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Symbolbild, KI-generiert

BioNTech Aktie: Phase-2-Studie BNT122-01 beendet

Der Konzern meldet hohe Quartalsverluste, verfügt aber über 16,6 Milliarden Euro an Barmitteln und Wertpapieren für seine Onkologie-Pipeline.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Quartalsumsatz von 105,6 Millionen Dollar
  • Nettoverlust erreicht 820,8 Millionen Dollar
  • 16,6 Milliarden Euro an liquiden Mitteln
  • Gotistobart-Studie zeigt längeres medianes Überleben

Die Transformation der Biotechbranche nach dem pandemischen Sonderboom verzeiht keine Verzögerungen. Wer jahrelang von Rekordgewinnen durch Vakzine getragen wurde, muss sich nun im harten klinischen Alltag der Onkologie beweisen.

Dort regieren nicht mehr weltweite Notfallzulassungen, sondern langwierige Phase-3-Vergleiche gegen etablierte Antikörpertherapien. Bei BioNTech wird dieser Übergang mit jedem Quartal deutlicher spürbar: Der Mainzer Konzern steckt mitten in der Neuerfindung als Krebsmedikamenten-Entwickler, während die Konkurrenz bereits Fakten schafft.

Die Schweizer Konkurrenz von Roche zeigte dies jüngst eindrucksvoll. Mit der US-Zulassung für das Immuntherapeutikum Tecentriq bei Darmkrebs im Stadium III sicherte sich der Basler Pharmakonzern seine mittlerweile zwölfte Indikation auf dem US-Markt.

Grundlage war eine Phase-3-Studie, in der das Rückfall- oder Sterberisiko um die Hälfte reduziert werden konnte. Es ist genau jene klinische Reife, an der sich BioNTech in den kommenden Jahren messen lassen muss.

Für das Mainzer Unternehmen liefen die letzten Monate nicht ohne Rückschläge. Ende August musste BioNTech die gemeinsame Phase-2-Studie BNT122-01 beenden, nachdem ein Überwachungsgremium ein numerisches Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben festgestellt hatte, auch wenn keine neuen Sicherheitssignale auftraten.

Eine andere Prüfung des Ansatzes bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, die Studie IMcode003, wird zwar fortgesetzt. Dennoch führen solche Fehlschläge vor Augen, wie schmal der Grat zwischen wissenschaftlicher Hoffnung und klinischer Realität bleibt.

Hohe Verluste treffen auf volle Kassen

Finanziell befindet sich BioNTech in einer bemerkenswerten Zwitterstellung. Auf der einen Seite schrumpfen die Einnahmen im Übergangsjahr deutlich zusammen. Die Jahresprognose für den Konzernumsatz wurde bereits im August auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gestutzt. Allein im Quartal bis zum 30. Juni stand ein Umsatz von 105,6 Millionen Dollar einem Nettoverlust von 820,8 Millionen Dollar gegenüber.

Auf der anderen Seite verschafft das historische Covid-Erbe den Mainzern eine finanzielle Ausdauer, von der viele Wettbewerber nur träumen können. Mit Barmitteln und Wertpapieren von rund 16,6 Milliarden Euro am Berichtsstichtag ist das Unternehmen vorfinanziert wie kaum eine andere Biotechschmiede der Welt. BioNTech kann es sich schlicht leisten, Rückschläge wegzustecken und Entwicklungen auf breiter Front voranzutreiben.

Die Erwartungshaltung ruht dabei längst nicht mehr auf Einzelerfolgen, sondern auf der Breite der Entwicklungsprojekte. Dazu zählt der gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelte Wirkstoff Pumitamig, der allein in sieben zulassungsrelevanten Studien getestet wird.

Das Warten auf die späten Phasen

Reicht die prall gefüllte Kasse aus, um den Vorsprung der traditionellen Pharmagiganten rechtzeitig einzuholen?

Die Pipeline liefert vereinzelt ermutigende Zwischenstände. Bei Gotistobart zeigte der erste Teil der Phase-3-Studie PRESERVE-003 bei vorbehandelten Lungenkrebspatienten ein medianes Gesamtüberleben von 18,5 Monaten gegenüber zehn Monaten unter Chemotherapie.

Doch erst der laufende zweite Studienteil wird über die eigentliche Zulassung entscheiden. Biotech-Investoren wissen: Zwischen vielversprechenden Interimsdaten und einer marktreifen Krebstherapie liegen oft Jahre voller regulatorischer Hürden.

Am Markt sorgt diese Gemengelage für Bewegung. Im heutigen Handel kletterte die Aktie um 5,3 Prozent auf 86,45 Euro. Nach dem Vortagesschluss bei 82,10 Euro spiegelt sich darin eine gewisse Erleichterung wider, dass die mittel- und langfristige Pipeline trotz punktueller Studienabbrüche intakt bleibt.

Für Anleger bleibt BioNTech eine Wette auf den langen Atem. Die Phase der schnellen Milliardengewinne ist vorbei, das Übergangsjahr fordert seinen Tribut in Form tiefer roter Zahlen.

Doch wer die Geduld aufbringt, den Wechsel von der Impfstoff-Erfolgsgeschichte zum voll integrierten Onkologie-Konzern zu begleiten, investiert in eine Pipeline, die auf einem außergewöhnlich soliden finanziellen Fundament steht. Der eigentliche Härtetest folgt erst dann, wenn die Daten der späten klinischen Studien auf den Tischen der Zulassungsbehörden liegen.

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