BioNTech steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbruch. Während das einstige Corona-Geschäft rasant schrumpft, treibt das Mainzer Biotech-Unternehmen seine Onkologie-Pipeline mit Milliardenaufwand voran. Kurz vor dem anstehenden Aktionärstreffen justieren Analysten nun ihre Erwartungen neu.
Druck auf das Altgeschäft
Die Berenberg Bank reduzierte ihr Kursziel für die Aktie von 155 auf 140 US-Dollar. Die Einstufung bleibt auf „Buy“. Die Analysten der Bank bezeichnen die Papiere trotz der Anpassung weiterhin als stark unterbewertet. Als Hauptgrund für die Kappung nannte das Institut den wachsenden Druck auf das etablierte Impfstoffgeschäft.
Dieser Trend zeigte sich bereits in den jüngsten Quartalszahlen. Der Umsatz fiel auf 138 Millionen US-Dollar, primär wegen geringerer Verkäufe von Covid-Vakzinen. Parallel dazu weitete sich der Nettoverlust auf rund 622 Millionen US-Dollar aus. Die Forschungs- und Entwicklungskosten stiegen massiv an, da BioNTech stark in neue Krebstherapien investiert.
Aktionärstreffen im Zeichen der Onkologie
Am 15. Mai findet die virtuelle Hauptversammlung statt. Die Tagesordnung spiegelt den strategischen Schwenk des Unternehmens wider. Geplant ist die Erweiterung des Aufsichtsrats um spezialisierte Experten für klinische Entwicklung.
Aktionäre müssen derweil auf eine Gewinnausschüttung verzichten. Das Management schlägt vor, den Bilanzgewinn von knapp 6,9 Milliarden Euro vollständig auf neue Rechnung vorzutragen. Das Kapital fließt stattdessen in die Forschung. Ferner steht ein neues genehmigtes Kapital zur Abstimmung, das bis zu 50 Prozent des aktuellen Grundkapitals umfassen soll.
Pipeline-Fortschritte und Kursentwicklung
Der klinische Fortschritt beschleunigt sich. BioNTech hat fünf neue zulassungsrelevante Studien für den Wirkstoffkandidaten Pumitamig gestartet. Um diese Offensive zu finanzieren, strukturiert der Vorstand die Produktion um. Geplante Werksschließungen sollen bis zum Jahr 2029 jährliche Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro bringen.
An der Börse spiegelt sich die Übergangsphase in einer verhaltenen Entwicklung wider. Mit einem aktuellen Kurs von 78,75 Euro notiert die Aktie unterhalb der 200-Tage-Linie. Seit Jahresbeginn steht ein leichtes Minus von rund viereinhalb Prozent auf der Anzeigetafel.
Trotz der roten Zahlen im Auftaktquartal hält das Management an der Jahresprognose fest. Ein geplantes Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde US-Dollar sowie Barreserven von 19,6 Milliarden US-Dollar bilden ein solides finanzielles Fundament. Im weiteren Jahresverlauf stehen nun wichtige Zwischenergebnisse aus den fortgeschrittenen Onkologie-Studien an.
