Ein Analyst bekräftigt sein Kursziel von 350 Dollar, der Brennstoffzellenspezialist meldet neue Aufträge aus dem KI-Geschäft – und trotzdem rutscht die Aktie ab. Bloom Energy schloss am Freitag mit einem Minus von 4,63 Prozent bei 189,60 Euro. Wer die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen verfolgt, versteht schnell, warum Anleger trotz starker operativer Entwicklung nervös bleiben: Zwischen Rekordzahlen und Rechtsstreit klafft bei Bloom Energy derzeit eine tiefe Vertrauenslücke.
Rekordquartal trifft auf Vertrauenskrise
Evercore-ISI-Analyst Nicholas Amicucci bekräftigte am Dienstag sein Buy-Rating und sein Kursziel von 350 Dollar, nachdem Bloom eine Erweiterung der Partnerschaft mit MiTAC Computing Technology bekanntgegeben hatte. Der Brennstoffzellenhersteller liefert nun ein Inselnetz für den KI-Server-Fertigungscampus von MiTAC in Fremont, Kalifornien, zusätzlich zu einer bestehenden Anlage in San Jose. Erstmals bezifferte Bloom auch, wie viele Kunden es im KI-Infrastrukturgeschäft mittlerweile bedient: knapp zwei Dutzend, deutlich mehr als die bislang bekannten Namen Oracle, Nebius, Brookfield, AEP und Equinix. Für mich ist genau das der eigentliche Kern der Bloom-Story – ein Geschäft, das sich sichtbar von wenigen Großkunden löst.
Die fundamentale Basis dafür lieferte das zweite Quartal. Bloom meldete am 28. Juli einen Rekordumsatz von 1,065 Milliarden Dollar, erstmals über der Milliardengrenze und ein Plus von 166 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis nach GAAP drehte von einem Verlust im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 182,2 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr hob das Unternehmen seine Umsatzprognose auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar an und stellte auch eine deutlich höhere Gewinnprognose je Aktie in Aussicht als zuvor. Bemerkenswert dabei: Nach einem Kurssprung von rund 7 bis 8 Prozent im nachbörslichen US-Handel drehte die Aktie am folgenden Tag ins Minus und schloss bei 163,75 Dollar. Diese Diskrepanz zwischen Zahlen und Kursreaktion ist für mich das eigentliche Warnsignal – der Markt preist längst mehr ein als nur die Quartalsbilanz.
Short-Seller-Vorwürfe und Sammelklage
Genau hier setzt die Gegenerzählung an. Hunterbrook Capital veröffentlichte bereits am 8. Juli einen Bericht, der Bloom eine verdeckte Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern für das Seltenerdmetall Scandium unterstellte – die Aktie fiel damals um 5,7 Prozent. Bloom wies die Vorwürfe in einer Pflichtmitteilung als falsch und irreführend zurück. Ein Folgebericht legte nach: Er behauptet, die Feststoff-Brennstoffzellen von Bloom fielen laut vorliegenden Daten bei vielen Anlagen bereits nach rund 20 Monaten unter zentrale Leistungswerte, statt die versprochenen fünf Jahre zu halten. Ende Juli reichte ein Aktionär vor dem Bundesgericht für den Nordbezirk Kaliforniens eine Sammelklage ein, die Bloom vorwirft, seine Lieferkettenrisiken in China und die Scandium-Abhängigkeit unterschätzt zu haben. Der Klagezeitraum reicht vom 27. Februar 2025 bis zum 8. Juli 2026. Mehrere Kanzleien, darunter Kaplan Fox, Bronstein Gewirtz & Grossman, Robbins LLP und Rosen Law Firm, riefen am Mittwoch betroffene Anleger auf, sich vor der Frist für den Antrag auf Klageführerschaft am 28. September 2026 zu melden.
Analysten uneins über Kursziel
Die Reaktionen der Wall-Street-Häuser auf das Quartal fielen Ende Juli gespalten aus. JPMorgan-Analyst Mark Strouse senkte sein Kursziel auf 314 Dollar, beließ das Rating aber bei Overweight. Mizuho-Analyst Maheep Mandloi stufte Bloom dagegen von Neutral auf Outperform hoch und nannte ein Kursziel von 242 Dollar – die operative Hebelwirkung zeige sich schneller als erwartet, die Margen weiteten sich aus. Roth Capital, Truist und Wells Fargo kappten ihre Kursziele allesamt, bei unverändertem Rating. Die Spannweite reicht damit von vorsichtig bis klar bullish – ein Bild, das die Unsicherheit der Marktteilnehmer gut widerspiegelt.
Mein Fazit
Das Geschäft wächst schneller, als selbst optimistische Prognosen es erfassen konnten – der Abstand des Kurses zum 200-Tage-Durchschnitt von 19,75 Prozent zeigt, dass der langfristige Trend intakt bleibt, trotz eines Rückgangs von 38,54 Prozent zum 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresanfang steht die Aktie noch immer mit 152,63 Prozent im Plus. Für mich überwiegt derzeit die operative Substanz die juristischen Risiken, doch die Kombination aus Sammelklage, Short-Seller-Attacken und einem breiten Kurszielfächer der Analysten spricht dafür, dass die Volatilität bei Bloom Energy vorerst die Regel bleibt und nicht die Ausnahme.
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