Bitcoin hat sich von seinem Jahrestief deutlich erholt – und ausgerechnet ein Kommentar aus dem Weißen Haus gab dem Kurs am Montag den entscheidenden Schub. Während US-Präsident Donald Trump sich öffentlich als „großer Krypto-Fan“ bezeichnete, drohen deutschen Anlegern gleichzeitig neue Steuerlasten. Zwischen politischem Rückenwind und regulatorischem Gegenwind sucht der Markt gerade seine Richtung.
Trump-Kommentar und ETF-Wende treiben den Kurs
Nach einem holprigen Start in die neue Woche – Bitcoin war zwischenzeitlich in Richtung 60.000 Dollar gerutscht, nachdem Strategy erneut Bestände verkauft hatte – drehte der Kurs ins Plus, als Trump auf einer Pressekonferenz seine Sympathie für Kryptowährungen bekundete. Der Kommentar fiel im Kontext der neu gestarteten „Trump Accounts“, steuerbegünstigter Sparkonten für Kinder. Bitcoin schloss den Handelstag bei rund 63.850 Dollar, ein Plus von 1,8 Prozent, und hielt sich am Dienstagmorgen weiter oberhalb von 63.000 Dollar.
Untermauert wird die Erholung von einer Trendwende bei den Spot-ETFs. Nach Rekordabflüssen von rund 4,5 Milliarden Dollar im Juni – dem schwächsten Monat seit dem Produktstart 2024 – verzeichneten die Fonds am 2. Juli erstmals wieder Nettozuflüsse von 221,7 Millionen Dollar. Parallel dazu kauften Großinvestoren binnen zwei Wochen etwa 270.000 BTC im Wert von 16,7 Milliarden Dollar auf, während ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht mit nur 57.000 neuen Stellen statt der erwarteten 115.000 die Zinssorgen dämpfte.
Bernstein-Analysten halten trotz der jüngsten Kursverluste seit dem Allzeithoch im Oktober an ihrem Kursziel von 150.000 Dollar bis Jahresende fest – auch wenn sie das Ziel selbst als „ambitioniert“ bezeichnen. Um es zu erreichen, müsste Bitcoin von aktuellem Niveau um rund 135 Prozent zulegen.
Strategy bleibt Belastungsfaktor, Berlin plant Steuerreform
Für Unruhe sorgte in der vergangenen Woche der Bitcoin-Großhalter Strategy, der 3.588 BTC im Wert von 216 Millionen Dollar verkaufte, um Dividenden auf seine Vorzugsaktien zu finanzieren. Das Unternehmen hält damit noch 843.775 BTC bei einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.476 Dollar je Coin – deutlich über dem aktuellen Marktpreis. Bernstein geht dennoch nicht davon aus, dass Strategy zum systematischen Nettoverkäufer wird: Die USD-Reserve von 2,55 Milliarden Dollar decke die Dividendenverpflichtungen für rund 17 Monate ab.
Aus Berlin kommt derweil schlechte Nachricht für hiesige Krypto-Anleger. Der vom Bundeskabinett abgesegnete Haushaltsentwurf für 2027 sieht vor, die bisher steuerfreie einjährige Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowerte abzuschaffen. Künftig sollen Gewinne wie klassische Kapitalerträge behandelt werden – eine Reform, die Finanzminister Lars Klingbeil mit zusätzlichen Einnahmen für den Staatshaushalt begründet.
Zur Verunsicherung trägt zudem eine Meldung aus Washington bei: Trumps geplante strategische Bitcoin-Reserve steckt einem Bericht zufolge in rechtlichen und behördenübergreifenden Abstimmungsproblemen zwischen Finanz- und Handelsministerium fest. Offen ist demnach sogar, ob Bitcoin überhaupt „unbefristet“ gehalten werden darf. Eine offizielle Ankündigung, die im April von einem Berater des Weißen Hauses für die folgenden Wochen in Aussicht gestellt worden war, blieb bislang aus.
Der nächste marktrelevante Termin steht mit der Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli fest. Bis dahin dürfte der Markt zwischen der frischen ETF-Nachfrage und den politischen Unsicherheiten in Washington und Berlin hin- und herpendeln.
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