BMW steckt mitten im größten Gewinneinbruch seiner jüngeren Geschichte. Die Automarge fällt auf 2,3 Prozent – vor einem Jahr lag sie noch bei 5,4 Prozent. Der neue Vorstandschef Milan Nedeljković, erst seit Mitte Mai im Amt, muss nun eine Kurskorrektur einleiten, die er sich so früh sicher nicht gewünscht hat.
China reißt die Marge nach unten
Die am Donnerstag vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen das ganze Ausmaß der Krise. Der Umsatz sank um rund 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro. Noch schwerer wiegt der Einbruch im wichtigsten Einzelmarkt: In China verkaufte BMW rund 30 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr.
Lokale Anbieter liefern sich einen harten Preiskampf. Hinzu kommt eine spürbare Kaufzurückhaltung chinesischer Konsumenten. Die Kombination trifft BMW stärker, als viele Analysten vor den Zahlen erwartet hatten.
Die Aktie spiegelt diesen Druck deutlich wider. Am Freitag schloss das Papier bei 59,46 Euro, ein Minus von 1,69 Prozent an nur einem Handelstag. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 36,35 Prozent zu Buche – die Aktie notiert nur noch 5,43 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Nedeljković sucht Rückhalt in den USA
Weil China schwächelt, verlagert der neue CEO seinen Fokus auf Nordamerika. Laut Medienberichten sucht Nedeljković den Schulterschluss mit einflussreichen US-Händlern. Ziel ist es, Sonderregelungen bei drohenden Importzöllen zu erwirken.
Im Zentrum steht das Werk in Spartanburg. Der Standort spielt für BMWs globales Exportnetzwerk eine zentrale Rolle. Die Strategie soll die Abhängigkeit von Asien abfedern, indem das Nordamerika-Geschäft stabiler wird.
Debrecen liefert ein Erfolgssignal
Trotz der schwierigen Lage gibt es einen Lichtblick. Im ungarischen Debrecen lief bereits der 50.000ste BMW iX3 vom Band – nur neun Monate nach Produktionsstart. Der iX3 ist das erste Modell der „Neuen Klasse“, auf die BMW seine Zukunftshoffnungen setzt.
Laut Unternehmensangaben ist das der schnellste Produktionshochlauf eines neuen Standorts in der Firmengeschichte. Die Auftragseingänge nähern sich der Marke von 100.000 Fahrzeugen. Schon im Februar führte BMW deshalb eine zweite Schicht ein.
Analysten kappen die Kursziele
Die Reaktionen der Analystenhäuser fielen überwiegend zurückhaltend aus. Bernstein Research bestätigt zwar „Outperform“, senkt das Kursziel aber von 85 auf 82 Euro. Die Begründung: BMW muss das Vertrauen der Investoren nun durch strikte Kostendisziplin zurückgewinnen.
Die DZ Bank stuft die Aktie auf „Halten“ herab und kürzt den fairen Wert von 75 auf 65 Euro. RBC Capital Markets beließ das Kursziel bei 62 Euro und die Einstufung bei „Sector Perform“.
Der Blick der Investoren richtet sich nun auf den Kapitalmarkttag Ende September. Dort erwarten sie konkrete Details zur Skalierung der „Neuen Klasse“. Zusätzlich sollen neue Effizienzmaßnahmen zeigen, wie BMW die Profitabilität bis 2027 wieder steigern will.
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