BioNTech kämpft gerade an zwei juristischen Fronten gleichzeitig – einmal als Angreifer, einmal als Angeklagter. Beide Verfahren drehen sich um die mRNA- und Lipid-Nanopartikel-Technologie, die den Corona-Impfstoff erst möglich gemacht hat. Wie diese Prozesse ausgehen, könnte darüber entscheiden, ob BioNTechs Patente künftig Lizenzeinnahmen bringen oder teure Zahlungsverpflichtungen auslösen.
Die Aktie notiert bei 79,05 Euro und liegt damit rund 6,3 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Anleger bewerten offenbar gerade neu, wie sich diese Rechtsstreitigkeiten finanziell auswirken könnten.
Zwei Prozesse, zwei Rollen
BioNTech hat Moderna vor einem Bundesgericht in Delaware verklagt. Der Vorwurf: Modernas Impfstoff mNEXSPIKE verletzt patentierte mRNA-Technologie von BioNTech. Das Verfahren hat Gewicht – laut BioNTechs Klageschrift soll dieser Impfstoff in der Atemwegssaison 2025/2026 rund 55 Prozent von Modernas gesamtem Covid-Impfstoffumsatz ausmachen. Moderna kündigte an, sich energisch gegen die Vorwürfe zu wehren.
Auf einer völlig anderen Baustelle sitzen BioNTech und Pfizer auf der Anklagebank. Arbutus Biopharma und dessen Lizenznehmer Genevant werfen beiden Unternehmen vor, geschützte Lipid-Nanopartikel-Technologie zu nutzen. Moderna hatte einen ähnlichen Streit mit Arbutus und Genevant im März 2026 beigelegt: 950 Millionen Dollar sofort, weitere 1,3 Milliarden Dollar hängen von einem Berufungsverfahren ab. Diese Einigung betraf aber ausschließlich Moderna.
Gegen Pfizer und BioNTech läuft das Verfahren weiter. Ein Markman-Urteil im September 2025 fiel bereits zugunsten von Genevant und Arbutus aus. Statt einzulenken, legten die beiden im Juli 2026 nach: drei neue internationale Klagen gegen Pfizer und BioNTech, zusätzlich zum laufenden US-Verfahren. Der Chef von Roivant, der Muttergesellschaft von Genevant, machte aus der Strategie keinen Hehl. Die Einigung mit Moderna reduziere Unsicherheit, bestätige den Wert des eigenen Patentportfolios und bringe kurzfristig erhebliche Liquidität – als Sprungbrett für den Druck auf Pfizer und BioNTech.
Die entscheidende Frage
Für BioNTechs finanzielles Risiko aus diesen Patentstreitigkeiten kommt es auf eine Sache an: Welches Verfahren wird zuerst entschieden, und zu welchen Konditionen? Bringt die eigene Klage gegen Moderna Lizenzeinnahmen, bevor die Klage von Genevant und Arbutus gegen BioNTech selbst zu einem Vergleich oder Urteil in vergleichbarer oder größerer Höhe führt?
Das optimistische Szenario
BioNTechs Angriff auf Moderna zielt auf ein Produkt mit erheblichem kurzfristigem Umsatzpotenzial. Läuft die Klage günstig, könnte daraus ein Lizenz- oder Schadensersatzstrom entstehen – unabhängig vom eigenen Impfstoff- oder Onkologiegeschäft. Die Aktie notiert derzeit rund 15,65 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 106,84 Euro, was deutliches Aufwärtspotenzial vom aktuellen Niveau bedeuten würde. Ein Teil dieser juristischen Chance dürfte im Kurs noch nicht eingepreist sein.
Das Risikoszenario
Das größere Risiko liegt auf der Verteidigungsseite. Der Fall Genevant/Arbutus gegen Pfizer und BioNTech verliert nicht an Fahrt – er nimmt zu. Genevant und Arbutus unterstützen sich gegenseitig aktiv beim Schutz ihres geistigen Eigentums und haben die Auseinandersetzung kürzlich um drei internationale Klagen erweitert, darunter ein Verfahren vor dem Einheitlichen Patentgericht in Europa.
Entscheidend ist die Größenordnung: Comirnaty, der gemeinsame Impfstoff von Pfizer und BioNTech, macht etwa zwei Drittel der weltweiten COVID-mRNA-Impfstoffumsätze aus – eine deutlich größere Umsatzbasis als bei Moderna. Ein möglicher Vergleich oder Schadensersatz könnte die 2,25-Milliarden-Dollar-Einigung mit Moderna also durchaus übertreffen.
Hinzu kommt eine weitere Front: Bayer hat Moderna, Pfizer, BioNTech und Johnson & Johnson wegen eines separaten US-Patents verklagt, das ein technisches Verfahren zur Reduzierung von Polyadenylierungssignalen in mRNA-Wirkstoffen betrifft. Patentrechtler gehen davon aus, dass sich dieser juristische Streit so schnell nicht auflösen wird. Das bindet Management-Kapazität, die eigentlich in die Onkologie-Pipeline fließen sollte – jenen Bereich, der BioNTechs langfristige Wachstumsgeschichte tragen soll.
Ausblick
Solange der Fall Genevant/Arbutus gegen Pfizer und BioNTech ungeklärt und finanziell nicht beziffert bleibt, dürfte er ein Kopfrisiko in den Schlagzeilen bleiben, aber keine konkret bewertete Verbindlichkeit. Kurzfristig dürften eher Daten aus der Onkologie-Pipeline den Kurs bewegen als die Gerichtsverfahren selbst.
Bewegen sich die Verfahren vor dem Einheitlichen Patentgericht oder das US-Verfahren dagegen in Richtung Vergleich oder Urteil, sieht das Bild anders aus. Angesichts der viel größeren Umsatzbasis von Comirnaty gegenüber Modernas mNEXSPIKE und der bereits gesetzten Messlatte von 2,25 Milliarden Dollar könnte die Waage dann in Richtung einer spürbaren finanziellen Belastung für BioNTech kippen – zusätzlicher Druck auf eine Aktie, die bereits unter ihrem 50- und 200-Tage-Durchschnitt notiert. Verfahrensrelevante Updates aus den UPC-Klagen von Genevant und Arbutus sowie aus dem Delaware-Verfahren gegen Moderna dürften in den kommenden Quartalen die konkretesten Signale für die Kursentwicklung liefern.
BioNTech-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BioNTech-Analyse vom 31. Juli liefert die Antwort:
Die neusten BioNTech-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BioNTech-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 31. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BioNTech: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
