Am Stammwerk München hat BMW die Serienproduktion des vollelektrischen i3 aufgenommen. Es ist das zweite Modell der sogenannten Neuen Klasse und markiert den Auftakt eines tiefgreifenden Umbaus der Fertigung. Seit dem Bestellstart Mitte Juni verzeichnet der Konzern nach eigenen Angaben eine hohe Nachfrage nach dem neuen Elektromodell. Für das Werk, in dem seit 1975 rund neun Millionen Fahrzeuge der 3er-Reihe entstanden sind, bedeutet der Anlauf einen Bruch mit der Vergangenheit: Ab 2027 sollen dort nur noch vollelektrische Autos vom Band laufen.
Der Umbau kostete Zeit und Geld. Fünf Jahre lang wurde ein Drittel des Werksgeländes umgebaut, BMW investierte dafür 650 Millionen Euro. Neuer Karosseriebau und eine neue Montagehalle entstanden im laufenden Betrieb. Nach Unternehmensangaben sinken die Produktionskosten durch die neue Fertigungslogik um zehn Prozent. Die Batterien für den i3 kommen aus dem Werk Irlbach-Straßkirchen, die Elektromotoren aus dem österreichischen Steyr, wo die Fertigung für die Neue Klasse seit Anfang Juli im Zweischichtbetrieb läuft und eine Kapazität von mehr als 4.000 E-Motoren pro Woche erreicht. Die Einstiegsversion i3 50 xDrive First Edition ist seit Mitte Juni bestellbar und soll laut WLTP-Angabe bis zu 906 Kilometer Reichweite schaffen.
Stellenabbau begleitet die Elektro-Wende
Der technologische Neustart hat eine soziale Kehrseite. BMW plant den Abbau von 8.000 Stellen, rund 50.000 Beschäftigten wurden bereits Abfindungsangebote unterbreitet. Der Umbau des Stammwerks fällt damit in eine Phase, in der der Konzern zugleich Kosten senken und sein größtes Werk komplett neu ausrichten muss – ein Spagat, der die Übergangsjahre bis 2027 prägen dürfte.
Elektrischer M3 dreht Runden auf dem Nürburgring
Parallel zur Serienfertigung des i3 testet BMW bereits die nächste Ausbaustufe der Neuen Klasse: einen elektrischen M3, der jüngst mit Tarnfolie auf dem Nürburgring gesichtet wurde. Das Modell soll auf vier Elektromotoren setzen, die von einem zentralen Rechner namens „Heart of Joy“ gesteuert werden. Geplant sind zudem simulierte Gangwechsel und ein eigens entwickelter Klang, um das gewohnte M-Fahrgefühl in die Elektrowelt zu übertragen. M-Chef Frank van Meel äußerte sich zuversichtlich, dass der elektrische M3 der beste M3 überhaupt werden könnte.
Rekordabsatz bei E-Autos, Druck aus China
Der Anlauf des i3 trifft auf ein günstiges Marktumfeld in Deutschland. Im Juli erreichten batterieelektrische und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zusammen einen Rekordanteil von 40,7 Prozent aller Neuzulassungen, reine Elektroautos verzeichneten mit 78.609 Einheiten ein Plus von 61,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für BMW ist das nur die halbe Wahrheit: Die Premium-Krise trifft die Marke und Mercedes-Benz nach Marktbeobachtungen besonders hart, vor allem in China, wo BMW sein SUV-Modell iX5 inzwischen an lokale Anforderungen anpasst.
Aktie kämpft um den Anschluss an die Erholung
An der Börse zeigte sich am Freitag zunächst Erleichterung: Die BMW-Aktie schloss bei 59,82 Euro und legte im Tagesverlauf um 1,94 Prozent zu. Auf Jahressicht bleibt der Titel aber tief im Minus, seit Jahresbeginn hat die Aktie kräftig an Wert verloren. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand weiterhin gut drei Prozent nach unten, ein klares Signal, dass die kurzfristige Erholung noch keine stabile Trendwende bedeutet.
Am Kapitalmarkt gehen die Einschätzungen weit auseinander. Jefferies bewertet die Aktie mit „Hold“ und einem Kursziel von 70 Euro, Goldman Sachs sieht dagegen mit einem „Buy“-Rating und einem Ziel von 82 Euro deutlich mehr Potenzial. Andere Häuser siedeln ihre Bewertung sogar bei bis zu 90 Euro an. Charttechnisch gilt eine Zone knapp unter 60 Euro als Unterstützung; ein nachhaltiger Ausbruch nach oben könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern eine offene Kurslücke im Bereich der mittleren 60er-Euro-Marke schließen. Ob der Produktionsstart des i3 dafür der entscheidende Impuls ist, muss sich in den kommenden Wochen an der Reaktion der Anleger zeigen.
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