Ein Short-Seller-Bericht wirft Bloom Energy vor, seine Lieferkette schönzureden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe scharf zurück. Zwischen Rekordwachstum und Vertrauenskrise steht der Brennstoffzellen-Hersteller vor einem entscheidenden Quartalsbericht.
Die Aktie hat innerhalb eines Monats rund ein Viertel ihres Werts verloren, ganze 25,89 Prozent. Vom Rekordhoch bei 308,50 Euro aus dem Juni trennen das Papier inzwischen 40,42 Prozent. Wer den Kursverlauf der vergangenen zwölf Monate betrachtet, sieht dennoch eine der stärksten Rallyes des Jahres — nur eben mit einer heftigen Korrektur am aktuellen Rand.
Wall Street ist gespalten
Nach dem Kurssturz zerfällt die Analystenmeinung in zwei Lager. Ameet Thakkar von BMO Capital beließ sein Rating bei „Hold“ und setzt das Kursziel auf 279 US-Dollar. Seine Begründung: Die ausgeweitete Rahmenvereinbarung mit Brookfield über 25 Milliarden US-Dollar verbessert die Finanzierungssicherheit deutlich. Feste Auftragsbestände liefert sie aber noch nicht.
Thakkars Vorsicht zielt vor allem auf die Technik. Bloom Energys Festoxid-Brennstoffzellen stehen kommerziell noch früh in der Entwicklung. Besonders für große Baseload-Anwendungen hinter dem Zähler fehlt bislang der breite Praxisnachweis.
Auch Clear Street bewertet die Aktie mit „Hold“, Analyst Tim Moore äußerte sich in einem aktuellen Bericht ähnlich zurückhaltend. RBC Capital hält dagegen: Am 14. Juli bestätigte die Bank ihr Kaufrating. Der Graben zwischen KI-Optimisten und Bewertungsskeptikern könnte kaum größer sein.
Short-Seller sorgen für Nervosität
Der jüngste Kursrutsch geht auch auf eine Serie von Short-Seller-Berichten zurück. Hunterbrook Media veröffentlichte am 8. Juli eine Untersuchung, die Bloom Energy eine starke Abhängigkeit von chinesischem Scandium unterstellt. Das Unternehmen bestreitet das seit Jahren.
Der Bericht bezweifelt zudem, ob Bloom sein Ziel von 5 Gigawatt Jahresproduktion realistisch erreichen kann. Diese Menge würde rund 220 Tonnen Scandiumoxid erfordern — nahe an der geschätzten weltweiten Jahresproduktion.
Bloom Energy reagierte scharf. Die Vorwürfe zur Bilanzierung seien „falsch und irreführend“, erklärte das Unternehmen und verwies auf seine testierten Jahres- und Quartalsberichte bei der US-Börsenaufsicht SEC. Zur Lieferkette erklärte Bloom, man habe volle Transparenz über die Versorgung für eine Jahresproduktion von bis zu 25 Gigawatt und wolle die Fertigungskapazität weiter ausbauen.
Die Attacken reißen nicht ab. Vergangene Woche meldete auch Crossroads Capital eine Short-Position gegen Bloom Energy und rechnet mit einer Neubewertung der Aktie nach unten.
Rekordquartal als Kontrastprogramm
Die harten Zahlen erzählen bislang eine andere Geschichte. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 130,4 Prozent auf einen Rekordwert von 751,1 Millionen US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,44 US-Dollar, das bereinigte operative Ergebnis kletterte auf 129,7 Millionen US-Dollar.
Bloom Energy hob daraufhin die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 3,4 bis 3,8 Milliarden US-Dollar an. Diese Erwartungen treffen jetzt auf eine verunsicherte Anlegerschaft.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,1 und signalisiert eine überverkaufte Aktie nach dem scharfen Rückgang. Das deutet darauf hin, dass ein Teil der Verkaufswelle bereits eingepreist sein könnte, auch wenn charttechnische Signale allein keine Trendwende garantieren.
Am 28. Juli nach Börsenschluss legt Bloom Energy die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Um 14 Uhr Pacific Time folgt die Telefonkonferenz mit dem Management. Dieser Termin dürfte zeigen, ob der Kursrutsch eine Kaufgelegenheit war oder der Auftakt zu einer tieferen Neubewertung.
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