Bitcoin hat den ersten Schreck über den Ausgang der US-Zwischenwahlen abgeschüttelt. Nach einem nächtlichen Rücksetzer auf 75.740 Dollar kletterte die nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung am Vormittag wieder auf 78.333,89 Dollar. Die unmittelbare Sorge vor einer Blockade des Sektors wich rasch einer nüchternen Bewertung der neuen Kräfteverhältnisse in Washington.
Politischer Dämpfer nach Millionen-Spenden
Bei den US-Kongresswahlen sicherten sich die Demokraten die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Für die Krypto-Branche bedeutet dieser Ausgang einen spürbaren Dämpfer. Unternehmen aus dem Sektor hatten im Vorfeld massiv investiert, um politische Unterstützung zu sichern: Bis zum ersten Quartal flossen 189 Millionen Dollar an Aktionskomitees, was mehr als einem Drittel aller registrierten Unternehmensspenden entsprach.
Die Partei gilt im Umgang mit Krypto-Unternehmen traditionell als zurückhaltender. Schnelle Erleichterungen bei den Rahmenbedingungen rücken damit in weite Ferne. Das Vorzeigevorhaben der Branche, der CLARITY Act, war bereits Mitte September im US-Senat an der Hürde von 60 Stimmen gescheitert. Im neuen Kongress, der im Januar zusammentritt, dürfte das Vorhaben neu verhandelt werden müssen.
US-Präsident Donald Trump kündigte an, mit der Opposition zusammenzuarbeiten. Marktbeobachter werten die Marktreaktion als Zeichen dafür, dass Anleger eine politische Verzögerung bereits weitgehend eingepreist hatten.
Belastungen durch Krypto-Hack und ETF-Abflüsse
Die politische Hängepartie trifft auf einen ohnehin angeschlagenen Markt. Vor allem die Folgen des Cyberangriffs auf die Handelsplattform Binance belasten das Sentiment: Aus der Börse waren in der Vorwoche 6,3 Milliarden Dollar entwendet worden.
Parallel dazu zogen Investoren von Freitag bis Dienstag knapp 1,2 Milliarden Dollar aus US-basierten Spot-ETFs ab. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern deuten negative Coinbase-Prämien weiterhin auf eine verhaltene Nachfrage institutioneller US-Käufer hin.
Der Fokus richtet sich nun wieder auf die Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten. Am Freitag veröffentlicht die US-Regierung den offiziellen Arbeitsmarktbericht für Oktober. Fallen die Daten robust aus, könnte dies die Zinserwartungen vor der nächsten Zinssitzung der Federal Reserve am 8. und 9. Dezember anheizen, bei der die Terminmärkte eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent einpreisen.
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