Der Abgang der BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci zum Jahresende war bekannt. Was die Lage nun zuspitzt: Der Aufsichtsrat sucht noch immer nach Nachfolgern — und das ausgerechnet in einem Jahr, in dem die ersten großen Phase-3-Daten aus der Onkologie-Pipeline erwartet werden.
Neue Führung, offene Verträge
Der Aufsichtsrat hat die Suche nach einem neuen CEO und Chief Medical Officer eingeleitet, nachdem die Gründer am 10. März ihren Wechsel in ein neues, unabhängiges mRNA-Unternehmen angekündigt hatten. BioNTech betont ausdrücklich, dass es sich dabei um keine Abspaltung handelt — das neue Unternehmen soll vollständig eigenständig operieren, mit eigenen Ressourcen und eigener Finanzierung.
BioNTech wird verwandte Rechte und mRNA-Technologien zu marktüblichen Konditionen einbringen und erhält dafür eine Minderheitsbeteiligung sowie Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren. Ein verbindlicher Vertrag soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 unterzeichnet sein.
Die Analysten von Leerink Partners bezeichneten den Schritt als „logisch für ein Unternehmen, das auf mehrere Produkteinführungen bis 2030 zusteuert“, wiesen aber auf eine „kurzfristige Belastung durch ein wahrgenommenes Führungsvakuum“ hin. Jefferies senkte sein Kursziel, hält aber an der Kaufempfehlung fest — mit der Begründung, neue Führung mit stärkerem Fokus auf Kommunikation und Umsetzung könnte sich langfristig als vorteilhaft erweisen.
Umsatzziel verfehlt Erwartungen
Wer auch immer den CEO-Posten übernimmt, erbt ein Unternehmen im Umbruch. Für 2025 meldete BioNTech einen IFRS-Nettoverlust von 1,14 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 2,87 Milliarden Euro. Die Liquiditätsposition bleibt mit 17,24 Milliarden Euro komfortabel.
Die Umsatzprognose für 2026 von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro liegt allerdings deutlich unter dem Analystenkonsens von rund 2,75 Milliarden Euro — ein zusätzlicher Belastungsfaktor neben der Führungsfrage. Das F&E-Budget soll im laufenden Jahr bis zu 2,5 Milliarden Euro erreichen.
Analysten halten Kaufempfehlungen
Die Kursziele wurden nach der Ankündigung mehrheitlich nach unten korrigiert, die konstruktive Grundhaltung blieb jedoch erhalten:
- Morgan Stanley (Terence Flynn): Kursziel von 134 auf 125 US-Dollar gesenkt, Overweight
- BMO Capital Markets (Etzer Darout): Kursziel von 143 auf 128 US-Dollar gesenkt, Outperform
- Canaccord Genuity (John Newman): Kursziel 171,44 US-Dollar, Buy — höchstes Ziel unter den deckenden Analysten
Die Aktie notiert aktuell rund 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und hat sich seit Jahresbeginn um knapp sieben Prozent verbilligt.
Ein dichter klinischer Kalender wartet
Bis Jahresende erwartet BioNTech 15 laufende Phase-3-Studien in der Onkologie. Erstmals sollen 2026 mehrere Datenpakete aus fortgeschrittenen Krebsprogrammen gleichzeitig vorliegen. Die klinische Pipeline bleibt von den Plänen für das neue mRNA-Unternehmen unberührt.
Die entscheidende Aufgabe für den neuen CEO wird sein, die Führungsübergabe abzuschließen, bevor die erste Welle dieser Spätphasendaten eintrifft — und dabei die Vertragsverhandlungen mit den Gründern parallel zum Abschluss zu bringen. Gelingt das nicht im Gleichschritt, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten.
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