BioNTech-Anleger erlebten diese Woche ein Wechselbad. Nach dem Kurssprung infolge von Modernas Krebsimpfstoff-Erfolg meldete das Unternehmen selbst gemischte Nachrichten aus der eigenen Onkologie-Pipeline – und die Aktie gibt einen Teil der Gewinne wieder ab.
Rückschlag bei BNT122, aber kein Totalausfall
Die hauseigene Neoantigen-Therapie BNT122 (Autogene Cevumeran) verfehlte in der Phase-2-Studie IMcode001 bei fortgeschrittenem Melanom den primären Endpunkt. Das ist ein Dämpfer, doch die Gesamtsituation ist differenzierter: Bei der parallel laufenden Studie BNT122-01 zu ctDNA-positivem Darmkrebs überschritt eine Zwischenanalyse die vorab definierte Futility-Grenze nicht auf negative Weise – die Auswertung wurde vielmehr auf 2027 verschoben, was auf eine fortlaufende Prüfung statt auf einen klaren Fehlschlag hindeutet.
Die Studie IMcode004 bei Urothelkarzinom wurde beendet; ob dies aus Wirksamkeits- oder aus strategischen Erwägungen geschah, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht abschließend klären.
Anders als bei Moderna, wo die Phase-3-Studie INTerpath-001 den primären Endpunkt beim Melanom klar erreichte, bleibt BioNTechs eigener Neoantigen-Ansatz also vorerst ohne vergleichbaren Durchbruch. Das relativiert die Euphorie, die BioNTech zuletzt allein über die Branchenlogik erfasst hatte – als Profiteur des allgemeinen mRNA-Krebsimpfstoff-Hypes, ohne eigene bestätigende Daten.
Kurs pendelt sich nach Rally ein
An der Börse zeigt sich die Konsolidierung deutlich. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Woche notiert die Aktie aktuell bei 95,25 Euro, nur leicht über dem gestrigen Schlusskurs von 94,80 Euro.
Das Papier bleibt damit rund zehn Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar, hat sich aber deutlich von seinem Jahrestief im März erholt. Der RSI von über 74 signalisiert eine überkaufte Situation, was auf kurzfristig erhöhtes Rückschlagpotenzial hindeutet, sollte die Pipeline-Nachrichtenlage nicht weiter positiv überraschen.
Breitere Pipeline bleibt intakt
Trotz der BNT122-Dämpfer verweist BioNTech auf ein diversifiziertes Portfolio jenseits der individualisierten Neoantigen-Therapien. Der Antikörper Pumitamig, der auf PD-L1 und VEGF-A zielt und Gegenstand einer milliardenschweren Partnerschaft mit Bristol Myers Squibb ist, befindet sich in mehreren Phase-3-Studien zu Lungen-, Brust-, Darm- und Magenkrebs.
Auch für Gotistobart wurde ein Überlebensvorteil bestätigt, während Trastuzumab Pamirtecan und Elfetabart Drozuntecan jeweils in eigenen Phase-3-Programmen weiterentwickelt werden.
Diese Breite dürfte erklären, warum Anleger die BNT122-Nachrichten bislang eher als Randnotiz denn als fundamentalen Bruch werten. Für die Bewertung der Aktie bleibt entscheidend, ob sich die laufenden Phase-3-Programme als tragfähiger erweisen als die zuletzt enttäuschende Neoantigen-Studie – und ob BioNTech es schafft, aus dem sektorweiten mRNA-Momentum eigene, bestätigte Erfolge abzuleiten.
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