BioNTech richtet den Blick auf die kommende Lungenkrebs-Konferenz in Seoul. Nach einem schweren Rückschlag bei einer Darmkrebs-Studie am vergangenen Montag sucht der Mainzer Biotech-Konzern nun Bestätigung in seinem Kernfeld: der Onkologie. Die Aktie notiert am Mittwoch bei 89,40 Euro und legt um 2,3 Prozent zu – seit dem Studienabbruch hat sich das Papier damit wieder etwas gefangen.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht die Weltkonferenz der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC), die vom 12. bis 15. September in Seoul stattfindet. BioNTech kündigte an, dort neue klinische Daten aus seinem breit angelegten Lungenkrebs-Entwicklungsprogramm vorzustellen.
Besonders im Fokus steht eine Late-Breaking-Präsentation zur Kombination des Wirkstoffs Pumitamig mit dem B7H3-gerichteten Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan.
Nach Unternehmensangaben handelt es sich dabei um die erste verfügbare Kombinationsdatenlage für ein PD-(L)1xVEGF-bispezifisches Immuntherapeutikum zusammen mit einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat in der Lungenkrebs-Behandlung.
Onkologie-Pipeline bleibt der zentrale Werttreiber
Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Lungenkrebs-relevanten Meilensteinen ein, die BioNTech im laufenden Jahr präsentiert hat. Bereits im Frühjahr hatte das Unternehmen Zwischenergebnisse aus der Phase-2-Studie ROSETTA Lung-02 vorgelegt, die ermutigende Ansprechraten bei erstbehandeltem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs über verschiedene PD-L1-Expressionsniveaus hinweg zeigten.
Im März folgten Daten aus Stufe 1 der globalen Phase-3-Studie PRESERVE-003 zum Wirkstoff Gotistobart, die im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie bei squamösem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in späteren Behandlungslinien klinisch bedeutsame Überlebensvorteile und eine antitumorale Wirkung belegten.
Der Rückschlag beim Darmkrebs-Programm wiegt schwer, betrifft aber ein anderes Wirkprinzip. Ein unabhängiges Daten- und Sicherheitsüberwachungsgremium hatte bei der Phase-2-Studie zu Autogene Cevumeran in ctDNA-positivem, reseziertem Darmkrebs eine zahlenmäßige Ungleichheit beim Gesamtüberleben festgestellt und eine Fortsetzung als aussichtslos eingeschätzt, den Wirksamkeitsausgang noch zu ändern.
BioNTech beendete die Studie daraufhin. Für Anleger verschiebt sich damit das Gewicht der Erwartungen zusätzlich auf das Lungenkrebs-Programm, das mit gleich zwei Wirkstoffkandidaten breiter aufgestellt ist als das gestoppte Darmkrebs-Projekt.
Bilanzielle Basis gibt Rückhalt
Untermauert wird die laufende Forschungsoffensive durch eine solide finanzielle Ausstattung. Zum Ende des zweiten Quartals verfügte BioNTech über liquide Mittel und Wertpapiere von 16,6 Milliarden Euro – ein Polster, das dem Unternehmen erlaubt, trotz rückläufiger Umsätze aus dem COVID-19-Geschäft an seinen 14 laufenden Pivotal-Studien festzuhalten. Gleichzeitig läuft ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde US-Dollar.
Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei 22,04 Milliarden Euro, der Kurs damit rund 16 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar, aber gut 31 Prozent über dem Jahrestief von 68,35 Euro von Anfang März. Diese Spanne verdeutlicht, wie stark die Aktie zuletzt auf einzelne Studienergebnisse reagiert hat – ein Muster, das sich angesichts der anstehenden Präsentationen in Seoul in den kommenden Wochen fortsetzen dürfte.
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