Ein Leerverkäufer attackiert Bloom Energy wegen seiner Lieferketten, FuelCell Energy verdaut eine schmerzhafte Kapitalerhöhung mit einem Siemens-Deal – und während die beiden KI-Profiteure binnen Tagen wieder Boden gutmachen, kämpft Hydrogenpro ums nackte Überleben. Der Wasserstoff-Sektor zeigt diese Woche, wie unterschiedlich Kapitalmärkte auf dieselbe Branche reagieren können. Wer Zugang zu frischem Geld hat, übersteht fast jeden Rückschlag. Wer keinen hat, zahlt einen hohen Preis.
Plug Power: Ausverkauf trifft auf zweifelnde Analysten
Die Aktie ist tief im technischen Ausverkauf gefangen. Am Freitag ging es um 7,07 Prozent auf 1,94 Euro nach unten, binnen sieben Tagen büßte das Papier 16,38 Prozent ein, auf Monatssicht sogar 21,58 Prozent. Der Kurs notiert damit rund 47,82 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,72 Euro und liegt auch deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 2,26 Euro.
Der RSI von 27 signalisiert eine überverkaufte Aktie – theoretisch Raum für eine technische Gegenbewegung. Fundamental bleibt das Bild zwiespältig. Plug Power meldete ein Umsatzplus von 22 Prozent im Jahresvergleich und brachte das 50-Megawatt-Projekt Hunter Valley Hydrogen Hub im australischen Newcastle zur finalen Investitionsentscheidung.
Morgan Stanley erhöhte sein Kursziel jüngst leicht, beließ die Einstufung aber bei „Underweight“. Der Analystenkonsens bleibt bei „Hold“, verteilt auf sieben Kauf-, elf Halte- und vier Verkaufsempfehlungen unter 22 Beobachtern. Belastend wirken vor allem Zölle auf chinesische Komponenten und europäische Elektrolyseure, die den Umstieg auf heimische Zulieferer verteuern und Profitabilitätsziele weiter nach hinten verschieben könnten.
FuelCell Energy: Siemens-Kooperation überstrahlt Verwässerungsschock
Wenige Aktien im Sektor durchliefen diese Woche eine derart heftige Berg-und-Talfahrt. Eine aufgestockte Kapitalerhöhung über 10,71 Millionen Aktien zu 21,00 US-Dollar je Papier – mit einem Abschlag von 19 Prozent zum vorherigen Schlusskurs – drückte den Kurs zunächst deutlich nach unten. Kaum war die Nachricht verdaut, sorgte eine neue Partnerschaft mit Siemens für eine Kehrtwende.
Siemens wird im Rahmen einer Absichtserklärung elektrische Anlagenkomponenten für Brennstoffzellen-Projekte oberhalb von 100 Megawatt liefern. Die Aktie zog daraufhin an einem einzelnen Handelstag um 11 Prozent an. Trotz der Erholung bleibt die Schwankungsbreite enorm: Am Freitag schloss das Papier bei 18,39 Euro, ein Minus von 8,58 Prozent an einem Tag, nachdem es zuvor binnen sieben Tagen bereits 25,45 Prozent verloren hatte.
Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 30,95 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 163,85 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,52 Milliarden US-Dollar, das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 4,78 verrät, dass Anleger vor allem auf künftiges Wachstum setzen statt auf laufende Gewinne. Die Siemens-Vereinbarung bleibt vorerst eine Absichtserklärung – konkrete Projektaufträge müssten folgen, damit die Euphorie trägt.
Bloom Energy: Shortseller-Attacke prallt an der Rally ab
Der Leerverkäufer Hunterbrook veröffentlichte einen Bericht, der Bloom Energys Aussagen zu Lieferkette und Produktionskapazität in Zweifel zog. Im Zentrum stand der Vorwurf, das Unternehmen sei trotz gegenteiliger Aussagen des Managements auf chinesisches Scandium angewiesen, ein seltenes Metall für die Brennstoffzellenproduktion. Zusätzlich stellte der Bericht den gemeldeten Auftragsbestand von rund 20 Milliarden US-Dollar infrage, der bilanziell nur mit vertraglich gesicherten Leistungsverpflichtungen von 492,6 Millionen US-Dollar hinterlegt sei.
