BioNTech schreibt im dritten Quartal wieder schwarze Zahlen, doch hinter der Bilanz steckt ein deutlicher Strategiewechsel. Der Konzern lagert Entwicklungskosten für sein mRNA-Krebsprogramm aus und bündelt sein Geld auf die späten Onkologie-Studien. Die Prognose für 2026 hebt das Unternehmen an.
Zahlen: Umsatz über Erwartung, Gewinn knapp darunter
Der Umsatz sank auf 1,29 Milliarden Euro, nach 1,52 Milliarden im Vorjahresquartal. Grund ist die erwartungsgemäß schwächere Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen. Analysten hatten allerdings nur mit rund 1,04 Milliarden Euro gerechnet, die Erlöse fielen also klar besser aus.
Unter dem Strich steht ein Nettogewinn von 184,5 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahresquartal. Das Ergebnis je Aktie lag mit 0,73 Euro knapp unter der Konsensschätzung von 0,76 Euro. Über die ersten neun Monate bleibt ein Nettoverlust von rund 1,17 Milliarden Euro, belastet von Abschreibungen und Restrukturierungskosten.
Vorbörslich notierte die Aktie an der NASDAQ mit 1,21 Prozent im Plus bei 88,59 US-Dollar.
Roche trägt künftig die Kosten
Weniger Beachtung dürfte finden, was BioNTech nebenbei verkündet: Das Unternehmen hat eine Option in der Kooperation mit Roche und Genentech gezogen. Ab dem 1. Januar 2027 gehen die Entwicklungskosten des Programms grundsätzlich an die Partner. BioNTech erhält im Erfolgsfall Lizenzzahlungen. Die laufende Phase-2-Studie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs läuft wie geplant weiter.
Zuvor wurde eine Phase-2-Studie mit dem individualisierten mRNA-Impfstoff Autogene Cevumeran bei Darmkrebs vorzeitig beendet. BioNTech betont dennoch, mRNA bleibe ein Kernpfeiler der Onkologie-Strategie. Marktbeobachter dürften die Kostenverlagerung eher als Priorisierung zugunsten der Kombinationstherapien lesen.
Pipeline mit Licht und Schatten
Im Zentrum steht Pumitamig, das gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelt wird. Sieben zulassungsrelevante Studien laufen, dazu kommt die geplante erste Phase-3-Studie mit einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat von Gilead bei dreifach negativem Brustkrebs, vorbehaltlich der Genehmigung. Gotistobart verdoppelte bei Plattenepithel-Lungenkrebs nahezu das mediane Gesamtüberleben gegenüber Chemotherapie.
Rückschläge gab es dennoch. Die Studie zu Trastuzumab Pamirtecan bei Brustkrebs erreichte ihr Hauptziel nur mit bescheidenem Vorteil, bei häufigeren Lungenerkrankungen. BNT113 verfehlte in einer Phase-2/3-Studie den Endpunkt progressionsfreies Überleben; die Auswertung zum Gesamtüberleben läuft weiter.
Finanzpolster und Ausblick
Die Umsatzprognose für 2026 liegt nun bei 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro. Liquidität und Wertpapiere summieren sich auf 16,2 Milliarden Euro. Aus dem Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Dollar sind bis Ende September rund 463 Millionen Dollar geflossen. Die nächsten Zahlen legt BioNTech am 2. März 2027 vor.
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