Galaxy Research hält den Bitcoin-Bärenmarkt für beendet und sieht eine Phase zum Aufbau von Positionen. Die am Montag veröffentlichte Analyse setzt damit einen Gegenpunkt zur kurzfristigen Unsicherheit vor dem heutigen US-Zinsentscheid. Entscheidend ist allerdings ein Vorbehalt: Ohne eine Stabilisierung der Nachfrage und bei einem erneuten technischen Rückschlag müsste Galaxy seine positive Einschätzung überdenken.
Galaxy setzt auf eine abgeschlossene Bodenbildung
Nach Einschätzung von Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Digital, endete der Bärenmarkt im Juni. Bitcoin befinde sich seither in einer Akkumulationsphase, wie sie früheren Aufwärtsbewegungen vorausgegangen sei. Thorn hält eine Rückkehr auf mindestens 125.000 US-Dollar für möglich. Das ist ein Szenario des Analysehauses, keine gesicherte Kursentwicklung.
Galaxy stützt seine Einschätzung auf die Rückkehr über den längerfristigen Wochendurchschnitt und die Nachfrage börsengehandelter Bitcoin-Fonds. Die Argumentation reicht damit über eine kurzfristige Gegenbewegung hinaus: Sie setzt darauf, dass Anleger nach dem Rückgang wieder dauerhaft Bestände aufbauen.
Seit dem Juni-Tief nahmen US-Spot-Bitcoin-ETFs laut Galaxy 87.000 Bitcoin auf. Zugleich sanken die Netto-Kaufpositionen von Vermögensverwaltern in CME-Bitcoin-Futures gegenüber der Woche des Rekordhochs um 57 Prozent. Das Analysehaus stellt damit die Spotnachfrage einer deutlich reduzierten Positionierung am Terminmarkt gegenüber.
Die positive These hat eine klare Grenze. Ein Wochenschluss unter 76.540 US-Dollar ohne Erholung binnen eines Monats würde sie laut Galaxy infrage stellen. Auch sinkende Bestände der US-Bitcoin-ETFs wären ein Warnsignal.
Zuflüsse allein reichen noch nicht
Die jüngste Entwicklung der Fonds zeigt, weshalb diese Einschränkung wichtig ist. Am Montag kehrten zwar Mittel in US-Spot-Bitcoin-ETFs zurück. Die vorherigen Abflüsse waren damit aber nur teilweise ausgeglichen.
Medienberichten zufolge betrugen die Nettozuflüsse am Montag 110,3 Mio. US-Dollar. Sie entfielen vollständig auf BlackRocks IBIT. Dem standen Abflüsse von 773,5 Mio. US-Dollar am vergangenen Donnerstag und Freitag gegenüber.
Damit bleibt die Nachfrage ungleich verteilt. Ein einzelner positiver Handelstag und Zuflüsse in nur einen Fonds belegen noch keine breite Rückkehr der Käufer. Für Galaxys längerfristiges Szenario zählt deshalb vor allem, ob die Fonds ihre Bestände nachhaltig ausbauen.
Bitfinex sieht zudem ein mögliches Verkaufsrisiko oberhalb des aktuellen Marktes. Nach Schätzungen des Hauses wurden 874.000 Bitcoin im Bereich zwischen 81.000 und 82.500 US-Dollar erworben.
Bei einer Rückkehr in diese Zone könnten Halter ihre Positionen zum Einstand abgeben. Bestätigte Verkaufsaufträge für diese Bestände liegen laut der Analyse jedoch nicht vor. Bitfinex hält breitere ETF-Zuflüsse und anhaltende Spotkäufe für notwendig, damit eine Erholung Bestand hat.
Der Zinsausblick entscheidet über den nächsten Test
Kurzfristig trifft diese Bodenbildungsthese auf geldpolitische Unsicherheit. Für den heutigen Fed-Entscheid erwarten die Märkte unveränderte Zinsen. Laut CNBC könnte Fed-Chef Kevin Warsh allerdings weitere Straffung signalisieren. Eine Zinspause wäre deshalb nicht automatisch ein Entspannungssignal für Bitcoin.
Der aktuelle Kurs von 80.642,00 USD liegt unter der von Bitfinex beschriebenen möglichen Verkaufszone. Für Anleger ergibt sich daraus ein zweistufiger Prüfstein: Zunächst muss Bitcoin den Zinsausblick verkraften. Anschließend braucht Galaxys optimistisches Szenario anhaltende Käufe statt einer lediglich kurzfristigen Erholung.
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