BMW hat heute offiziell bestätigt, dass der Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 am Donnerstag um 7.30 Uhr MESZ veröffentlicht wird. Der Termin gilt als Belastungsprobe für den Kurs, der zuletzt bei 56,86 Euro aus dem Freitagshandel ging und seit Jahresbeginn um 39,14 Prozent nachgegeben hat. Damit notiert die Aktie nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief, von dem sie 0,82 Prozent entfernt liegt.
Rückruf trifft Konzern kurz vor den Zahlen
Gestern musste BMW einen weltweiten Rückruf von 744.234 Fahrzeugen einräumen. Betroffen sind unter anderem die Baureihen 3er, 5er, 7er, X5 und i3, bei denen ein defektes Starterrelais eine Brandgefahr auslösen kann. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts betrifft die Aktion 42.300 Fahrzeuge allein in Deutschland. Der Zeitpunkt ist unglücklich gewählt: Nur wenige Tage vor der Zahlenvorlage rückt damit ein technisches Problem in den Fokus, das zusätzlich zur ohnehin angespannten Ergebnislage Aufmerksamkeit bindet.
China bricht ein, USA und Deutschland stützen
Die Absatzzahlen für das zweite Quartal, die BMW Anfang Juli vorgelegt hatte, zeigen das eigentliche Problem des Konzerns deutlich. Die weltweiten Auslieferungen sanken um 4,9 Prozent auf rund 591.000 Einheiten. Während der US-Absatz um 13,0 Prozent auf 102.713 Fahrzeuge zulegte, brach das China-Geschäft um etwa 30 Prozent ein – jener Markt, der lange als Wachstumsmotor der Marke galt. Im Heimatmarkt lief es dagegen deutlich besser: Die Neuzulassungen in Deutschland stiegen im Juni um 18,6 Prozent auf 26.119 Fahrzeuge, im ersten Halbjahr summierten sich die Zulassungen auf 126.766 Einheiten und lagen damit vor Mercedes-Benz. Der Kontrast zwischen starkem Heimatmarkt und einbrechendem China-Geschäft dürfte die zentrale Frage des Donnerstagsberichts sein.
Hintergrund ist die Ad-hoc-Mitteilung vom 16. Juni, in der BMW die EBIT-Margen-Prognose für das Automobilsegment von 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent gesenkt hatte. Als Gründe nannte der Konzern die Absatzschwäche in China sowie gestiegene Energiekosten infolge des Iran-Konflikts. Der Markt erwartet am Donnerstag eine Bestätigung dieser Spanne.
Sparprogramm und personelle Weichenstellungen
Parallel zur operativen Schwäche fährt BMW einen sichtbaren Sparkurs. Medienberichten zufolge plant der Konzern im Zuge der strukturellen Neuausrichtung auf die „Neue Klasse“ den Abbau von bis zu 7.500 Arbeitsplätzen; Details sollten auf einer Betriebsversammlung Ende Juli vorgestellt werden. Am 20. Juli wurde dieser Plan bekannt. Zudem verzichtet der Konzern laut Bloomberg auf eine Teilnahme am Pariser Automobilsalon im Oktober, um Marketingkosten einzusparen. Auch an der Konzernspitze gibt es Bewegung: Vergangenen Mittwoch wurde Dorothea von Boxberg, zuvor bei Brüssel Airlines, zur neuen Personalvorständin ernannt. Sie übernimmt das Ressort Ende August von Ilka Horstmeier.
Trotz der schwierigen Lage hält BMW an seiner Kapitalrückführung fest. Anfang Juli startete die dritte Tranche des Aktienrückkaufprogramms 2025/2027 mit einem Volumen von bis zu 625 Millionen Euro, das bis spätestens 30. November laufen soll. Ende Juni hatte der Konzern zudem die Umwandlung aller Vorzugsaktien in Stammaktien abgeschlossen, verbunden mit einer technischen Bereinigung der Index-Listings.
Analysten uneins über das Ausmaß der Risiken
Die Einschätzungen der Analysten gehen auseinander. Vergangene Woche stufte HSBC-Analyst Mike Tyndall die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch und nannte ein Kursziel von 71,00 Euro – seine Begründung: Die China-Risiken seien im Kurs bereits eingepreist. Deutsche-Bank-Analyst Tim Rokossa hatte Mitte Juli sein „Buy“-Rating mit einem deutlich höheren Kursziel von 90,00 Euro versehen. Beide Kursziele liegen weit über dem aktuellen Niveau der Aktie, die mit einem RSI von 30,7 charttechnisch als überverkauft gilt. Ob diese Einschätzungen nach dem Donnerstagsbericht Bestand haben, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie stark sich die China-Schwäche in den Halbjahreszahlen niederschlägt.
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