Citigroup hat BMW am Freitag auf die Beobachtungsliste „Positive Catalyst Watch“ gesetzt. Analyst Harald Hendrikse rechnet mit einer 90-Tage-Frist vor positiven Schlagzeilen im Vorfeld des Kapitalmarkttags Ende September unter neuer Führung. Die Einstufung selbst bleibt bei „Neutral“ – Citigroup traut dem Papier also noch keinen klaren Kaufimpuls zu, sieht aber Nachrichtenpotenzial nach oben.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: BMW hat gerade erst einen Führungswechsel hinter sich, und die Erwartungshaltung am Markt richtet sich nun auf konkrete strategische Aussagen zum Ende September anstehenden Kapitalmarkttag. Citigroups Votum liest sich weniger als Kaufempfehlung denn als Hinweis, dass sich in den kommenden Wochen etwas bewegen könnte – ohne dass die Bank sich bereits festlegt.
Zwei Millionen Elektroautos als operatives Signal
Unabhängig von der Analystenmeinung hat BMW nach Angaben von Reuters die Marke von zwei Millionen ausgelieferten Elektroautos erreicht. Der elektrische i5 lief dafür im Werk Dingolfing vom Band und wurde an einen Kunden in Spanien übergeben. Die Meldung fällt in eine Phase, in der Investoren genau beobachten, ob BMW seine Elektrostrategie operativ untermauern kann, bevor im Herbst neue strategische Weichen gestellt werden.
Am Aktienmarkt kommt die Kombination aus operativem Meilenstein und Personalie an: Der Kurs schloss am Freitag bei 62,70 Euro, ein Plus von 5,0 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von 7,8 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal, dass der Markt die jüngsten Nachrichten positiv verarbeitet.
Analystenlager bleibt gespalten
Die Einschätzungen der übrigen Häuser fallen uneinheitlich aus. Anfang August bestätigte die Deutsche Bank Research ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 90 Euro, während Goldman Sachs sein Ziel zeitgleich auf 82 Euro senkte, die Kaufempfehlung aber beibehielt.
Jefferies sah das Papier zum selben Zeitpunkt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 70 Euro. RBC ging Mitte August den gegenteiligen Weg und stufte die Aktie mit gesenktem Kursziel von 60 Euro auf „Sector Perform“ ein.
Die Bandbreite der Kursziele – von 60 bis 90 Euro – spiegelt die Unsicherheit über den weiteren Kurs des Konzerns wider. Während der operative Fortschritt bei Elektrofahrzeugen unstrittig ist, bleibt offen, wie die neue Führung die strategische Ausrichtung beim Kapitalmarkttag konkretisieren wird.
Gemessen am aktuellen Kursniveau liegt BMW noch immer 36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro, das im Dezember erreicht wurde – ein Abstand, der zeigt, wie viel Vertrauen der Markt seit dem Höchststand verloren hat und wie hoch die Erwartungen an den Herbst-Termin inzwischen sind.
Für Anleger verdichtet sich damit ein Bild: Der operative Meilenstein bei den Elektroauslieferungen liefert Substanz, die Personalie und der bevorstehende Kapitalmarkttag liefern die Spekulation. Citigroups „Positive Catalyst Watch“ bringt diese Gemengelage auf den Punkt, ohne selbst schon Farbe zu bekennen.
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