Ein Rückschlag mit Ansage-Charakter: BioNTech hat die Phase-2-Studie zur individualisierten mRNA-Krebstherapie Autogene Cevumeran bei Darmkrebspatienten abgebrochen. Der Kurs sackte an der Börse in New York zeitweise um bis zu 10 Prozent ab, zuletzt lag das Minus noch bei rund 6 bis 7 Prozent.
Ein unabhängiges Kontrollgremium, das Data Safety Monitoring Board, hatte bereits zuvor angemerkt, dass die Daten nicht für belastbare Wirksamkeitsaussagen ausreichten. Jetzt kam das Gremium zu dem Schluss, dass eine Fortführung der Studie das Signal zur Wirksamkeit voraussichtlich nicht mehr verändern würde. BioNTech testete den Wirkstoff als Monotherapie bei Hochrisikopatienten, die bereits operiert worden waren.
Timing verschärft den Effekt
Der Abbruch trifft BioNTech in einem besonders unglücklichen Moment. Erst Mitte August hatten Moderna und Merck & Co. mit ihrem gemeinsam entwickelten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran für Aufsehen gesorgt — in Kombination mit dem Immunmedikament Keytruda senkte das Präparat das Wiederauftreten von schwarzem Hautkrebs stärker als die Immuntherapie allein.
Das Präparat der Konkurrenz befindet sich bereits in der zulassungsrelevanten Phase III, während BioNTech mit dem gescheiterten Darmkrebs-Projekt in einer früheren Entwicklungsstufe zurückfällt.
Diese Erfolgsmeldung der Konkurrenz hatte BioNTech-Aktien zuvor sogar beflügelt, weil Anleger das Potenzial der gesamten Neoantigen-Technologie neu bewerteten. Der jetzige Studienabbruch widerspricht dieser Euphorie direkt und wirft Fragen auf, wie tragfähig BioNTechs eigene Onkologie-Pipeline tatsächlich ist — jene Pipeline, die das Unternehmen wiederholt als Fundament seiner Strategie nach der Pandemie positioniert hat.
Eine andere Phase-II-Studie mit Autogene Cevumeran läuft unterdessen weiter: in Kombination mit Checkpoint-Inhibition und Chemotherapie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Diese bleibt vom Abbruch unberührt.
Impfstoff-Zulassung bringt keine Entlastung
Einen Tag zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA die saisonale Covid-19-Impfstoffformulierung von Pfizer und BioNTech für die Saison 2026/2027 zugelassen, ausgerichtet auf die XFG-Variante. Die Auslieferung soll unverzüglich beginnen, damit der Impfstoff pünktlich zum Herbst verfügbar ist. Die Nachricht konnte den Kursrutsch jedoch nicht auffangen — die Zulassung war am Markt bereits weitgehend erwartet worden.
Der Rückschlag bei der Darmkrebs-Studie fällt zudem in eine Phase, in der die Covid-Einnahmen strukturell zurückgehen und BioNTech einen Wechsel an der Unternehmensspitze verarbeitet. Der nächste wichtige Termin steht im September an: Auf einem internationalen Lungenkrebs-Kongress will der Mainzer Konzern globale Daten zur Kombination von Pumitamig und Elfetabart Drozuntecan präsentieren.
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