Bloom Energy wies die Vorwürfe als „falsch und irreführend“ zurück und verwies auf seine testierten Jahres- und Quartalsberichte. Das Unternehmen betonte zudem, über ausreichende Scandiumoxid-Vorräte zu verfügen und nicht auf China angewiesen zu sein, um künftiges Wachstum zu bedienen. Anleger nahmen die Entwarnung an: Nach dem ersten Schock erholte sich die Aktie deutlich.
Am Freitag schloss das Papier bei 215,50 Euro, ein Tagesminus von 4,22 Prozent, nach einem Wochenrückgang von 12,04 Prozent. Der Blick auf die längere Frist relativiert die jüngste Nervosität: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 155,97 Prozent, auf Jahressicht sogar von 873,57 Prozent. Der RSI von 43 deutet auf eine neutrale bis leicht überverkaufte Lage hin. Die nächsten Quartalszahlen am 28. Juli dürften zeigen, ob die Rückendeckung durch KI-getriebene Stromnachfrage die Zweifel an Lieferkette und Auftragsbestand endgültig ausräumt.
Ceres Power: Nachwehen einer 103-Millionen-Pfund-Kapitalerhöhung
Ceres Power arbeitet weiter eine kräftige Kurskorrektur ab, die einer fast 300-prozentigen Rally zwischen Januar und Mai ein jähes Ende setzte. Auslöser war eine überzeichnete Kapitalerhöhung über 103 Millionen britische Pfund, bei der 18,0 Millionen neue Aktien zu je 570 Pence platziert wurden. Allein in der letzten Juniwoche brach der Kurs um 25,8 Prozent ein.
Am Freitag schloss die Aktie bei 5,42 Euro, ein Tagesverlust von 3,90 Prozent. Binnen sieben Tagen summierte sich der Rückgang auf 12,73 Prozent, auf Monatssicht auf 18,39 Prozent – die Aktie notiert damit rund 28,03 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Operativ tut sich derweil etwas, wenn auch in kleinen Schritten. Doosan startete 2025 die Massenproduktion an seiner 50-Megawatt-Anlage in Südkorea und löste damit die erste Lizenzzahlung an Ceres Power aus, allerdings nur in Höhe von 110.000 Pfund. Delta Electronics hat inzwischen Grundstücke und Fabrikflächen in Taiwan im Gegenwert von umgerechnet rund 6,95 Milliarden Neu-Taiwan-Dollar erworben, um dort auf Basis der Ceres-Technologie Wasserstofflösungen im großen Maßstab zu fertigen. Die Produktion soll bis Ende 2026 anlaufen.
Am Kapitalmarkt gehen die Meinungen auseinander. Panmure Liberum stufte die Aktie im Juni auf „Sell“ herab und begründete dies mit einer aus ihrer Sicht überzogenen Kursrally im Verhältnis zum tatsächlichen Fertigungstempo der Partner – bis 2030 seien bei bestätigten Fertigungspartnern lediglich rund 400 Megawatt Kapazität gesichert. Der Analystenkonsens von acht Häusern sieht dennoch weiteres Potenzial.
Hydrogenpro: Wettlauf gegen die eigene Kassenlage
Kein anderes Unternehmen im Sektor steht derzeit stärker unter finanziellem Druck. Nach einer Notplatzierung zu einem drastischen Abschlag bereitet Hydrogenpro nun ein Bezugsangebot vor, das Aktionäre entschädigen soll, die bei der ersten Runde leer ausgingen. Die ursprüngliche Privatplatzierung von 30 Millionen neuen Aktien brachte brutto 15 Millionen norwegische Kronen ein – zu einem Ausgabepreis von 0,50 Kronen je Aktie, verglichen mit einem Schlusskurs von 2,11 Kronen nur wenige Wochen zuvor.
