BioNTech-Aktien verlieren am heutigen Montag 4,4 Prozent und schließen sich damit einem breiteren Rückzug bei mRNA-Biotechnologiewerten an. Nach einer außergewöhnlich volatilen Woche nehmen Anleger Gewinne mit. Der Kurs steht bei 95,40 Euro, nachdem er am Freitag noch bei 99,80 Euro geschlossen hatte.
Auslöser der vorangegangenen Rally war eine Studie des Konkurrenten Moderna: Der personalisierte mRNA-Krebsimpfstoff intismeran erreichte gemeinsam mit Merck in einer Phase-3-Studie zur Melanom-Behandlung seine primären Endpunkte.
Das Ergebnis lieferte einen wichtigen Machbarkeitsnachweis für die gesamte mRNA-Onkologie-Klasse – und damit auch für BioNTechs eigene Krebsprogramme. Die Aktie war daraufhin binnen weniger Tage um rund ein Fünftel gestiegen, ehe nun die Gegenbewegung einsetzt.
Fundamentaldaten hinken der Kursbewegung hinterher
Trotz des heutigen Rücksetzers bleibt die Aktie deutlich im Plus: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Zuwachs von 21 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 17 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, erreicht im Januar, fehlen der Aktie knapp zehn Prozent – zum Jahrestief von 68,35 Euro im März liegt sie hingegen deutlich vorn.
Die Kursdynamik der vergangenen Wochen hat sich damit weitgehend von der operativen Lage des Unternehmens gelöst. Automatisierte Bewertungsmodelle sahen zuletzt einen fairen Wert von nur 47 US-Dollar je Aktie und begründeten dies mit einer wahrscheinlichen Umkehr der sektorweiten Sympathie-Rally.
Diese Skepsis speist sich auch aus der Geschäftsentwicklung: BioNTech hatte für das erste Halbjahr einen Nettoverlust von 1,56 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, verursacht durch einen Umsatzrückgang von 59,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, da die Nachfrage nach dem Comirnaty-Impfstoff weiter nachlässt.
Die daraufhin gesenkte Jahresprognose auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro Umsatz sowie die Ernennung von Guido Oelkers zum künftigen Vorstandsvorsitzenden liegen bereits gut drei Wochen zurück – seither hat sich die Aktie deutlich erholt.
Pumitamig als eigentlicher Kurstreiber
Der eigentliche Hoffnungsträger bleibt die Onkologie-Pipeline. Erst am Donnerstag kündigte BioNTech an, auf der IASLC-Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul vom 12. bis 15. September neue klinische Daten vorzustellen. Im Zentrum steht der bispezifische Immunmodulator Pumitamig (BNT327) in Kombination mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan (BNT324/DB-1311).
Pumitamig, Kernwert der 2025 abgeschlossenen 800-Millionen-Dollar-Übernahme des chinesischen Unternehmens Biotheus, wird inzwischen in sieben zulassungsrelevanten Studien bei Lungen-, Brust-, Darm- und Magenkrebs geprüft.
Parallel dazu erhielten BioNTech und Pfizer Anfang August die Zulassung der Europäischen Kommission für den an die XFG-Variante angepassten COVID-19-Impfstoff für die Saison 2026/2027, verfügbar für Personen ab sechs Monaten. Dieses Geschäft dürfte angesichts der schwächelnden Nachfrage jedoch kaum die entscheidende Wachstumsquelle sein.
Für Anleger bleibt der 12. September damit der zentrale Termin: Fallen die Daten zu Pumitamig und Elfetabart überzeugend aus, könnte sich die Onkologie-Story fundamental untermauern lassen. Enttäuschen sie, droht der Rückschlag angesichts der bereits weit vorausgeeilten Bewertung deutlich auszufallen. Die Quartalszahlen zum dritten Quartal folgen am 2. November.
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