Ein Rekordjahr, zwei gegensätzliche Signale. Bloom Energy hat seinen Kurs binnen zwölf Monaten mehr als verzehnfacht — und steht trotzdem an einem heiklen Punkt. Während Wall-Street-Banken die Kursziele anheben, verkaufen Insider im großen Stil Aktien.
Am Donnerstag schloss das Papier bei 237,50 Euro, ein Minus von rund 23 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro Ende Juni. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,22 Prozent. Der Titel notiert praktisch exakt auf seinem 50-Tage-Durchschnitt, aber satte 76 Prozent über der 200-Tage-Linie.
Analysten uneins nach Kursrutsch
Am 2. Juli stufte Zacks Research die Aktie auf „Hold“ zurück. Der US-Handel reagierte prompt: Die Aktie verlor an diesem Tag etwa 6,3 Prozent. Andere Häuser sehen das Papier deutlich positiver.
UBS hob ihr Kursziel jüngst auf 350 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Evercore ISI bekräftigte ebenfalls ein Kursziel von 350 Dollar bei „Outperform“. Manche Discounted-Cashflow-Modelle kommen sogar auf einen fairen Wert von bis zu 478 Dollar je Aktie.
Diese optimistischen Rechnungen treffen auf eine sportliche Bewertung. Die Marktkapitalisierung liegt über 75 Milliarden Dollar, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei etwa 39. Auf Basis der erwarteten Gewinne wird die Aktie mit mehr als dem 210-Fachen gehandelt. Der RSI von 47,6 signalisiert dabei ein neutrales Momentum nach der jüngsten Rekordjagd.
Führungskräfte verkaufen im großen Stil
Just als die Aktie auf die 300-Dollar-Marke zusteuerte, wurden Insider aktiv. Chief Commercial Officer Aman Joshi verkaufte am 1. Juli 8.343 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 300,37 Dollar. Das entspricht rund 2,51 Millionen Dollar.
Er war kein Einzelfall. In den vergangenen 90 Tagen trennten sich Bloom-Insiders von insgesamt 220.274 Aktien im Wert von etwa 57,34 Millionen Dollar. Die institutionelle Beteiligung bleibt mit 77,04 Prozent zwar hoch. Der Anteil der Leerverkäufe ist aber auf 11 Prozent gestiegen — ein Hinweis darauf, dass ein Teil des Marktes nach dem Kursgewinn von 182,10 Prozent seit Jahresbeginn mit einer Korrektur rechnet.
Brookfield vervierfacht Finanzierungsrahmen
Der eigentliche Auslöser der jüngsten Volatilität liegt einen Tag zurück. Am 30. Juni gaben Bloom Energy und der Investor Brookfield bekannt, ihre Finanzierungspartnerschaft auf 25 Milliarden Dollar auszubauen. Das ist das Fünffache der ursprünglichen Vereinbarung über 5 Milliarden Dollar aus dem Oktober 2025.
Das Kapital fließt in den Ausbau von Bloom Energys Festoxid-Brennstoffzellen. Ihre Aufgabe: Rechenzentren für Künstliche Intelligenz mit Strom versorgen, ohne auf das öffentliche Netz angewiesen zu sein. Genau hier liegt das eigentliche Geschäftsmodell hinter der Kursrallye.
Goldman Sachs rechnet damit, dass der US-Strombedarf von Rechenzentren von 31 Gigawatt im Jahr 2025 auf 66 Gigawatt bis 2027 steigt. Netzanschlüsse können dabei Monate bis Jahre dauern. Blooms Brennstoffzellen laufen „hinter dem Zähler“ und umgehen diese Wartezeiten komplett.
Auftragsbestand von 20 Milliarden Dollar
Die operativen Zahlen untermauern die Wachstumsstory. Im ersten Quartal meldete Bloom Energy einen Umsatz von 751 Millionen Dollar, ein Plus von 130,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,44 Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 0,12 Dollar deutlich.
Der Gesamtauftragsbestand wird derzeit auf 20 Milliarden Dollar taxiert, gestützt durch neue Verträge mit American Electric Power, Equinix und Oracle. Für das Gesamtjahr 2026 hält das Management an seiner Prognose fest: Umsatz zwischen 3,4 und 3,8 Milliarden Dollar, Gewinn je Aktie zwischen 1,85 und 2,25 Dollar.
Ob Bloom Energy diese Ziele erreicht, hängt maßgeblich von der Fertigungskapazität ab. Das Unternehmen muss seine modulare Produktion in einem Tempo skalieren, das mit der explodierenden Nachfrage der KI-Rechenzentren mithält.
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