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Symbolbild, KI-generiert

Berlins Wahlsieger drücken Vonovia, doch der Ölpreis rettet die Zinsmärkte

Der fallende Ölpreis entlastet Bunds und Treasuries, während Berliner Wohnwerte nach der Wahl verlieren und Einzelmeldungen Aktien bewegen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Vonovia erreicht neues Jahrestief
  • Ölpreis fällt binnen vier Sitzungen
  • Kepler senkt Volkswagen-Prognosen
  • Bitcoin steigt auf Achtmonatshoch

Sehr geehrte Damen und Herren,

vier Handelstage in Folge fiel der Ölpreis, und ausgerechnet das nahm dem Rentenmarkt mehr Druck als der Denkzettel, den die Wähler in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihren Volksparteien am Sonntag ausstellten. Das Wahlbeben blieb für Bundesanleihen folgenlos – traf aber mit voller Wucht einen einzelnen Sektor: die Berliner Wohnungskonzerne. Die These für diese Ausgabe: Es ist derzeit weniger die Geldpolitik als vielmehr Energiepreise und sehr spezifische Unternehmensnachrichten – von Kepler Cheuvreux bei Volkswagen bis zur ersten ausgelieferten F-35 bei Rheinmetall –, die über Gewinner und Verlierer im DAX entscheiden.

Vonovia auf Jahrestief: Der Markt preist ein Risiko, das juristisch kaum durchsetzbar ist

Am Sonntag flog die CDU in Mecklenburg-Vorpommern erstmals aus dem Landtag, die AfD landete dort laut Hochrechnungen vor der SPD. In Berlin siegte die Linke, die CDU wurde Zweiter. Kanzler Merz gerät damit unter Druck, hält aber an seinem Kurs fest. Für Anleger zählte an diesem Wahlabend vor allem eine Person: Berlins Wahlsiegerin Elif Eralp erklärte die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände zur roten Linie für Koalitionsverhandlungen und fordert zusätzlich einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen.

Das reichte, um Vonovia und Deutsche Wohnen abzustrafen – obwohl die Faktenlage komplizierter ist, als es der Kurssturz nahelegt. Vonovia hält mit Deutsche Wohnen rund 130.000 Einheiten in Berlin, weniger als acht Prozent des städtischen Bestands. Genug allerdings, um die Aktie am Montag auf ein 52-Wochen-Tief von 17,28 Euro zu drücken; am Dienstagvormittag notiert sie mit 17,59 Euro noch immer schwach, auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von 32 Prozent. Deutsche Wohnen markierte am selben Tag mit 15,80 Euro ebenfalls ein Jahrestief und handelt aktuell bei 16,30 Euro. Vonovia-Chef Mucic warnte öffentlich vor den Folgen einer Vergesellschaftung, während Michael Heise von HQ Trust auf erhebliche rechtliche Hürden verweist. Genau darin liegt die eigentliche Anlegerfrage: Der Markt preist ein politisches Risiko ein, das juristisch noch lange nicht durchsetzbar ist. Wer Wohnkonzerne bislang als reine Zinssensitivitäts-Wette hielt, bekommt nun eine zweite, politische Risikoprämie obendrauf. Bei einer Vonovia-Marktkapitalisierung von rund 15 Milliarden Euro bleibt Berlin dabei ein Teilportfolio, kein Kernrisiko.

