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BioNTech Aktie: Darmkrebs-Studie mit Autogene Cevumeran gestoppt

BioNTech beendet eine erfolglose Darmkrebs-Studie, während Moderna und Merck mit einem mRNA-Impfstoff gegen Melanomrezidive überzeugen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • BioNTech stoppt Darmkrebs-Immuntherapie
  • Aktie verliert 7,7 Prozent
  • Moderna und Merck melden Studienerfolg
  • Neue HIV-Impfstoffstudie gestartet

Es gibt Wochen, da zeigt sich, wie eng Hoffnung und Enttäuschung in der Krebsforschung beieinanderliegen. Für BioNTech war es genau so eine Woche – und sie endet mit einem Aktienkurs, der am Freitag um 7,7 Prozent auf 88,30 Euro einbrach.

Der Auslöser: BioNTech hat eine Phase-2-Studie zur mRNA-Krebsimmuntherapie Autogene Cevumeran bei Darmkrebs abgebrochen. Der Grund war nüchtern und unangenehm zugleich – fehlende Wirksamkeit, dazu ein ungünstiger Überlebenstrend. Im US-Handel rutschte die Aktie zeitweise zweistellig ab, schloss zuletzt bei rund 102 US-Dollar. Auf Wochensicht summierte sich der Rückgang auf fast 9,5 Prozent.

Ein Rückschlag, der die größere Frage stellt

Man kann diesen Rückschlag als Einzelfall abtun. Aber er wirft eine größere Frage auf, die sich derzeit durch die gesamte mRNA-Branche zieht: Funktioniert das Prinzip therapeutischer Krebsimpfstoffe wirklich – oder war das bisher eher Wunschdenken, das nur in Einzelfällen aufgeht?

Die Antwort fällt gerade unübersichtlich aus. Fast zeitgleich zum BioNTech-Rückschlag meldeten Moderna und Merck einen Erfolg, der in der Branche als historisch gilt: Ihr personalisierter mRNA-Krebsimpfstoff zeigte in einer Phase-3-Studie mit über 1000 Patienten beim lokalisierten Melanom eine deutliche Reduktion von Tumorrezidiven.

Reuters bezeichnete es als ersten Erfolg eines therapeutischen Krebsimpfstoffs nach einem Jahrhundert vergeblicher Versuche. Die Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen besteht seit 2016, Merck zahlte damals 200 Millionen Dollar, 2022 folgten weitere 250 Millionen. Moderna-Aktien schossen nach der Nachricht um 130 Prozent nach oben.

Zwei Unternehmen, dieselbe Technologie, ein Wochenende – und diametral entgegengesetzte Ergebnisse. Das ist die Realität der personalisierten Onkologie: Sie belohnt Geduld und Kapital, aber sie verzeiht keine falschen Zielstrukturen. Autogene Cevumeran war als Monotherapie-Ansatz gedacht, genau diese These bricht mit dem Studienabbruch nun in sich zusammen.

Die Pipeline lebt weiter – auch dank einer riskanten Wette

Für BioNTech bedeutet der Rückschlag nicht das Ende der Geschichte. Das Unternehmen betont, Pipeline und Liquidität blieben intakt. Und tatsächlich: Parallel zum Darmkrebs-Rückschlag ist BioNTech in ein völlig anderes Feld vorgestoßen.

Mit BNT168 hat das Unternehmen eine Phase-I/II-Studie zu einem RNA-basierten HIV-Impfstoff gestartet, randomisiert und placebokontrolliert angelegt. Es ist eine ambitionierte, langfristig angelegte Wette – HIV gilt als eines der hartnäckigsten Ziele der Impfstoffforschung überhaupt.

Analysten bleiben trotz der schlechten Woche mehrheitlich zuversichtlich. Jefferies und Wells Fargo führen die Aktie mit Kaufempfehlungen und Kurszielen von 138 beziehungsweise 140 US-Dollar, der Analystenkonsens liegt im Bereich Strong Buy mit einem durchschnittlichen Kursziel von 124,58 US-Dollar.

Diese Diskrepanz zum aktuellen Kursniveau zeigt, wie sehr der Markt kurzfristig auf einzelne Studienergebnisse reagiert, während Analysten offenbar stärker auf die Breite der Pipeline schauen.

Was bleibt für Anleger?

Der Kurs notiert nach dem Rutsch rund 17 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das Anfang des Jahres erreicht wurde. Zugleich liegt er noch klar über dem 52-Wochen-Tief von 68,35 Euro vom März.

Die annualisierte Volatilität von 70 Prozent über die vergangenen 30 Tage macht deutlich: Wer in BioNTech investiert, kauft keine ruhige Dividendenaktie, sondern ein Stück Forschungsrisiko mit binärem Charakter.

Genau das ist die eigentliche Lehre dieser Woche. mRNA-Onkologie ist keine homogene Erfolgsgeschichte, sondern ein Feld voller einzelner Wetten – manche gehen auf, wie bei Moderna und Merck, andere scheitern, wie bei BioNTechs Darmkrebs-Ansatz.

Wer die Aktie hält oder erwägt, sollte sich weniger fragen, ob mRNA funktioniert, sondern welche der vielen laufenden Wetten im Portfolio tatsächlich das Potenzial hat, den nächsten Durchbruch zu liefern. Bei BioNTech ist das nach diesem Rückschlag mehr denn je eine offene Frage – und die HIV-Studie liefert darauf frühestens in einigen Jahren eine erste Antwort.

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Diskussion zu BioNTech

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.