Zwei US-Bundesstaaten bremsen gerade den Ausbau der KI-Infrastruktur aus – und treffen damit einen der Hauptprofiteure des Booms mitten in einer ohnehin schon harten Korrektur. Bloom Energy schloss am Freitag bei 183,80 Euro, ein Plus von 1,77 Prozent auf Tagesbasis. Das ändert aber nichts daran: Seit dem Rekordhoch Ende Juni hat die Aktie rund 40 Prozent ihres Werts verloren.
Der Brennstoffzellen-Hersteller versorgt Rechenzentren von Fortune-500-Konzernen mit Energie für KI-Anwendungen. Genau dieses Geschäftsmodell gerät nun unter Druck. Gleich zwei regulatorische Rückschläge stellen infrage, wie schnell sich Bestellungen tatsächlich in Umsatz verwandeln lassen.
Project Jupiter scheitert zum zweiten Mal
New Mexicos Landkommissarin Stephanie Garcia Richard hat einen Antrag für eine Gaspipeline abgelehnt – bereits zum zweiten Mal. Die sogenannte „Green Chile“-Leitung sollte Gasinfrastruktur zu Oracles gigantischem Rechenzentrums-Campus bringen. Dort plant Oracle im Rahmen von Project Jupiter den Einsatz von 2,45 Gigawatt Bloom-Brennstoffzellen, das gesamte Investitionsvolumen liegt bei 165 Milliarden Dollar.
Garcia Richard begründete ihre Ablehnung deutlich. Das Projekt nütze zwar „zweifellos“ den Investoren und Mietern von Project Jupiter. Für die staatlichen Landflächen selbst sehe sie aber keinen erkennbaren Vorteil – zumal die geplanten Brennstoffzellen weiterhin hohe Luftschadstoffwerte verursachen würden.
Oracle hält trotzdem am Zeitplan fest und verweist auf das Ziel, den gesamten Strombedarf seiner KI-Rechenzentren bis 2035 klimaneutral zu decken. Das Analysehaus SemiAnalysis sieht die Sache anders. Die Experten rechnen nun erst 2029 mit Strom aus dem Kraftwerk – zwei Jahre später als ursprünglich geplant, weil bis heute weder eine Luftqualitätsgenehmigung noch eine Gaspipeline vorliegen.
New York verhängt Baustopp für Großrechenzentren
Parallel zum Streit in New Mexico hat New York als erster US-Bundesstaat ein einjähriges Moratorium für neue Hyperscale-Rechenzentren erlassen. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete die entsprechende Anordnung am Dienstag. Betroffen sind Anlagen mit mindestens 50 Megawatt Leistung – so viel wie 50.000 Haushalte verbrauchen.
Bestehende Verträge von Bloom Energy berührt das Moratorium zunächst nicht. Das Signal wiegt trotzdem schwer: Politischer Widerstand gegen den KI-Infrastruktur-Ausbau verlagert sich von lokalen Einzelfällen auf die Ebene ganzer Bundesstaaten.
Rally verliert an Kraft
Die Nachrichten treffen die Aktie zu einem heiklen Zeitpunkt. Seit Jahresbeginn steht trotz der jüngsten Verluste noch ein Plus von knapp 145 Prozent zu Buche – nach einer Kursexplosion, die zuletzt Zweifel an der Bewertung geweckt hat. Der Titel notiert derzeit rund 24 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, ein RSI von 37 deutet auf eine überverkaufte Situation hin.
Bereits Anfang Juli hatte der Leerverkäufer Hunterbrook Media Zweifel an Bloom Energys Lieferkette und der Herkunft von Scandiumoxid gesät. Das Unternehmen wies die Vorwürfe entschieden zurück. Der Markt folgte der bärischen These nicht vollständig, dennoch blieb ein Rest Unsicherheit – genau in einer Phase, in der die Erwartungen an KI-Infrastrukturausgaben ohnehin sehr optimistisch geworden waren.
Jetzt kommt mit dem Genehmigungsstau in zwei der wichtigsten US-Märkte für KI-Infrastruktur eine weitere Belastung hinzu. Das Ausführungsrisiko rückt wieder stärker in den Fokus der Anleger.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Am 28. Juli legt Bloom Energy nach Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal vor. Um 14 Uhr Pacific Time folgt die Telefonkonferenz mit dem Management. Im Mittelpunkt dürften Fragen zur Umwandlung des Auftragsbestands in Umsatz stehen – und zur Geschwindigkeit beim Ausbau der Fertigungskapazitäten.
Die anhaltenden Genehmigungskämpfe in New Mexico und New York werfen zusätzlich einen Schatten auf eines der Vorzeigeprojekte des Unternehmens. Wie der Markt die Zahlen und den Ausblick des Managements aufnimmt, dürfte maßgeblich darüber entscheiden, ob sich die Korrektur der vergangenen Wochen stabilisiert oder fortsetzt.
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