Bitcoin bekommt eine neue Makro-Erzählung. Bitwise Europe verbindet die Bewertung der Kryptowährung mit Staatsschulden, Stress am japanischen Anleihemarkt und der Suche nach Absicherung außerhalb klassischer Staatsanleihen.
Das wirkt auf den ersten Blick weit weg vom Tageshandel. Am Markt zählt derzeit aber ein harter Kontrast: Die Theorie wird größer, der Kurs bleibt schwach.
Bitwise rückt Staatsschulden ins Zentrum
Bitwise Europe beziffert den theoretischen fairen Wert von Bitcoin in einem Modell auf rund 224.000 Dollar. Die zentrale Annahme: Bitcoin dient als Portfolio-Schutz gegen Ausfallrisiken bei G20-Staatsschulden.
Wichtig ist die Einordnung. Bitwise nennt diese Marke nicht als Kursziel und nicht als Prognose. Das Modell fragt vielmehr, welchen Wert Bitcoin haben könnte, wenn Investoren das Asset als dezentrale Absicherung gegen Stress bei Staatsanleihen nutzen.
Japan spielt dabei eine Schlüsselrolle. Bitwise verweist auf einen Staatsanleihemarkt von rund 7,5 Billionen Dollar, japanische Bestände an US-Staatsanleihen von etwa 1,2 Billionen Dollar und eine Schuldenquote von rund 230 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Damit geht es nicht nur um Japan. Wenn ein großer Anleihemarkt unter Druck gerät, kann das globale Liquidität beeinflussen. Genau an dieser Stelle setzt die neue Bitcoin-Erzählung an.
Anleihemärkte liefern den Makro-Rahmen
Der breitere Hintergrund ist die steigende Finanzierungslast. IWF und OECD rechnen damit, dass Staaten und Unternehmen in diesem Jahr 29 Billionen Dollar an den Anleihemärkten aufnehmen, ein Plus von 17 Prozent gegenüber 2024.
Für Bitcoin ist das relevant, weil das Asset keinen Emittenten und keine staatliche Garantie hat. Es zahlt auch keinen Kupon. In Phasen hoher Zinsen ist das ein Nachteil, bei wachsendem Misstrauen gegenüber Staatsschulden kann es zum Argument werden.
Bitwise verweist auch auf zehnjährige Swap-Spreads. Diese Risikoprämien liegen demnach bei großen Staatsanleihen auf dem höchsten Stand seit der europäischen Schuldenkrise 2011/12. Damit rückt Bitcoin näher an Themen, die sonst eher Bond- und Devisenhändler bewegen.
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Knappes Angebot, schwache Nachfrage
Auf der Blockchain zeigt sich ein enges Angebotsbild. Die Bestände langfristiger Halter liegen laut Bitwise bei 14,9 Millionen Bitcoin und wachsen 10,3-mal so schnell wie die monatliche Neuemission.
Auch die inaktiven Bestände fallen auf:
- 60,5 Prozent der Bitcoin haben sich seit mindestens einem Jahr nicht bewegt.
- 48,5 Prozent liegen seit mindestens zwei Jahren still.
- 42,9 Prozent wurden seit mindestens drei Jahren nicht bewegt.
- 33,0 Prozent ruhen seit mindestens fünf Jahren.
Das kann die Kursbewegung verstärken, wenn Nachfrage zurückkehrt. Es kann den Markt aber auch anfälliger machen, sobald Verkäufer dominieren. Bitwise beschreibt die realisierten Gewinn- und Verlustströme derzeit als ungewöhnlich niedrig.
Der Kurs spiegelt diese Spannung klar wider. Bitcoin notiert bei 63.796 Dollar und liegt trotz eines Tagesplus von 0,40 Prozent weiter unter Druck.
Über sieben Tage steht ein Minus von 13,25 Prozent. Auf Monatssicht sind es 21,17 Prozent, seit Jahresanfang 28,10 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 126.080 Dollar ist Bitcoin noch 49,40 Prozent entfernt. Der RSI von 19,1 signalisiert eine stark überverkaufte Lage, ersetzt aber keine neue Nachfrage.
Belastend wirken Spot-ETF-Abflüsse, der Bitcoin-Verkauf von Strategy und die Rotation in Aktien mit KI-Bezug. Hinzu kommt ein Risiko für den institutionellen Nachfragekanal: Strategy-Käufe machten laut Bitwise in diesem Jahr rund zwei Drittel der institutionellen Nachfrage über Treasury-Firmen und Bitcoin-ETPs aus.
Der Markt steht damit zwischen zwei Kräften. Die Makro-These macht Bitcoin als Absicherung gegen Staatsschulden interessanter. Der aktuelle Handel zeigt aber, dass Kapitalflüsse, ETF-Nachfrage und Risikoappetit kurzfristig den Ton angeben. Solange diese Nachfrage schwach bleibt, bleibt die 224.000-Dollar-Modellrechnung ein theoretischer Anker statt ein Kursimpuls.
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