Ray Dalio empfiehlt Gold und Bitcoin — und liefert damit gleich die Blaupause für die Rally der vergangenen Woche. Der Bridgewater-Gründer sieht die USA an einem „Wendepunkt“ ihrer Finanzlage und rät Anlegern, ihre Depots gegen eine mögliche Schuldenkrise abzusichern. Genau diese Sorge treibt seit Tagen Kapital in Kryptowährungen.
Bitcoin sprang am Freitag über 79.000 Dollar und liegt binnen einer Woche mehr als 20 Prozent im Plus. Auslöser war ein Zusammenspiel aus schwächerem Dollar, sinkender Regulierungsunsicherheit in Washington und kräftigem ETF-Zufluss. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 19. August rund 517 Millionen Dollar und am 20. August etwa 606 Millionen Dollar an Nettomittelzuflüssen — laut CoinShares der höchste Tageswert seit April.
Dalios Drei-Kräfte-These
Der Auslöser der Rally lässt sich auf drei Faktoren zurückführen: Das erweiterte Rückkaufprogramm des US-Finanzministeriums für langlaufende Anleihen schwächte den Dollar und belebte den sogenannten „Debasement Trade“ in Bitcoin und Gold.
Parallel dazu drängt die Regierung von Donald Trump auf eine Marktstruktur-Gesetzgebung für Kryptowährungen, was regulatorische Unsicherheit abbaut. Hinzu kommt die aufgestaute Nachfrage der ETF-Käufer, die zuvor bereits über fünf Handelstage rund 853,5 Millionen Dollar investiert hatten.
Der Kursschub presste zudem Leerverkäufer aus dem Markt. Schätzungen zufolge wurden binnen zwei bis drei Tagen mehr als vier Milliarden Dollar an Krypto-Shortpositionen liquidiert, davon allein rund 2,7 Milliarden Dollar in einer einzigen 24-Stunden-Periode. Der Dollar-Index fiel derweil auf den schwächsten Stand seit Mai, während Gold über 4.550 Dollar je Unze kletterte — ein Signal, dass Anleger offenbar breiter gegen Staatsanleihen absichern.
Dalios Schuldenwarnung
Dalio verweist auf die jüngste Ankündigung von Finanzminister Scott Bessent, verstärkt Staatsanleihen zurückzukaufen, als Warnsignal. Die USA gäben rund 40 Prozent mehr aus, als sie einnähmen; das Haushaltsdefizit lag im Juli bei über 432 Milliarden Dollar.
Nach Dalios Rechnung könnte eine handfeste Schuldenkrise frühestens in einem, spätestens in fünf Jahren eintreten — seine persönliche Schätzung liegt bei drei Jahren, mit einer Schwankungsbreite von zwei Jahren in beide Richtungen. Er rät, bis zu 10 bis 15 Prozent eines Portfolios in Gold zu halten, ergänzt um „etwas“ Bitcoin.
Sicherheitslücke bei Hardware-Wallets
Während die Kursstory bullisch bleibt, sorgt ein Sicherheitsvorfall für Aufmerksamkeit in der Bitcoin-Infrastruktur. Der Hardware-Wallet-Hersteller Coinkite hat für seine Coldcard-Geräte ein Firmware-Update veröffentlicht, nachdem eine seit 2021 bestehende Schwachstelle bei der Erzeugung von Wallet-Seeds ausgenutzt wurde.
Angreifer erbeuteten dadurch nach aktuellem Stand rund 130 Millionen Dollar in Bitcoin. Betroffene Nutzer müssen ihre alten Seeds verwerfen und mit der neuen Firmware frische Wallets anlegen.
Der Vorfall ändert nichts an der fundamentalen Nachfragedynamik, zeigt aber, dass technische Risiken auch in einer Rallyephase nicht verschwinden. Für die kommenden Wochen bleibt entscheidend, ob die Clarity-Act-Gesetzgebung im September durch den Senat kommt — ein Termin, den Marktteilnehmer als nächsten möglichen Katalysator für die Regulierungsfrage im Blick haben.
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