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BioNTech Aktie: 24 Prozent in sieben Tagen

Der Aktienkurs von BioNTech steigt dank positiver Studiendaten eines Konkurrenten. Analysten sehen Potenzial in der breiten mRNA-Plattform des Unternehmens.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursplus durch Moderna-Erfolg
  • Eigene HIV-Studie gestartet
  • Analysten bleiben bei Kaufempfehlung
  • Aktienrückkauf trotz Umsatzrückgang

Es gibt Wochen, in denen eine Aktie steigt, weil das Unternehmen etwas liefert. Und es gibt Wochen wie diese, in denen BioNTech steigt, weil ein anderer liefert. Am Mittwoch meldeten Moderna und Merck erfolgreiche Phase-3-Daten für ihren personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran in Kombination mit Keytruda bei Hochrisiko-Melanom.

Die Studie mit 1.137 Patienten erreichte ihre primären Endpunkte beim rezidivfreien und beim fernmetastasenfreien Überleben. Moderna-Aktien schossen an diesem Tag um 177 Prozent nach oben. BioNTech, das mit dem Erfolg direkt nichts zu tun hat, zog kräftig mit.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter dem jüngsten Kurssprung: Der Markt handelt gerade nicht BioNTech, sondern die mRNA-Technologie als Ganzes. Elon Musk fasste die Stimmung Mitte der Woche so zusammen, mRNA berge „tremendous promise“ gegen zahlreiche Krankheiten, synthetische RNA werde viele Leiden heilen.

Ob man solchen Aussagen Gewicht beimisst oder nicht – sie trafen auf einen Markt, der sichtlich darauf gewartet hatte, der gesamten Plattformtechnologie wieder zu vertrauen. Der Schlusskurs von BioNTech in Frankfurt lag am Freitag bei 99,85 Euro, ein Plus von 5,3 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf 24 Prozent.

Die eigene Pipeline steht im Schatten der fremden Erfolgsmeldung

Dabei hat BioNTech durchaus eigene Nachrichten zu bieten, nur wirken sie neben der Moderna-Explosion fast leise. Auf dem Weltkongress für Lungenkrebs WCLC wurden ermutigende Daten präsentiert, zudem hat das Unternehmen ein Update zu seinem COVID-19-Impfstoff eingereicht.

Parallel dazu ist eine neue klinische Studie gestartet: BNT168, ein RNA-Impfstoff gegen HIV, befindet sich nun in Phase I/II und rekrutiert Erwachsene mit und ohne HIV-Infektion. Vollständige Daten stehen noch aus, doch die Studie unterstreicht, wohin BioNTech strategisch will – weg von der Abhängigkeit vom COVID-Geschäft, hin zu einer breiteren Plattform aus Onkologie und Infektionskrankheiten.

Genau diese Diversifizierung ist der Grund, warum Analysten trotz schwacher Quartalszahlen an der Aktie festhalten. Der Wells-Fargo-Analyst senkte sein Kursziel zwar von 150 auf 140 US-Dollar, bewertet die Aktie aber weiterhin mit Overweight.

Citigroup reduzierte sein Ziel von 130 auf 125 Dollar bei einem Buy-Rating. Auch Jefferies äußerte sich zuletzt mit einem Kaufvotum zu BioNTech, nachdem der Modernas-Erfolg das Unternehmen ins Rampenlicht gerückt hatte. Der Konsens der Analysten liegt trotz der jüngsten Kürzungen im Kaufbereich.

Ein Strukturwandel, der die ganze Branche erfasst

Was diese Woche wirklich zeigt, ist etwas Größeres als der Kurs einer einzelnen Aktie. Die mRNA-Technologie, die während der Pandemie ihren Durchbruch feierte und danach jahrelang als Übergangsphänomen abgetan wurde, meldet sich mit voller Wucht in der Onkologie zurück.

Der Biotech-Index IBB legte im laufenden Jahr um rund ein Viertel zu, Merck-Aktien kletterten sogar um 44 Prozent seit Jahresbeginn. Die gesamte Branche scheint neu zu bewerten, was personalisierte mRNA-Therapien gegen Krebs künftig leisten könnten.

Für BioNTech bedeutet das eine Art Doppelrolle: Einerseits profitiert das Unternehmen vom Sentiment-Schub, den ein Konkurrent auslöst. Andererseits steht es unter Druck, den eigenen Beweis anzutreten, dass seine Krebsprogramme ähnliches Potenzial bergen.

Die Put/Call-Ratio der Aktie lag zuletzt bei niedrigen 0,28 – ein Zeichen, dass Optionshändler mehrheitlich auf steigende Kurse setzen. Ob das Vertrauen trägt, wird sich zeigen, sobald BioNTech eigene, belastbare Studienergebnisse vorlegt statt fremde Erfolgsmeldungen zu reflektieren.

Bemerkenswert ist auch der fundamentale Kontrast: BioNTechs zweites Quartal zeigte einen Verlust je Aktie von 2,53 Dollar und einen Umsatzeinbruch von fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, weil die COVID-Erlöse weiter schrumpfen.

Trotzdem kaufte das Unternehmen eigene Aktien im Volumen von 151,6 Millionen Dollar zurück, was gut 0,67 Prozent der ausstehenden Anteile entspricht – ein Signal von Zuversicht in die eigene Bilanz, das der Markt in dieser Woche schlicht überlagert hat.

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Diskussion zu BioNTech

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.