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Während Vonovia auf Jahrestief fällt und Kepler Cheuvreux die Dividendenfantasie bei Volkswagen dämpft, zeigt sich einmal mehr, wie unterschiedlich sich deutsche Schwergewichte entwickeln können. Ein aktueller Report stellt drei deutsche Unternehmen aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobilsegment vor, die im laufenden Rendite-Wettbewerb die Nase vorn haben könnten. Report zu den drei Giganten anfordern

Öl unter 100 Dollar schlägt die Wahl-Nervosität: Bunds und Treasuries atmen auf

Während die Wahl einen Sektor traf, bewegte der Ölpreis den ganzen Markt. Binnen vier Sitzungen bis Montag verlor er mehr als neun Prozent; Brent schloss knapp über 100 Dollar, den tiefsten Stand seit Anfang September, WTI notierte deutlich darunter. Zwei Treiber stehen dahinter: Signale für Gespräche zwischen den USA und Iran am Rande der UN-Generaldebatte – Trump stellte ein Treffen mit Präsident Pezeshkian in Aussicht – und ein kräftiger Anstieg der saudischen Exporte, laut dem Datenanbieter Kpler auf über vier Millionen Barrel pro Tag im September nach 2,4 Millionen im August. Am Dienstagmorgen stabilisierte sich Brent bei rund 101 Dollar.

Die Wirkung auf die Zinsmärkte kam prompt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel am Montag um rund sieben Basispunkte auf etwa 3,45 Prozent, die zehnjährige US-Rendite rutschte unter die psychologische Fünf-Prozent-Marke – nachdem sie in der Vorwoche mit 5,04 Prozent ein 19-Jahres-Hoch erreicht hatte. Gold notierte am Dienstagmorgen leicht fester um 4.360 Dollar. Frankreich bleibt der Wackelkandidat in dieser Rechnung: Scope stufte das Land am Freitag von AA– auf A+ herab, DBRS senkte den Ausblick auf negativ, und das Defizit 2026 wird nun auf 5,4 statt der angepeilten 5,0 Prozent des BIP geschätzt. Der Spread zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen engte sich am Montag zwar auf rund 100 Basispunkte ein, bleibt aber auf einem Niveau, das vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen wäre.

Für Halter von Bund-Futures oder Renten-ETFs heißt das: Diese Erholung ist ölgetrieben und damit so fragil wie die Iran-Diplomatie selbst. EZB-Chefvolkswirt Lane sprach am Dienstag von einer „zweiten Welle“ der Energiepreise bei Öl und Gas, die die Inflation höher und hartnäckiger halten dürfte – mit einer Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel frühestens Mitte 2027. Die Fed hatte in der Vorwoche erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, die EZB Anfang September ebenfalls um 25 Basispunkte mit einem Signal für Oktober; die Deutsche Bank hält die vom Markt eingepreisten weiteren Schritte für zu niedrig. Heute um 13 Uhr spricht EZB-Präsidentin Lagarde, um 11:30 Uhr begibt der Bund fünf Milliarden Euro mit Laufzeit 2031 – ein Test dafür, wie belastbar die Erholung wirklich ist.

Kepler bremst Volkswagen, die Rechnung zahlt die Porsche-Holding

Während die Ölentlastung den Gesamtmarkt stützte, sortierte Kepler Cheuvreux am Montag die Autowerte neu: Das Analysehaus kappte Dividenden- und Gewinnprognosen für Volkswagen und senkte das Votum. VW-Vorzüge verloren im Tagesverlauf rund zwei Prozent, Porsche SE gut drei Prozent, Porsche AG bis zu zwei Prozent. Bemerkenswert ist die Asymmetrie zwischen den beiden Porsche-Titeln: Die Holding Porsche SE notiert am Dienstag bei 27,49 Euro, nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 26,87 Euro aus dem Juli, und liegt seit Jahresbeginn 31 Prozent im Minus – der Hebel auf VW-Dividenden wirkt eben in beide Richtungen. Die operative Porsche AG dagegen erholt sich am Dienstag leicht auf 45,04 Euro und hält ein Zwölfmonatsplus von zehn Prozent.

Für Anleger im Sektor folgt daraus eine klare Priorität: Nicht der VW-Kurs selbst ist das Risiko, sondern die Dividendenerwartung an VW – genau darüber trifft Kepler die Holding, während das operative Geschäft der Porsche AG davon weitgehend abgekoppelt bleibt.

