BioNTech liefert neue Krebsdaten, während der Konzern seine Kostenbasis hart umbaut. Die Pipeline rückt nach vorn, das alte Impfstoffgeschäft verliert weiter an Kraft. Für die Aktie zählt damit beides: klinische Fantasie und die Frage, wie teuer der Weg dorthin wird.
Am Mittwoch notiert die Aktie bei 76,00 Euro und verliert 0,91 Prozent; auf 30 Tage steht ein Minus von 10,59 Prozent. Der Kurs liegt damit klar unter den wichtigen gleitenden Durchschnitten und bleibt im Abwärtstrend der vergangenen Monate.
Krebsdaten geben Rückenwind
Auf der ASCO 2026 stellten BioNTech und Bristol Myers Squibb Zwischendaten aus der Phase-2-Studie ROSETTA Lung-02 vor. Die Studie prüft Pumitamig zusammen mit Chemotherapie bei zuvor unbehandeltem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.
Die bestätigte objektive Ansprechrate lag bei 63,6 Prozent in nicht-plattenepithelialen Tumoren und bei 72,7 Prozent in plattenepithelialen Tumoren. Die Daten stammen aus der niedrigeren getesteten Dosis. Die Wirkung zeigte sich auch über verschiedene PD-L1-Werte hinweg.
Das ist wichtig, weil BioNTech nach dem Corona-Boom eine neue Wachstumsstory braucht. Pumitamig soll dabei zu einem zentralen Onkologie-Baustein werden. Der Wirkstoff wirkt bispezifisch und soll das Immunsystem gezielter gegen Tumoren aktivieren.
Nierenkrebs rückt nach
Im Nierenkrebs testet Bristol Myers Squibb Pumitamig in der Phase-1/2-Studie ROSETTA RCC-208. Dort geht es um fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom.
Arcus Biosciences liefert dafür den HIF-2a-Hemmer Casdatifan. Die Kooperation fügt zwei neue Behandlungsarme ein, in denen Casdatifan-Kombinationen geprüft werden. Die jeweiligen Entwicklungs- und Vermarktungsrechte bleiben bei den einzelnen Unternehmen.
Auch abseits von Pumitamig meldete BioNTech Fortschritte. Für Gotistobart zeigte der Konzern neue klinische Daten bei platinresistentem Eierstockkrebs. Genannt wurden eine anhaltende Anti-Tumor-Aktivität und klinisch relevante Ergebnisse beim Gesamtüberleben.
Verluste steigen, Sparkurs beginnt
Finanziell bleibt der Umbau belastend. Im ersten Quartal 2026 fiel der Umsatz auf 118,1 Millionen Euro, nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund waren geringere Erlöse mit Corona-Impfstoffen.
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Der Nettoverlust weitete sich auf 531,9 Millionen Euro aus, nach 415,8 Millionen Euro im Vorjahr. Die Forschungskosten stiegen auf 557,0 Millionen Euro. BioNTech investiert vor allem in Immunonkologie und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate.
Die Bilanz bleibt dennoch stark. Zum Quartalsende verfügte BioNTech über liquide Mittel, Zahlungsmitteläquivalente und Wertpapieranlagen von rund 16,8 Milliarden Euro.
Die Umsatzprognose für 2026 bleibt bei 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro. Außerdem kündigte der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu einer Milliarde Dollar über die nächsten zwölf Monate an.
Parallel setzt BioNTech bei der Produktion den Rotstift an. Der Konzern will ausgewählte Standorte in Idar-Oberstein, Marburg, Tübingen und Singapur schrittweise herunterfahren.
In Deutschland soll der Prozess bis Ende 2027 laufen, in Singapur bis zum ersten Quartal 2027. Betroffen sind rund 1.860 Stellen; ab 2029 sollen jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro anfallen.
Hinzu kommt ein personeller Einschnitt. Die Mitgründer Ugur Sahin und Özlem Türeci wollen bis Ende 2026 aus ihren aktuellen Rollen wechseln. Danach sollen sie ein neues unabhängiges Unternehmen für mRNA-Innovationen führen.
BioNTech will dafür bestimmte Rechte und mRNA-Technologien einbringen. Im Gegenzug sind eine Minderheitsbeteiligung, Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren vorgesehen.
Kurzfristig liefert die ASCO-Nachricht Rückenwind für die Pipeline. Operativ liegt die Messlatte klar: Pumitamig muss in weiteren Daten überzeugen, während der Sparkurs die hohen Forschungsausgaben abfedert.
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