BMW wechselt die Spitze nicht aus der Krise heraus, aber in eine heikle Phase hinein. Milan Nedeljković übernimmt nach dem planmäßigen Rückzug von Oliver Zipse einen Konzern mit solider Basis, aber wachsendem Druck aus China, Zöllen und sinkender Profitabilität. Der neue Chef steht damit sofort vor seiner ersten echten Belastungsprobe.
Kontinuität an der Spitze
Nach der Hauptversammlung im Mai 2026 zog sich Zipse aus dem Vorstand zurück. Nedeljković übernahm unmittelbar danach den Vorsitz und erhielt vom Aufsichtsrat einen Vertrag bis 2031.
Der neue Vorstandschef ist kein externer Sanierer. Er kennt BMW von innen. Der promovierte Ingenieur startete 1993 als Trainee, leitete später unter anderem die Werke in Leipzig und München und verantwortete seit 2019 das Produktionsressort im Vorstand.
Genau das macht den Wechsel besonders. BMW setzt auf Kontinuität, während der operative Druck steigt. Ein Neuanfang ist das nicht — eher ein Test, ob die bisherige Strategie unter härteren Bedingungen trägt.
China schwächelt, Marge unter Druck
Die größte Baustelle liegt in China. Dort lieferte BMW im ersten Quartal 2026 rund 144.000 Fahrzeuge aus, zehn Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Das trifft den Konzern an einer empfindlichen Stelle. China war lange ein zentraler Ergebnistreiber für deutsche Premiumhersteller. Wenn dort die Dynamik nachlässt, wird die globale Ertragskraft schneller angreifbar.
Auch die Umsatzentwicklung zeigt den Druck. Im ersten Quartal sank der Konzernumsatz um 8,1 Prozent auf gut 31 Milliarden Euro. Es war bereits der neunte Rückgang in Folge.
Zölle belasteten zusätzlich. Im Automobilsegment drückten sie die EBIT-Marge um 1,25 Prozentpunkte. Mit fünf Prozent liegt BMW aber weiter in der Mitte des Zielkorridors von vier bis sechs Prozent für 2026.
Die Prognose bleibt damit intakt. Das ist wichtig, reicht allein aber nicht für Entspannung. Nedeljković muss zeigen, dass BMW trotz schwächerer Nachfrage und politischer Handelsrisiken die Rendite stabil halten kann.
Neue Klasse wird zum Prüfstein
Strategisch übernimmt Nedeljković das wichtigste Zukunftsprojekt seines Vorgängers: die Neue Klasse. Mit der neuen Elektro- und Softwarearchitektur will BMW die nächste Fahrzeuggeneration prägen.
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Für den neuen CEO ist das Projekt besonders eng mit der eigenen Bilanz verbunden. Als Produktionschef baute er die Serienproduktion der Neuen Klasse mit auf. Nun trägt er die Gesamtverantwortung dafür, ob Modelle wie der Langradstand-iX3 und der i3 den Rückgang in China abfedern können.
Parallel baut BMW weitere Antriebstechnologien aus. Im Werk Landshut startete die Vorserienproduktion des „Energy Master“, einer zentralen Steuereinheit für den Wasserstoffantrieb. Das Bauteil soll künftig im BMW iX5 Hydrogen eingesetzt werden.
Am selben Standort nahm BMW auch eine zweite Produktionslinie für die Steuereinheit batterieelektrischer Fahrzeuge der Neuen Klasse in Betrieb. Entwicklung und Produktion des Energy Master erfolgen erstmals vollständig innerhalb der BMW Group.
Der BMW iX5 Hydrogen ist für 2028 vorgesehen. Die Entwicklung des Antriebsstrangs und des Tanksystems wird über „HyPowerDrive“ gefördert; der Bund stellt 191 Millionen Euro bereit, Bayern trägt 82 Millionen Euro bei.
Aktie nahe dem Jahrestief
Am Markt ist die Skepsis bereits sichtbar. Die BMW-Aktie notiert nur knapp über dem Tief der vergangenen 52 Wochen. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 25 Prozent zu Buche.
Die Dividendenrendite wirkt auf den ersten Blick hoch. Sie liegt aktuell bei rund 6,02 Prozent, berechnet auf Basis einer Ausschüttung von 4,30 Euro je Aktie in den vergangenen zwölf Monaten.
Ein hoher Ausschüttungswert allein löst das Bewertungsproblem aber nicht. Der Kurs spiegelt die Sorge wider, dass BMW gleichzeitig in Elektroplattformen, Software, Wasserstofftechnik und globale Wettbewerbsfähigkeit investieren muss, während die Marge bereits unter Druck steht.
Ende 2025 beschäftigte die Gruppe weltweit 154.540 Menschen. Die starke Kapitalbasis gibt Nedeljković Spielraum, erhöht aber auch die Erwartung: BMW muss Transformation finanzieren, Rendite verteidigen und im chinesischen Markt wieder stabiler werden.
Der Führungswechsel ist damit kein Bruch, sondern ein verschärfter Realitätstest. Zipse übergibt keinen Sanierungsfall, aber auch keinen Konzern im Komfortmodus. Die nächste Messlatte liegt bei China, der Marge und dem Hochlauf der Neuen Klasse.
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