Rund 30 Prozent aller Bitcoin haben bereits offen einsehbare Public Keys – verwundbar für einen Computer, den es in dieser Form noch nicht gibt. Genau an diesem Punkt setzt eine neue Forschungsarbeit an, die zeigt: Die Kryptoindustrie nimmt die Bedrohung durch Quantencomputer inzwischen sehr konkret.
Neues Verfahren soll Wallets ohne Adresswechsel schützen
Forscher des auf Post-Quanten-Sicherheit spezialisierten Unternehmens AmericanFortress haben ein kryptografisches System namens ZKPoSP vorgestellt. Es soll Bitcoin-Wallets vor sogenannten „Q-Day“-Angriffen schützen, ohne dass Nutzer ihre bestehenden Adressen wechseln müssen. Statt klassischer Signaturen mit elliptischen Kurven kommen Zero-Knowledge-Proofs zum Einsatz, die den Besitz einer Wallet über die Seed-Phrase nachweisen – auch wenn ein einzelner privater Schlüssel kompromittiert wäre.
Das Verfahren ist bislang reine Forschung, keine Blockchain hat es implementiert. Es reiht sich aber in eine wachsende Liste von Initiativen ein: Project Eleven hatte bereits einen ähnlichen Wiederherstellungsmechanismus vorgeschlagen, BTQ Technologies testet seit März einen quantenresistenten Transaktionsstandard auf einem eigenen Testnet. Erst vergangene Woche gründeten BlackRock, Coinbase, Strategy, Fidelity Digital Assets und Galaxy das Bitcoin Security Consortium und stellten dafür ein mehrjähriges Budget im zweistelligen Millionenbereich bereit.
Markt bleibt von Fed-Entscheid unbeeindruckt
Während die Quantenfrage langfristig relevant wird, dominierte kurzfristig die Notenbank das Geschehen. Die Fed hielt den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent – die fünfte Pause in Folge. Drei Regionalpräsidenten stimmten für eine sofortige Anhebung, die deutlichste Abweichung seit Amtsantritt von Fed-Chef Kevin Warsh. Bitcoin reagierte kaum: Nach einem kurzen Rücksetzer pendelte der Kurs wieder um 64.000 Dollar.
Auffälliger ist die Entwicklung unter der Oberfläche. Das Spot-Handelsvolumen an großen Börsen ist gegenüber November 2024 um mehr als 75 Prozent eingebrochen – Binance kam im Juli nur noch auf rund 35 Milliarden Dollar Umsatz gegenüber 246 Milliarden Dollar damals. Kleinanleger halten sich zurück. Wallets mit Beständen zwischen 10 und 10.000 BTC kauften dagegen binnen acht Tagen zusätzlich 19.696 Bitcoin, während aus den Spot-ETFs zuletzt netto rund 11,6 Millionen Dollar abflossen, angeführt von BlackRocks IBIT.
Regulierung als offene Baustelle
Auch auf der regulatorischen Seite bleibt Bewegung im Spiel. SEC-Chef Paul Atkins signalisierte, die Behörde werde eigene Krypto-Regeln erlassen, sollte der Clarity Act im Senat scheitern. Das Gesetz, das die Aufsicht über Spotmärkte für digitale Rohstoffe an die CFTC übertragen würde, hat die Bankenausschuss-Abstimmung im Senat zwar passiert, kommt aber vor der parlamentarischen Sommerpause im August nicht mehr zur finalen Abstimmung. Bis dahin bleibt die Einstufung von Bitcoin als digitaler Rohstoff eine Verwaltungsentscheidung – widerrufbar durch eine künftige Administration, ganz ohne neue Kongressabstimmung.
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