Stärkere US-Jobdaten als erwartet, massive Liquidationen, ein gebrochener Langfrist-Durchschnitt — Bitcoin hat eine der turbulentesten Wochen seit dem Bärenmarkt 2022 hinter sich. Am Freitag fiel der Kurs erstmals seit Oktober 2024 unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar.
Überraschend starke Jobs-Daten kippen die Zinswetten
Der Auslöser war der US-Arbeitsmarktbericht für Mai 2026. Mit 172.000 neu geschaffenen Stellen übertraf er den Konsens von 85.000 Stellen fast um das Doppelte. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent — doch die Stärke der Beschäftigungszahlen reichte aus, um die Zinspolitik-Erwartungen grundlegend zu verschieben.
Laut Polymarket-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung noch in diesem Jahr bei 52 Prozent. BNP Paribas prognostiziert inzwischen bis zu drei Anhebungen, beginnend im Dezember. Höhere Zinsen belasten risikobehaftete Assets wie Bitcoin strukturell — Kapital rotiert in klassische Häfen und, zunehmend, in den KI-Sektor. Allein Alphabet soll ein Investitionsprogramm von rund 80 Milliarden Dollar planen.
Liquidationswelle und ETF-Abflüsse
Der Kursrutsch löste eine massive Liquidationswelle aus. Innerhalb von 24 Stunden wurden marktübergreifend rund 1,75 Milliarden Dollar liquidiert, davon entfielen über 617 Millionen Dollar allein auf Bitcoin-Long-Positionen.
Parallel dazu kehrte sich eine kurze Erholungspause am ETF-Markt sofort wieder um. Nach 13 aufeinanderfolgenden Tagen mit Netto-Abflüssen — insgesamt rund 4,4 Milliarden Dollar — hatte der 4. Juni kurzzeitig eine minimale Gegenbewegung gebracht. Am 5. Juni flossen jedoch allein aus BlackRocks IBIT-ETF rund 214 Millionen Dollar ab; der Gesamtabfluss aller US-Spot-Bitcoin-ETFs lag bei knapp 326 Millionen Dollar. Die verwalteten Gesamtvermögen in diesen Produkten sind von über 107 Milliarden Dollar Mitte Mai auf rund 75 Milliarden Dollar gefallen.
Technische Warnsignale auf Mehrjahrestief
Aus charttechnischer Sicht hat der Einbruch mehrere kritische Marken durchbrochen. Erstmals seit dem Bärenmarkt 2022 fiel Bitcoin unter seinen 200-Wochen-Durchschnitt, der bei rund 61.800 Dollar lag. Der RSI sank auf 15,31 — ein Niveau, das extreme überverkaufte Bedingungen signalisiert. Der Crypto Fear & Greed Index notierte bei 16, tief im Bereich „Extreme Angst“.
Symbolisches Gewicht hatte zudem eine Transaktion von Strategy, ehemals MicroStrategy. Das Unternehmen verkaufte zwischen dem 26. und 31. Mai 32 Bitcoin für rund 2,5 Millionen Dollar — zur Finanzierung von Dividendenzahlungen. Gemessen an den Gesamtbeständen von 843.706 Bitcoin ist das eine Marginalie. Analysten werteten den Schritt dennoch als Signal: Es war der erste Verkauf seit 2022 und stellt das Narrativ der „unbegrenzten Akkumulation“ erstmals in Frage.
Wo Bitcoin jetzt steht
Aktuell notiert Bitcoin bei rund 63.800 Dollar — gut sieben Prozent über dem am Donnerstag markierten 52-Wochen-Tief von 59.228 Dollar, aber noch immer knapp 50 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.080 Dollar aus Oktober 2025. Die Gesamtmarktkapitalisierung des Kryptomarkts ist von rund 4,2 Billionen Dollar Ende 2025 auf etwa 2,1 Billionen Dollar geschrumpft.
Technisch liegt der nächste relevante Widerstand bei 60.921 Dollar. Als nächste historische Unterstützungszone gilt die 55.000-Dollar-Marke — ein Niveau, das zuletzt im Frühjahr 2024 eine Rolle spielte. Ob der US-Senat mit dem „Clarity Act“ bald einen regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen schafft, könnte mittelfristig ebenfalls Einfluss auf institutionelle Kapitalflüsse haben.
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