Bitcoin rutscht Richtung 75.000 Dollar, und gleich mehrere Belastungsfaktoren treffen aufeinander: starke Arbeitsmarktdaten, steigende Zinserwartungen und ein Milliardendiebstahl, dessen Beute nun teilweise in Bitcoin getauscht wird. Zuletzt notierte die Kryptowährung bei rund 75.700 Dollar, ein Minus von 3,2 Prozent binnen 24 Stunden.
Jobdaten schieben die Zinsfantasie an
Auslöser war der US-Arbeitsmarktbericht. Im Oktober entstanden 165.000 neue Stellen, erwartet worden waren nur 65.000. Die Arbeitslosenquote sank unerwartet auf 4,1 Prozent. Der Dollar legte parallel zu, was Bitcoin zusätzlich belastete.
Brisant ist die Reaktion der Zinsmärkte: Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im Dezember inzwischen bei 76,8 Prozent, nach 66,9 Prozent am Vortag. Hinzu kommen Sorgen, ob die Regulierung unter einem von Demokraten kontrollierten Kongress kryptofreundlich bleibt.
Die Folgen zeigten sich bei den Derivaten. Binnen 24 Stunden wurden Positionen im Volumen von 1,22 Milliarden Dollar liquidiert, davon entfielen 1,07 Milliarden auf Long-Wetten. Die US-Spot-ETFs verzeichneten am Donnerstag Abflüsse von 430 Millionen Dollar, angeführt vom Fidelity-Produkt FBTC und dem Marktführer IBIT von BlackRock.
Gestohlene Binance-Beute kommt in Bewegung
Ein zweiter Strang betrifft den Hack bei Binance vom 29. Oktober, bei dem Vermögenswerte im Wert von 6,43 Milliarden Dollar abflossen. Die Analysefirma Elliptic geht davon aus, dass rund 3,11 Milliarden Dollar noch nicht gewaschen wurden, vor allem in Ether und Bitcoin. Die US-Bundespolizei FBI macht nordkoreanische Hacker verantwortlich, Pjöngjang weist das zurück.
Für Bitcoin ist vor allem die Richtung der Geldwäsche relevant. Aus anderen gestohlenen Coins wurden bereits etwa 1.650 Bitcoin im Wert von rund 124 Millionen Dollar, überwiegend über den Dienst THORChain. Das ist fast doppelt so viel wie am Vortag. Die ursprünglich erbeuteten 18.270 Bitcoin liegen unverändert auf 19 Adressen.
Elliptic rechnet damit, dass die Angreifer ihre Ether in Bitcoin tauschen und über Monate per Over-the-Counter-Handel und Börsen zu Geld machen. Ein unmittelbarer Verkaufsdruck ist damit nicht belegt, die Größenordnung dürfte aber im Blick bleiben.
Strive kauft gegen den Trend
Bei den Unternehmen setzt der Bitcoin-Halter Strive dagegen auf Zukäufe. Im Oktober kamen 15.124 Bitcoin hinzu, der Bestand liegt jetzt bei 43.124 Coins. Für Rang zwei unter den börsennotierten Haltern fehlen dem Unternehmen nur noch 876 Bitcoin.
Das Quartalsergebnis von 509 Millionen Dollar beruht allein auf Buchgewinnen. Die Aktie gab dennoch rund 2 Prozent nach.
Kurzfristig dürfte die Marke von 75.000 Dollar entscheidend sein. Fällt sie, rücken die Zinsentscheidung im Dezember und die weiteren ETF-Abflüsse als nächste Belastungsfaktoren in den Vordergrund.
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