Rheinmetall: Die erste F-35 ist geliefert, doch der Kurs kämpft um 1.000 Euro

Am Freitag nahm Verteidigungsminister Pistorius in Fort Worth den ersten von 35 bestellten F-35-Jets entgegen – ein Zehn-Milliarden-Euro-Auftrag aus dem Sondervermögen, Auslieferung bis 2029, Stationierung in Büchel, dessen Umbau sich wegen US-Sicherheitsauflagen bereits auf zwei Milliarden Euro verdoppelt hat. Für Rheinmetall ist das Programm mehr als Randnotiz: Der Konzern fertigt in Weeze Rumpfmittelteile, die 200-Millionen-Euro-Fabrik ist auf bis zu 36 Stück pro Jahr ausgelegt.

Am Aktienkurs verpuffte das Ereignis dennoch nahezu wirkungslos. Die Aktie ringt am Dienstag bei rund 1.007 Euro leicht schwächer weiter um die runde Marke, die charttechnisch als kritischer Support gilt – der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro aus dem Oktober 2025 ist enorm, auf Zwölfmonatssicht steht ein Minus von 48 Prozent. Die Analysten bleiben trotzdem konstruktiv: Bernstein bestätigte in einer am Freitag verbreiteten Studie „Outperform“ mit Kursziel 1.900 Euro und rechnet für 2026 mit europäischen Verteidigungsbudgets von 730 Milliarden Dollar, 2,6 Prozent des BIP und ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2025. Die Deutsche Bank sieht 1.800 Euro, Exane BNP 1.600 Euro, JPMorgan bleibt bei „Neutral“. Operativ stützt ein Auftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro, belastet ein durch Vorratsaufbau negativer Free Cashflow im ersten Halbjahr.

Die eigentliche Botschaft steckt in der Diskrepanz zwischen Kurszielen und Kurs: Der Markt bezahlt derzeit für Cash, nicht für Auftragsbücher. Ob sich das ändert, könnten die Berenberg/Goldman-Konferenz am Mittwoch und die Baader-Konferenz am Donnerstag zeigen.

E.ON: Eine regulierte Rendite als Alternative zur Anleihe

Abseits der lauten Schlagzeilen meldete sich E.ON am Freitag politisch zu Wort: Filip Thon, Chef von E.ON Energie Deutschland, forderte statt Spritpreis-Entlastungen eine Senkung der Stromsteuer, um Elektrifizierung und E-Mobilität zu fördern – und bekräftigte zugleich stabile Strom- und Gaspreise für Bestandskunden im laufenden Jahr. Bei rund 11,3 Millionen Strom- und 2,3 Millionen Gaskunden in Deutschland ist das kein kleines Versprechen. Die Aktie notiert am Dienstag bei 17,41 Euro leicht schwächer, seit Jahresbeginn steht aber ein Plus von acht Prozent zu Buche.

Den analytischen Unterbau liefert die UBS, die E.ON bereits Anfang September von Neutral auf Buy gehoben und das Kursziel von 19,50 auf 20,00 Euro angehoben hatte. Diese Einschätzung gewinnt im aktuellen Zinsumfeld an Gewicht: Der Anteil der Stromnetze an der regulierten Anlagenbasis steigt bis 2030 auf rund 93 Prozent, und für Stromnetze erwartet die UBS eine Vorsteuerverzinsung von 5,32 Prozent für Bestands- und 5,80 Prozent für Neuanlagen – deutlich mehr als die 4,17 Prozent im Gasnetz-Entwurf der Bundesnetzagentur. Die UBS rechnet mit Netzinvestitionen von 7,3 Milliarden Euro im Jahr 2029 und einem jährlichen Zuwachs von EBITDA und Gewinn je Aktie um rund sieben Prozent bis 2030. Wer bei Bundrenditen um 3,5 Prozent einen regulierten, inflationsindexierten Ertragsstrom sucht, findet hier eine ernsthafte Alternative zur Anleihe. Am Rande der Woche sprang übrigens Berentzen am Montag um mehr als 21 Prozent, nachdem der US-Konzern Sazerac eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet hatte.

