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Bitcoin: 1,65 Milliarden Dollar Short-Liquidationen

Bitcoin steigt binnen Wochenfrist um 15 Prozent. Auslöser sind massive Short-Liquidationen und die Ankündigung des US-Finanzministeriums, Anleiherückkäufe auszuweiten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Bitcoin erreicht 73.029 Dollar
  • Rekord-Liquidationswelle bei Shorts
  • US-Treasury verdoppelt Rückkaufprogramm
  • ETFs verzeichnen starke Zuflüsse

Bitcoin notiert am Freitag bei 73.029 US-Dollar und liegt damit binnen sieben Tagen 15 Prozent im Plus. Auslöser der Rally sind ein massiver Short-Squeeze und die Ankündigung des US-Finanzministeriums, sein Anleihe-Rückkaufprogramm deutlich auszuweiten.

Treasury-Rückkäufe als Zünder

Das US-Finanzministerium hatte am Mittwoch verkündet, sein Rückkaufprogramm für langfristige Anleihen ab dem 9. September auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln. Finanzminister Bessent ließ am Donnerstag durchblicken, das Volumen könne pro Emission sogar noch höher ausfallen. Die Maßnahme soll den Anstieg der Renditen dämpfen und die Finanzierungsbedingungen am rund 30 Billionen Dollar schweren Treasury-Markt lockern.

Trader werteten den Schritt als Liquiditätssignal zugunsten von Risikoanlagen und trieben Bitcoin am Donnerstag über 72.000 Dollar – den höchsten Stand seit Juni. Parallel dazu fiel der Dollar-Index auf 98,77, den niedrigsten Wert seit Mai, was Kryptowährungen zusätzlichen Rückenwind verschaffte.

Allerdings zeigte sich am Freitag, dass die Intervention die grundlegenden Sorgen der Anleihemärkte nicht auflöst: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog wieder auf 4,71 Prozent an, die dreißigjährige kletterte auf 5,27 Prozent.

Short-Squeeze historischen Ausmaßes

Der Kursschub ging mit einer der größten Liquidationswellen des Jahres einher. Innerhalb von 24 Stunden wurden Short-Positionen im Volumen von über 3 Milliarden Dollar zwangsaufgelöst, allein auf Bitcoin entfielen davon rund 1,65 Milliarden Dollar. Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, wurde von der Wucht der Bewegung überrascht – der 14-Tage-RSI von 80,2 signalisiert inzwischen eine deutlich überkaufte Marktlage.

Auch institutionelles Kapital floss zurück: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch Nettozuflüsse von 517 Millionen Dollar, den stärksten Tag seit Anfang Mai. Allein BlackRocks IBIT vereinnahmte davon 285 Millionen Dollar. Über drei Handelstage summierten sich die Zuflüsse auf rund eine Milliarde Dollar – nach Nettoabflüssen in Milliardenhöhe im ersten Quartal ein deutlicher Stimmungswechsel.

Regulierung als zweiter Treiber

Neben der Geldpolitik befeuert die Aussicht auf mehr Rechtssicherheit die Rally. Präsident Trump drängt den Kongress, den ins Stocken geratenen Clarity Act zu verabschieden, der Krypto-Token überwiegend der Aufsicht der CFTC unterstellen würde.

Der Senat will das Vorhaben nach der Sommerpause im September vorrangig behandeln. Senator Gallego warnte jedoch davor, das Gesetz übereilt zu verabschieden, solange Ethik- und Stablecoin-Fragen ungeklärt seien.

Zeitgleich hat die US-Börsenaufsicht SEC am 18. August einen eigenen, rund 400 Seiten starken Vorschlag namens „Regulation Crypto Assets“ veröffentlicht, der einen neuen Rahmen für Krypto-Anlageverträge schaffen soll – inklusive Ausnahmen für Startups bis zu 5 Millionen Dollar und ein gestuftes Fundraising-Regime. Beobachter diskutieren bereits, ob dieser Vorstoß den Clarity Act im Kongress überflüssig machen könnte.

Ausblick bleibt gespalten

Der Stratege von Standard Chartered hält angesichts der Treasury-Käufe ein Kursziel von 100.000 Dollar bis Jahresende für erreichbar, langfristig nennt er sogar eine Marke von 180.000 Dollar. Auf der Handelsplattform Polymarket verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit für einen Bitcoin-Kurs über 80.000 Dollar bis Jahresende von 30 auf 57 Prozent.

Trotz der Euphorie bleibt der Blick auf das Gesamtjahr ernüchternd: Bitcoin notiert weiterhin 17 Prozent im Minus seit Jahresbeginn und 42 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 126.198,07 Dollar aus dem Oktober. Ob die Rally trägt, dürfte sich daran entscheiden, ob die Notenbank-Politik und die Regulierungsdebatte in Washington tatsächlich Klarheit statt neuer Unsicherheit bringen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.