Für BioNTech könnte 2027 das Jahr werden, das Investoren seit Jahren erwarten: die erste kommerzielle Zulassung im Krebsbereich. Beim ESMO-Kongress für gynäkologische Krebserkrankungen in Kopenhagen präsentierte das Mainzer Unternehmen frische Überlebensdaten zu seinem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab Pamirtecan — und die Zahlen sind bemerkenswert.
Was die Daten zeigen
In einer Phase-2-Studie sprachen 47,9 Prozent der Patientinnen mit HER2-positivem, rezidivierendem Endometriumkarzinom auf die Therapie an. Bei Patientinnen mit der höchsten HER2-Expression — der sogenannten IHC-3+-Gruppe — lag die Ansprechrate sogar über 70 Prozent. Das ist klinisch bedeutsam. Die aktuelle Standardchemotherapie erreicht in dieser Indikation nur rund 15 Prozent.
Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 8,1 Monate. Die Kopenhagener Präsentation erweiterte die April-Daten um Überlebensergebnisse und Subgruppenanalysen.
Regulatorischer Fahrplan
Gebärmutterkrebs gehört zu den wenigen Krebsarten mit steigender Sterblichkeitsrate. Genau deshalb hat die FDA Trastuzumab Pamirtecan bereits 2023 mit Fast-Track- und Breakthrough-Therapy-Status ausgezeichnet.
BioNTech und der Partner DualityBio planen, noch 2026 einen Zulassungsantrag bei der FDA einzureichen — vorbehaltlich regulatorischer Rückmeldungen. In China läuft die Prüfung bereits: Die zuständige Behörde hat den Antrag angenommen. Parallel dazu läuft die globale Phase-3-Studie Fern-EC-01, die Trastuzumab Pamirtecan direkt mit Chemotherapie vergleicht.
Breite Pipeline, schmale Einnahmen
Trastuzumab Pamirtecan ist nur ein Baustein. BioNTech plant, 2026 insgesamt sechs neue Phase-3-Studien zu starten und kommt damit auf 15 laufende Phase-3-Programme. Sieben späte Datenpakete erwartet das Unternehmen noch in diesem Jahr — darunter Ergebnisse für Gotistobart bei Lungenkrebs und für die mRNA-Therapie BNT113 bei Kopf-Hals-Tumoren.
Die finanzielle Lage bleibt angespannt. Im ersten Quartal 2026 sanken die Umsätze auf 118 Millionen Euro, nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust weitete sich auf 531,9 Millionen Euro aus. Für das Gesamtjahr hält BioNTech an seiner Umsatzprognose von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro fest.
Die Aktie notiert bei 79,15 Euro — rund 25 Prozent unter dem Januarhoch von 105,80 Euro und seit Jahresbeginn etwa vier Prozent im Minus. HC Wainwright bewertet den Titel mit „Buy“ und einem Kursziel von 145 Dollar, der Marktkonsens lautet „Moderate Buy“.
Ob Trastuzumab Pamirtecan tatsächlich 2027 zur ersten Krebszulassung für BioNTech wird, hängt jetzt vor allem von der FDA-Rückmeldung zum geplanten Zulassungsantrag ab — und davon, ob die Phase-3-Daten die Phase-2-Signale bestätigen.
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