BMW hat am Sonntag die Serienproduktion des neuen i3 im Stammwerk München aufgenommen. Das Elektromodell ist nach dem iX3 bereits das zweite Fahrzeug der neuen Baureihe „Neue Klasse“, mit der der Konzern seine Elektrostrategie neu ausrichtet. Der Produktionsstart fällt in eine Phase, in der der Autobauer operativ unter Druck steht und Anleger auf handfeste Fortschritte beim Elektrohochlauf warten.
Zweites Modell der Neuen Klasse geht in Serie
Der i3 50 xDrive leistet 345 kW und bringt 645 Nm Drehmoment auf die Straße. Nach WLTP-Norm kommt das Fahrzeug auf eine Reichweite von bis zu 900 Kilometern, in zehn Minuten soll es bis zu 400 Kilometer nachladen können. Die Batterien stammen aus dem Werk Irlbach-Straßkirchen, die Motoren werden in Steyr gefertigt. Nach Medienberichten sinken die Fertigungskosten im Zuge der Werksmodernisierung um rund zehn Prozent. Das Münchner Werk soll bis 2027 vollständig auf Elektrofertigung umgestellt sein. Die Auslieferung des i3 ist ab Herbst geplant, parallel laufen bereits der 7er seit Juli sowie der X5 im US-Werk Spartanburg an. Für den iX3 verzeichnet BMW europaweit bereits mehr als 50.000 Bestellungen, die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen in Europa legte im ersten Quartal um 40 Prozent zu.
Schwaches zweites Quartal belastet weiterhin
Der Produktionsstart soll operative Substanz liefern, nachdem BMW im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von 34,9 Prozent verkraften musste. Bis Ende 2027 will der Konzern zudem 8.000 Stellen abbauen. An der Börse zeigt sich die angespannte Lage deutlich: Die Aktie schloss am Freitag bei 59,96 Euro, ein Plus von 2,18 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursverlust von 35,82 Prozent, der die schwierige Ausgangslage des Titels unterstreicht. Der Serienstart der Neuen Klasse ist damit auch ein Signal an Investoren, dass der Umbau trotz sinkender Gewinne voranschreitet.
Kein Kundenschwund zu chinesischen Marken
Für Entspannung auf der Absatzseite sorgt indes eine Einschätzung aus dem Handel. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärte Burkhard Weller von der Wellergruppe, dass ihm kein einziger BMW-Kunde bekannt sei, der zu BYD gewechselt sei. Chinesische Marken blieben aus seiner Sicht Nischenanbieter, auch wenn Marken wie BYD und MG mittlerweile auf einen Marktanteil von neun Prozent kommen. Die E-Auto-Kaufprämie bezeichnete Weller als „völligen Quatsch“. Seine Händlergruppe mit 1,8 Milliarden Euro Umsatz und 44 Autohäusern verkaufte 2025 rund 53.000 Fahrzeuge und peilt für 2026 ein Ziel von 60.000 an, bei einer Rendite von 1,5 Prozent.
Werbespot sorgt für Unmut bei Kunden
Für Kritik sorgte zuletzt ein anderes Thema: BMW spielt in den meisten Modellen ab Baujahr 2020 beim Fahrzeugstart einen Werbespot mit Spider-Man auf dem Display ab, Teil einer Partnerschaft mit Marvel zum Kinostart von „Spider-Man: A Brand New Day“. Nach Medienberichten reagierten Kunden empört, da BMW 2024 zugesichert hatte, das Auto solle ein werbefreier privater Raum bleiben. Der Vorfall dürfte das operative Geschäft kaum belasten, zeigt aber, wie sensibel Kunden auf Eingriffe in die Fahrzeugerfahrung reagieren – gerade in einer Phase, in der BMW mit der Neuen Klasse um Vertrauen in seine Elektrostrategie wirbt.
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