BMW hat am heutigen Donnerstag seinen Halbjahresbericht vorgelegt – und die Zahlen bestätigen, wie tief der chinesische Absatzeinbruch in die Bilanz des Münchner Autobauers schneidet. Der Konzern verdiente im zweiten Quartal 1,2 Milliarden Euro nach Steuern, ein Rückgang von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz sank auf 31,26 Milliarden Euro und blieb damit unter dem Konsens von 32,26 Milliarden Euro, den Analysten erwartet hatten.
Besonders hart traf es die Autosparte: Das operative Ergebnis brach um rund 60 Prozent auf 629 Millionen Euro ein, die EBIT-Marge fiel von 5,4 auf 2,3 Prozent. Der Konzern-EBIT sackte um 39 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro. Zum Vergleich zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre das Ausmaß der Talfahrt: Der Halbjahresgewinn lag 2023 noch bei 6,6 Milliarden Euro, 2024 bei 5,7 Milliarden und 2025 bei 4,0 Milliarden – 2026 sind es nur noch 2,9 Milliarden Euro.
China bleibt das zentrale Problem
Als Hauptursache nennt BMW-Chef Milan Nedeljković unmissverständlich den chinesischen Markt. Die Auslieferungen in China brachen im zweiten Quartal um 30,2 Prozent auf 117.815 Fahrzeuge ein, für das erste Halbjahr steht ein Minus von rund 20 Prozent zu Buche. Nedeljković sprach laut Mitschrift der Telefonkonferenz von Ergebnissen, die zwar der angepassten Prognose entsprächen, aber nicht zufriedenstellend seien. Die Herausforderungen durch Wettbewerb, Regulierung und Geopolitik nähmen rasant zu, so der CEO. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer wird mit der Einschätzung zitiert, das bisherige Geschäftsmodell in China funktioniere schlicht nicht mehr.
Weltweit lieferte BMW im zweiten Quartal 590.962 Fahrzeuge aus, ein Minus von 4,9 Prozent – deutlich moderater als in China, da sich die Märkte USA und Europa laut Unternehmensangaben besser hielten. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Konzern seine bereits gesenkte Prognose: eine EBIT-Marge im Autogeschäft von 1 bis 3 Prozent sowie einen deutlichen Rückgang des Konzernergebnisses vor Steuern von mehr als 15 Prozent.
Sparprogramm mit 8.000 Stellen
Als Antwort auf den Ergebniseinbruch hat sich BMW mit dem Betriebsrat auf ein Personalstrukturprogramm geeinigt. Weltweit sollen bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen wegfallen, etwa fünf Prozent der Belegschaft. Von den 84.000 deutschen Beschäftigten erhalten rund 50.000 in indirekten Bereichen – Verwaltung, Entwicklung, Vertrieb und Management – ab Oktober 2026 ein freiwilliges Abfindungsangebot. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzern aus, die Produktion bleibt von dem Programm ausgenommen. Die Kosten des Abfindungsprogramms beziffert BMW auf eine niedrige Milliardensumme, konkret werden rund eine Milliarde Euro Rückstellung sowie Restrukturierungsaufwendungen im dreistelligen Millionenbereich genannt. Zusätzlich sollen ab April 2027 Leistungsträger pauschal auf 35-Stunden-Verträge umgestellt werden. Finanzvorstand Walter Mertl verweist auf bereits realisierte Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 und kündigt weitere Effizienzmaßnahmen an, unter anderem durch den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das mittelfristige Margenziel von 8 bis 10 Prozent im Autogeschäft rückt damit laut Nedeljković frühestens auf das Jahr 2030.
Hoffnungsträger bleibt die „Neue Klasse“: Vom Elektro-SUV iX3 hat BMW nach eigenen Angaben bereits mehr als 50.000 Einheiten produziert, die Bestellungen nähern sich der Marke von 100.000. Auch für das Modell i3 meldet der Konzern eine starke Nachfrage zum Vorbestellungsstart.
Analysten reagieren verhalten
Jefferies-Analyst Philippe Houchois beließ seine Einstufung für BMW nach den Zahlen auf „Hold“ bei einem Kursziel von 70 Euro. Das operative Ergebnis der Autosparte habe den Konsens getroffen, der freie Cashflow sei sogar höher ausgefallen als erwartet, so seine Einschätzung.
An der Börse reagierten Anleger zunächst mit leichten Aufschlägen auf die Zahlen. Die Aktie notiert aktuell bei 60,26 Euro und damit nahezu unverändert zum Vortagesschluss. Auf Wochensicht hat das Papier um 5,53 Prozent zugelegt und sich damit von seinem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst am 24. Juli markiert wurde, wieder etwas entfernt. Von den Höchstständen des vergangenen Jahres bleibt die Aktie jedoch weit entfernt – der China-bedingte Gewinneinbruch drückt seit Monaten auf die Bewertung des Konzerns.
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