geopolitik – anzupassen. Können die anstehenden Zahlen das Vertrauen zurückbringen?
Der nächste wichtige Fixpunkt ist der 12. März 2026. Dann legt BMW die endgültigen Resultate für das vierte Quartal 2025 vor. Im Mittelpunkt dürften dabei stehen:
- Die EBIT-Marge im Automobilsegment
- Konkrete Aussagen zur Entwicklung in China und im NEV-Segment
- Hinweise auf die Absatzdynamik bei Elektrofahrzeugen im laufenden Jahr
Gelingt es dem Management, bei Marge und China-Strategie überzeugende Signale zu senden, könnte der derzeitige Bewertungsabschlag gegenüber dem Sektor zumindest teilweise abgebaut werden. Fallen die Details dagegen schwach aus, droht die Aktie trotz niedriger Multiples länger in der aktuellen Schwächephase zu verharren.
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