Bitcoin hat sich gestern nach dem ersten Schreck über die US-Zwischenwahlen erholt. Eine Wende bei den Zuflüssen in börsengehandelte Bitcoin-Fonds war dafür jedoch nicht der bestätigte Auslöser. Stattdessen ließ die nachlassende politische Unsicherheit den Verkaufsdruck weichen. Die Erholung steht damit neben weiterhin schwachen Fondszuflüssen und einem unsichereren Ausblick für kryptofreundliche Gesetze.
Politische Klarheit entlastet den Markt
Laut Reuters löste die erwartete demokratische Kontrolle beider Kammern des US-Kongresses zunächst Sorgen um die regulatorische Agenda der Kryptobranche aus. Bitcoin geriet unter Druck. Als sich das Wahlergebnis klarer abzeichnete, erholte sich die Kryptowährung zusammen mit dem amerikanischen Aktienmarkt.
Die Entlastung bedeutet allerdings nicht, dass sich die politischen Rahmenbedingungen für Bitcoin verbessert hätten. Reuters zufolge könnten die Erfolge der Demokraten den Vorstoß der Branche für eine Lockerung der Regulierung bremsen. Weniger Unsicherheit über den Wahlausgang und günstigere Gesetzgebung sind deshalb zwei unterschiedliche Argumente.
Der aktuelle Bitcoin-Kurs von 80.475,00 USD ordnet die Erholung ein, bestätigt für sich genommen aber noch keine Rückkehr institutioneller Nachfrage. Für diese Frage bleiben die Kapitalbewegungen der Fonds entscheidend.
ETF-Anleger ziehen weiter Kapital ab
Medienberichten zufolge verzeichneten in den USA gelistete Bitcoin-Spot-ETFs im Oktober Abflüsse von 515 Millionen US-Dollar. In den ersten beiden Handelstagen des November floss nochmals ein ähnlicher Betrag ab. Die jüngste Erholung traf damit auf einen fortgesetzten Kapitalabzug.
Das schränkt die Aussagekraft des Kursanstiegs ein. Die Fondsbewegungen liefern bislang keinen Beleg dafür, dass neue ETF-Käufe die Erholung getragen haben. Eine politische Erleichterungsreaktion ist nicht mit einer breiten Rückkehr der Anleger gleichzusetzen.
Am Optionsmarkt zeigte sich dagegen Kaufinteresse: Nach Angaben von Nicolas Quatravaux von Paradigm erreichten Bitcoin-Optionsblockgeschäfte am Wahltag rund 660 Millionen US-Dollar Nominalvolumen. Davon entfielen etwa 420 Millionen US-Dollar auf gekaufte Kaufoptionen und rund 105 Millionen US-Dollar auf verkaufte Kaufoptionen.
Diese Aktivität begleitete die Erholung. Sie ist jedoch getrennt von den Kapitalbewegungen der Spot-ETFs zu betrachten und belegt keine Trendwende bei deren Anlegern.
Sicherheitsfolgen bleiben ein Belastungsfaktor
Zusätzlich wirkt der Angriff auf Binance nach. Reuters berichtete am Dienstag von erheblichen Nettoabzügen der Kunden seit der Wiedereröffnung der Börse. Binance erklärte, die Kundenverluste zu übernehmen. Der Angriff betraf die Börse und nicht das Bitcoin-Netzwerk.
Für Anleger ergibt sich damit ein geteiltes Bild: Die Wahlunsicherheit hat nachgelassen, während Fondsabflüsse und die Folgen des Börsenangriffs fortbestehen. Die Erholung signalisiert zunächst politische Entlastung. Eine durch neue Fondszuflüsse gestützte Nachfragewende lässt sich daraus noch nicht ableiten.
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