Ein internationales Forscherteam hat den geschätzten Rechenaufwand für einen zentralen Schritt eines künftigen Quantenangriffs auf Bitcoin und Ethereum mehr als halbiert. Angreifen kann beide Netzwerke noch keine Maschine der Welt. Die Schätzungen, wie viel Rechenkraft dafür nötig wäre, fallen jedoch schneller, als viele erwartet hatten.
Der Aufwandswert sinkt, ohne dass Hardware besser wird
Forscher der Ethereum Foundation, von Theta Labs, StarkWare und weiteren Organisationen haben einen Schaltkreis mit 1.151 logischen Qubits und rund 1,3 Millionen Toffoli-Gattern entworfen. Er drückt den nötigen Aufwand auf einen Wert von etwa 1,5 Milliarden — mehr als 50 Prozent unter die rund 3 Milliarden, die Google Quantum AI im März als Referenz gesetzt hatte. Die Autoren betonen, dass beide Werte nicht exakt vergleichbar sind, dennoch zeigt die Richtung klar nach unten.
Entscheidend an diesem Fortschritt: Er kommt nicht aus besserer Hardware, sondern aus cleverer Mathematik. Über die offene Challenge ECDSA.Fail von Eigen Labs arbeiteten mehr als 100 Teilnehmer rund acht Wochen an dem Problem, unterstützt von KI-Agenten, und reichten über 400 akzeptierte Verbesserungen ein. Nach Abschluss der Studie sank der Wert weiter auf rund 1,26 Milliarden, eine Variante drückte die Maschinengröße sogar auf 813 Qubits.
Warum das für Krypto-Anleger überhaupt zählt
Bitcoin und Ethereum sichern Guthaben über dasselbe Verfahren, secp256k1. Ein ausreichend großer Quantenrechner könnte mit dem Shor-Algorithmus aus einem offengelegten öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel errechnen und Überweisungen im Namen des Besitzers freigeben. Diese Maschine existiert bislang nicht, und das komplette Angriffsszenario haben die Forscher auch nicht vollständig durchgerechnet.
Der Hauptautor der Studie, Theta-Labs-Technikchef Jieyi Long, bringt die Lage auf den Punkt: Ein Angriff sei nicht unmittelbar bevorstehend. Dringend sei das Thema trotzdem, weil eine Gegenmaßnahme — der Umstieg auf quantensichere Signaturen — Jahre an Vorlaufzeit braucht und sich nicht nachträglich in ein bestehendes Netzwerk einbauen lässt.
Anfang September hat das US-Handelsministerium Förderzusagen aus dem CHIPS Act von bis zu 100 Millionen Dollar je Unternehmen an Rigetti Computing, D-Wave Quantum und Quantinuum finalisiert und dabei Minderheitsbeteiligungen übernommen. Das Kapital fließt genau in jene fehlertoleranten Maschinen, die eines Tages die Grundlage für einen solchen Angriff bilden könnten — für Kryptoanleger die andere, spekulative Seite derselben Entwicklung.
Ob Bitcoin- und Ethereum-Entwickler angesichts der schrumpfenden Aufwandswerte einen konkreten Fahrplan für quantensichere Signaturen vorlegen, ist derzeit offen. Solange das ungeklärt bleibt, wächst das Quantenrisiko im Hintergrund weiter an Kontur — ohne dass sich daraus bereits ein handelbarer Kurstreiber für Bitcoin ergibt.
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