Die abwartende Haltung gegenüber BioNTech erscheint mir derzeit überzeugender als eine optimistische Gesamtschau der Krebsprogramme. Medienberichten zufolge bestätigte J.P. Morgan am Dienstag die Einstufung „Halten“ mit einem Kursziel von 86,86 $. Das passt zu einer Nachrichtenlage, in der Fortschritte und Rückschläge nebeneinanderstehen. Mein Urteil: Entscheidend ist nicht die Zahl positiver Meldungen, sondern deren klinische Aussagekraft.
Nicht jedes Studienergebnis wiegt gleich schwer
Bei BioNTech wäre es zu einfach, eine ermutigende Studie gegen eine enttäuschende aufzurechnen. Unterschiedliche Entwicklungsphasen, Patientengruppen und Studiendesigns lassen eine solche Bilanz nicht zu. Für Anleger zählt vielmehr, welche Ergebnisse einen belastbaren Vergleich ermöglichen und welche zunächst weitere Prüfung rechtfertigen.
Die am Montag veröffentlichten Ergebnisse zu Trastuzumab Pamirtecan zeigen diesen Unterschied besonders deutlich. Die Phase-3-Studie DYNASTY-Breast02 erreichte zwar ihren primären Endpunkt. BioNTech und DualityBio bezeichneten die statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens gegenüber Chemotherapie jedoch als moderat. Den möglichen Nutzen im bestehenden Behandlungsumfeld schätzten sie als begrenzt ein.
Hinzu kamen höhere Raten interstitieller Lungenerkrankungen als in früheren Studien, darunter schwere und tödliche Fälle. Die Daten zum Gesamtüberleben waren noch nicht ausgereift. Für mich verbietet sich deshalb eine Lesart, die allein aus dem erreichten Endpunkt einen überzeugenden Entwicklungserfolg macht.
Das bedeutet umgekehrt nicht, dass das Programm bereits abgeschrieben wäre. Die Unternehmen wollen die nächsten Schritte besprechen. Eine Entscheidung über diese Schritte ist etwas anderes als das Studienergebnis selbst. Anleger sollten weder einen erfolgreichen weiteren Entwicklungsweg noch dessen Ende vorwegnehmen.
Ermutigende Daten sind noch kein Gegenbeweis
Die am Sonntag vorgestellten Ergebnisse zu Pumitamig liefern einen positiven Kontrast. BioNTech und Bristol Myers Squibb meldeten für die Kombination mit Docetaxel eine bestätigte objektive Ansprechrate von 36,7 %. Diese Auswertung umfasste 30 hinsichtlich der Wirksamkeit beurteilbare Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs nach Immuntherapie und Chemotherapie.
Der entscheidende Vorbehalt liegt im Studiendesign: ROSETTA Lung-107 war einarmig. Eine Vergleichsgruppe fehlte also. Die Ergebnisse können damit eine weitere Entwicklung stützen, belegen aber keine Überlegenheit gegenüber einer parallel untersuchten anderen Behandlung.
Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,9 Monate bei 50 behandelten Patienten. Die Unternehmen beschrieben das Sicherheitsprofil als handhabbar. Das sind ermutigende Signale, deren Gewicht allerdings durch die begrenzte Patientenzahl und den fehlenden direkten Vergleich eingeschränkt bleibt.
Gerade deshalb halte ich es für falsch, diese Daten als Ausgleich für die schwierigere Brustkrebsbilanz zu behandeln. Die Programme müssen jeweils für sich überzeugen. Positive Aktivität in einem Bereich beseitigt keine offenen Wirksamkeits- oder Sicherheitsfragen in einem anderen.
Auch die vor gut einer Woche angekündigte Zusammenarbeit mit Gilead ist zunächst ein Entwicklungsschritt. Die geplante Änderung der Phase-3-Studie ROSETTA Breast-01 benötigt eine behördliche Genehmigung. Ein anspruchsvoller Studienplan ist noch kein Nachweis eines Behandlungsvorteils.
Der nächste Maßstab ist die Priorisierung
Am 3. November legt BioNTech die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 und eine Unternehmensaktualisierung vor. Für mich ist dabei besonders relevant, wie das Unternehmen seine Entwicklungsprioritäten nach den unterschiedlichen Studiensignalen erläutert. Der angekündigte Termin bietet dafür einen Anlass, garantiert aber keine konkrete Entscheidung zu einzelnen Programmen.
Der Rückschlag bei BNT113 vor rund zwei Wochen verstärkt diesen Prüfbedarf. Die Kombination mit Pembrolizumab zeigte keine statistisch signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens gegenüber Pembrolizumab allein. Die Untersuchung des Gesamtüberlebens läuft weiter.
Unterm Strich spricht die Mischung aus ermutigenden Signalen und gewichtigen Einschränkungen für Zurückhaltung im Urteil. BioNTech muss nicht mit jeder Meldung überzeugen. Überzeugen muss vielmehr die Auswahl der Programme, deren Nutzen sich belastbar bestätigen lässt. Genau daran sollte sich aus meiner Sicht die weitere Bewertung orientieren.
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