Die Bezugsfrist für das nachgelagerte Angebot läuft bis zum 20. Juli, die Zahlung ist für den 23. Juli vorgesehen, der Handel mit den neuen Aktien an der Börse Oslo soll ab dem 30. Juli beginnen. Das Unternehmen selbst räumt ein, dass die verfügbaren Barmittel zuletzt spürbar geschrumpft seien und zusätzliches Eigenkapital notwendig sei, um den Betrieb fortzuführen.
Der Kursverlauf spiegelt die Verzweiflung wider: Am Freitag fiel die Aktie um 7,65 Prozent auf 0,07 Euro, nachdem sie binnen 30 Tagen bereits 65,95 Prozent verloren hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 64,29 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 79,17 Prozent. Der Titel notiert damit nur knapp über seinem 52-Wochen-Tief.
Immerhin gibt es operative Lichtblicke. Für das dritte Quartal erwartet Hydrogenpro den Abschluss zweier Elektrolyseur-Verträge im Gesamtwert von rund 300 Millionen norwegischen Kronen, dazu kommt eine Projektpipeline von rund einer Milliarde Kronen, die binnen zwölf Monaten die finale Investitionsentscheidung erreichen könnte. Über eine OEM-Vereinbarung mit der Wasserstoff-Tochter von Longi sichert sich das Unternehmen zudem sofortigen Zugriff auf ein Gigawatt Fertigungskapazität, ohne selbst investieren zu müssen. Beim ACES-Projekt in Utah läuft die erste Phase mit 220 Megawatt bereits, die Inbetriebnahme von 40 Elektrolyseuren ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. In Deutschland bleibt das Unternehmen zudem exklusiver Lieferant für das 100-Megawatt-Projekt SALCOS.
Sektordynamik im Vergleich
Die Kluft zwischen den KI-getriebenen Gewinnern und den kapitalhungrigen Nebenwerten war selten größer:
- Bloom Energy und FuelCell Energy profitieren von der Erzählung der KI-Stromnachfrage und können selbst einen Shortseller-Angriff oder eine verwässernde Kapitalerhöhung binnen Tagen wegstecken.
- Ceres Power steht dazwischen: Die Lizenzpartnerschaften mit Doosan und Delta Electronics liefern echte kommerzielle Substanz, doch die Größe der jüngsten Kapitalerhöhung macht die Aktie anfällig für Stimmungsschwankungen.
- Plug Power gewinnt reale Aufträge wie den Hunter-Valley-Hub, bleibt aber wegen Liquiditätssorgen und Zollrisiken unter einem vorsichtigen Analystenkonsens gefangen.
- Hydrogenpro zeigt am deutlichsten, wie stark fehlender Kapitalzugang – nicht Technologierisiko – über den Kurs kleinerer Wasserstoff-Werte entscheidet.
Bei den großen Namen entscheidet zunehmend die Anbindung an KI-Rechenzentren über die Bewertung, während die Wasserstoff-Förderpolitik in den Hintergrund tritt.
Wasserstoff-Sektor zwischen KI-Rückenwind und Kapitalnot
Die kommenden Wochen liefern konkrete Prüfsteine. Bloom Energy legt am 28. Juli Quartalszahlen vor, die zeigen müssen, ob die Rückweisung der Hunterbrook-Vorwürfe auch einer genaueren Prüfung von Auftragsbestand und Lieferkette standhält. Bei Hydrogenpro entscheidet sich um den 30. Juli, wie stark bestehende Aktionäre durch das Bezugsangebot am Ende verwässert werden.
Ceres-Power-Anleger blicken auf den Fortschritt der Delta-Electronics-Fabrik in Taiwan, deren Produktionsstart noch für dieses Jahr angekündigt ist. Plug Power muss zeigen, ob sich Auftragserfolge wie Hunter Valley endlich in echten Margenfortschritten niederschlagen – nur das dürfte Analysten von ihrer defensiven Haltung abbringen. FuelCell Energy wiederum braucht aus der Siemens-Absichtserklärung greifbare Projektaufträge, um die Kursfantasie dieser Woche in etwas Dauerhaftes zu verwandeln.
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