BMW hat am Samstag im Werk München die Serienproduktion des Elektromodells i3 aus der „Neuen Klasse“ gestartet. Die Nachfrage fällt nach Unternehmensangaben so hoch aus, dass die Anlaufkurve steiler verläuft als geplant. Zugleich sanken die Produktionskosten um weitere 10 Prozent. Ab 2027 will BMW im Stammwerk ausschließlich Elektrofahrzeuge bauen.
Der Produktionsstart fällt in eine Phase, in der BMW auf frisches Wachstum in Kernmärkten angewiesen ist. Im Juli setzte der Konzern in Deutschland 24.644 Neuwagen ab, ein Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach sieben Monaten summiert sich der Absatz auf 151.410 Fahrzeuge, ein Zuwachs von 5,4 Prozent – deutlich mehr als Konkurrent Audi mit 123.854 Einheiten im gleichen Zeitraum.
Gewinneinbruch überschattet die Absatzzahlen
Die operativen Zahlen zeichnen ein deutlich schwierigeres Bild. Im zweiten Quartal 2026 brach der Gewinn nach Steuern um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein, der Umsatz sank um 7,9 Prozent auf 31,26 Milliarden Euro.
Die EBIT-Marge im Automobilgeschäft fiel von 5,4 auf 2,3 Prozent, der operative Gewinn in diesem Segment brach um 60 Prozent ein. Bemerkenswert: Das Finanzdienstleistungsgeschäft verdient inzwischen mehr als das eigentliche Kerngeschäft mit Automobilen.
Hauptgrund für den Einbruch ist der China-Markt. Dort verkaufte BMW im zweiten Quartal nur noch 117.815 Fahrzeuge, ein Rückgang von 30,2 Prozent. Für das erste Halbjahr summiert sich das Minus in China auf 20,4 Prozent. Die Neuzulassungen von Januar bis Mai erreichten mit rund 195.000 Einheiten den tiefsten Stand seit mindestens sechs Jahren.
BMW reagierte Ende Juli mit einer spürbaren Absenkung der Jahresprognose: Statt eines stabilen Absatzniveaus erwartet der Konzern nun einen leichten Rückgang, die EBIT-Marge im Automobilgeschäft soll nur noch 1 bis 3 Prozent statt der bisherigen 4 bis 6 Prozent erreichen.
Auch beim Konzernergebnis vor Steuern rechnet BMW nun mit einem deutlicheren statt eines moderaten Rückgangs. Parallel kündigte der Konzern einen Abbau von rund 8.000 Stellen bis Ende 2027 an, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen schließt das Unternehmen aus, ein freiwilliges Abfindungsprogramm soll ab Oktober greifen.
Elektroantrieb als Lichtblick
Trotz der schwachen Zahlen zeigt das Elektrogeschäft Dynamik. Für den BMW iX3 gingen im ersten Halbjahr rund 100.000 Bestellungen weltweit ein. Der BEV-Absatz im zweiten Quartal stieg um 5,2 Prozent auf 116.807 Einheiten, in Europa sogar um 38 Prozent auf 81.445 Fahrzeuge.
Der vorgezogene Bestellstart für den i3 im Juni traf bereits auf hohe Nachfrage – ein Muster, das sich nun mit dem Produktionsstart in München fortsetzt.
Auch beim Vorstand vollzieht BMW einen Umbruch. Zum 1. September übernimmt Dorothea von Boxberg, zuvor Chefin von Brussels Airlines und CFO von Lufthansa Cargo, das Personalressort von Ilka Horstmeier, die 31 Jahre für BMW tätig war. Bereits im Mai hatte Milan Nedeljković den Vorstandsvorsitz von Oliver Zipse übernommen, während Raymond Wittmann als neuer Produktionsvorstand einstieg.
Der Kurs der BMW-Aktie notierte am Mittwoch bei 59,36 Euro und bewegt sich damit nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro. Die Diskrepanz zwischen operativer Schwäche und der Zuversicht rund um die „Neue Klasse“ dürfte die Anleger noch länger beschäftigen: Während das klassische Kerngeschäft unter chinesischem Absatzdruck leidet, setzt BMW seine strategische Wette auf die Elektromobilität fort.
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