Während geopolitische Spannungen den Ölpreis treiben und der Dollar sowie die Anleiherenditen anziehen, gerät Bitcoin unter Druck. Die Kryptowährung notiert unter 83.000 Dollar und damit rund 34 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 126.198 Dollar. Inmitten dieser Schwäche kauft ausgerechnet der größte institutionelle Bitcoin-Halter weiter zu.
Strategy, das Unternehmen um Michael Saylor, hat seine Bestände auf einen neuen Höchststand von 847.666 Bitcoin ausgebaut. Für die zusätzlichen 1.665 Coins zahlte die Firma rund 143 Millionen Dollar, im Schnitt 85.681 Dollar je Bitcoin. Finanziert wurde der Kauf über den Verkauf eigener Aktien am Markt — nach einem Sommer, in dem Strategy tatsächlich Bitcoin abgestoßen hatte, kauft das Unternehmen nun bereits die zweite Woche in Folge wieder zu.
Makrodruck belastet die Stimmung
Der Auslöser für die aktuelle Schwäche liegt weniger im Krypto-Markt selbst als im geopolitischen Umfeld. Nachdem ein iranischer Friedensvorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus zurückgewiesen wurde, zogen die Ölpreise deutlich an. Zehnjährige US-Anleiherenditen kletterten auf Niveaus, die zuletzt 2007 zu beobachten waren — steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Bitcoin.
Die gesamte Kryptomarkt-Kapitalisierung sackte binnen eines Tages um 1,4 Prozent auf 2,86 Billionen Dollar ab. Auch die Mittelzuflüsse in Bitcoin-Spot-ETFs kühlten sich ab: Sie fielen von 347 Millionen Dollar am Mittwoch auf zuletzt 135 Millionen Dollar. Ethereum, BNB und Solana gaben im gleichen Umfeld ebenfalls nach.
Brandts Blick auf die nächsten Jahre
Der erfahrene Trader Peter Brandt bleibt trotz der kurzfristigen Schwäche langfristig optimistisch. Er rechnet damit, dass Bitcoin bis Anfang 2029 auf rund 250.000 Dollar steigen und im weiteren Verlauf einen Zykluspunkt zwischen 300.000 und 600.000 Dollar erreichen könnte — orientiert am nächsten Halving, das für April 2028 erwartet wird.
Kurzfristig hält er jedoch einen Rücksetzer auf 65.000 bis 66.000 Dollar für möglich, der aus seiner Sicht übermäßig gehebelte Positionen aus dem Markt spülen und „Walen“ Gelegenheit zum Nachkauf geben würde.
Eine Bedingung nannte Brandt, die seine bullische These komplett kippen würde: ein erfolgreicher Angriff auf die Bitcoin-Architektur mittels Quantencomputern. Die von ihm konsultierten Experten halten ein solches Szenario derzeit allerdings für unwahrscheinlich.
Für die kommenden Wochen bleibt die Gemengelage aus geopolitischer Unsicherheit, steigenden Zinsen und institutionellem Kaufinteresse entscheidend. Ob sich die ETF-Zuflüsse wieder beschleunigen, dürfte sich zeigen, sobald sich die Lage am Ölmarkt beruhigt.
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