Fast eine Milliarde Dollar floss binnen sieben Tagen in Bitcoin-ETFs — und trotzdem gab der Kurs zuletzt nach. Diese Diskrepanz zwischen institutionellem Kapital und Marktstimmung prägt Bitcoin in den Tagen vor der Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli. Der Angst-und-Gier-Index notiert bei 29 Punkten, tief im Furchtbereich.
ETF-Handel versiegt, Ether zieht vorbei
Das Handelsvolumen der US-Spot-Bitcoin-ETFs fiel in der vergangenen vollständigen Handelswoche auf rund 8,05 Milliarden Dollar — ein Rückgang von 14 Prozent und der niedrigste Wert seit Oktober 2024. Unter dem Strich blieben zwar noch Nettozuflüsse von etwa 33,8 Millionen Dollar übrig, doch das war der schwächste Wert der laufenden Serie von drei positiven Wochen nach einer rekordlangen Abflussphase.
BlackRocks iShares Bitcoin Trust verlor allein in den letzten beiden Sessions der Woche über 400 Millionen Dollar und stand am Ende bei rund 95,5 Millionen Dollar im Minus. Grayscales Bitcoin Mini Trust und der ARK-21Shares-Fonds glichen das mit Zuflüssen von zusammen gut 160 Millionen Dollar teilweise aus. Auffällig: Ether-ETFs zogen mit 103,9 Millionen Dollar mehr als dreimal so viel Kapital an wie die Bitcoin-Produkte — die zweite Woche in Folge, in der die kleinere Anlageklasse die größere überflügelt. Für das laufende Jahr bleiben Bitcoin-ETFs mit rund 5,2 Milliarden Dollar im Minus.
Erholung vom Tief, aber Analysten uneins
Der Kontext für die Nervosität: Anfang Juli war Bitcoin auf 57.950 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit 21 Monaten, nachdem der Juni mit einem Verlust von mehr als 20 Prozent den stärksten Monatseinbruch seit 2022 gebracht hatte. Eine überraschend niedrige US-Inflation von 3,5 Prozent im Juni trieb den Kurs danach zurück über 65.000 Dollar. Aktuell pendelt Bitcoin um die 64.000-Dollar-Marke, rund 48 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025.
Die größten Wallets nutzten die Schwäche: Rund 270.000 BTC im Wert von 16,7 Milliarden Dollar wechselten nahe der 59.000-Dollar-Marke den Besitzer, während Kleinanleger verkauften. Das Analystenbild bleibt gespalten — Standard Chartered senkte sein Jahresendziel dreimal auf zuletzt 100.000 Dollar, nachdem im Januar noch 300.000 Dollar im Raum standen, während Citigroup ihr Zwölf-Monats-Ziel auf 82.000 Dollar reduzierte.
Politisch bewegt sich zudem etwas: Das Weiße Haus akzeptierte die Ethik-Klausel für den CLARITY Act und räumte damit eine zentrale Hürde für das Kryptogesetz aus dem Weg. Ob das reicht, um die Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli zu überstrahlen, wird sich zeigen — die Märkte rechnen derzeit zu rund 70 Prozent mit unveränderten Zinsen unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
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