Der Vorstand von BMW hat sich zum 1. September neu aufgestellt. Dorothea von Boxberg zog an diesem Tag als Arbeitsdirektorin in das Gremium ein, wie das Unternehmen mitteilte. Ilka Horstmeier gab im Gegenzug ihr Vorstandsamt für Personal und Immobilien ab – der Wechsel erfolgte nach Angaben von BMW im gegenseitigen Einvernehmen.
Der Personalwechsel fällt in eine Phase, in der genau dieses Ressort besonders im Fokus steht. BMW hatte Ende Juli ein Abfindungsprogramm angekündigt, das weltweit rund 8.000 Stellen kosten soll – etwa 5 Prozent der Gesamtbelegschaft. Die neue Arbeitsdirektorin übernimmt damit ein Amt mitten im laufenden Umbau der Personalstruktur, dessen Umsetzung von Oktober 2026 bis Ende 2027 vorgesehen ist.
Nach Unternehmensangaben sind in Deutschland etwa 85.000 der insgesamt 154.000 Beschäftigten von den Maßnahmen betroffen, dort soll auch die Mehrheit der Streichungen erfolgen. Für die Personalmaßnahmen 2026 hat BMW rund 1 Milliarde Euro reserviert.
Belastete Bilanz als Hintergrund
Der Führungswechsel geschieht vor dem Hintergrund einer angespannten Ertragslage. Im zweiten Quartal 2026 brach der Gewinn nach Steuern um rund 35 Prozent ein, der Konzern erwirtschaftete noch 1,2 Milliarden Euro nach Steuern, während der Umsatz von 34 auf 31 Milliarden Euro zurückging.
Der operative Gewinn im Automobilgeschäft sackte um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen Euro ab. Besonders deutlich zeigte sich die Schwäche in China: Dort lieferte BMW im zweiten Quartal nur 117.815 Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 30,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im ersten Halbjahr summierte sich das China-Minus auf 20,4 Prozent.
Bereits im Juni hatte BMW seine Jahresprognose gesenkt. Statt eines stabilen Absatzniveaus rechnet der Konzern nun mit einem leichten Rückgang der Automobil-Auslieferungen, die EBIT-Marge im Autogeschäft soll nur noch zwischen 1 und 3 Prozent liegen statt der zuvor avisierten 4 bis 6 Prozent. Auch die Kapitalrendite im Segment Automobile wurde von 6 bis 10 Prozent auf 1 bis 5 Prozent zurückgenommen.
Elektrifizierung läuft gegen den Trend
Während die operativen Kennzahlen unter Druck stehen, kommt BMW beim Ausbau der Elektromobilität voran. Die batterieelektrischen Auslieferungen stiegen im zweiten Quartal um 5,2 Prozent auf 116.807 Fahrzeuge, der BMW iX3 nähert sich nach Unternehmensangaben der Marke von 100.000 Auftragseingängen. In Europa erreichte der BEV-Anteil im ersten Halbjahr 28 Prozent.
Parallel investiert der Konzern weiter in neue Produktionsstandorte: Ab 2027 sollen im mexikanischen San Luis Potosí Elektrofahrzeuge auf Basis der „Neuen Klasse“ entstehen, im ungarischen Debrecen startet noch in diesem Jahr die Serienproduktion des iX3. Das Stammwerk München soll ab 2027 vollständig auf vollelektrische Fertigung umgestellt sein.
Für die Aktie bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Einem laufenden Sparprogramm und dem Umbau der Elektro-Fertigung steht eine deutlich gesenkte Gewinnprognose gegenüber, während der neu besetzte Vorstandsposten die Umsetzung der Personalmaßnahmen in den kommenden Monaten steuern muss.
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