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EZB-Chefvolkswirt Lane warnt vor einer zweiten Welle steigender Energiepreise, während Bundrenditen kaum noch drei Prozent Realertrag nach Inflation liefern – für viele Sparer eine unbequeme Rechnung. Ein Report analysiert, warum klassische Zinsprodukte an Wert verlieren und wie Dividenden zunehmend die Rolle des verlässlichen Ertragsstroms übernehmen. Analyse zur Zinswende durchlesen

Bitcoin auf Achtmonatshoch, obwohl der CLARITY Act gescheitert ist

Die Überraschung des Zeitraums lieferten die Kryptomärkte. Am Montag stieg Bitcoin in New York in der Spitze auf 87.354 Dollar, den höchsten Stand seit Ende Januar, und schloss damit erstmals seit November 2025 über dem 50-Wochen-Durchschnitt. Bemerkenswert ist die Reihenfolge der Ereignisse: Erst scheiterte am 15. September der CLARITY Act im US-Senat an der 60-Stimmen-Hürde, dann hob die Fed die Zinsen an – und Bitcoin fiel nur kurz unter 76.000 Dollar, bevor die Erholung einsetzte.

Getragen wird die Rally von ETF-Zuflüssen (617,6 Millionen Dollar am Montag nach 433 Millionen am Donnerstag) und einem Short-Squeeze, der binnen 24 Stunden rund 878 Millionen Dollar an Leerverkäufen liquidierte. Regulatorisch füllt derweil die Exekutive die Lücke, die der Kongress hinterlässt: Die US-Börsenaufsicht SEC erließ am 17. September eine fünfjährige „Innovation Exemption“ für tokenisierte US-Aktien, die Terminmarktaufsicht CFTC reichte ihren Marktstruktur-Entwurf ein, und in Europa kündigte die EZB am Montag an, einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel in tokenisierte Wertpapiere zu investieren. Strategy kaufte weitere 950 Bitcoin und hält nun 846.002 Einheiten. Für Anleger zählt vor allem eine Zahl: Glassnode sieht den Break-even der ETF-Bestände bei rund 85.600 Dollar – genau dort verläuft derzeit die Grenze zwischen Erleichterungsrally und Gewinnmitnahmen. XRP legte binnen 24 Stunden um knapp acht Prozent auf 1,52 Dollar zu.

Das große Bild

Die KI-Rally – Metas Assistent „Muse“, ein Nasdaq nahe seinem Rekord, AMD erstmals über einer Billion Dollar Marktwert, Infineon am Montag vier Prozent fester – ist der laute Teil dieser Woche, aber nicht der entscheidende. Der Nasdaq 100 steht mit 30.482 Punkten nur knapp unter seinem Juni-Rekord, und das Trump-Xi-Treffen in Washington im weiteren Wochenverlauf wird diesen Handel entweder weiter befeuern oder infrage stellen.

Für deutsche Portfolios zählt derzeit etwas anderes: ob der Ölpreis unter 100 Dollar bleibt. Daran hängen Bund-Renditen und Zinsfantasie – und damit auch die Frage, ob der DAX nach drei schwachen Wochen und einem September-Minus von gut dreieinhalb Prozent seine 100-Tage-Linie verteidigt. Die Termine dafür sind gesetzt: Eurozone-PMIs am Mittwoch (Konsens 51,5), der ifo-Index am Donnerstag (erwartet 89,0), dazu das Treffen von Zelensky und Trump am Dienstag in New York, bei dem es um einen Energie-Waffenstillstand mit Russland geht. Die DWS traut dem DAX auf Zwölfmonatssicht 28.600 Punkte zu. Ob das realistisch ist, entscheidet sich derzeit weniger in Frankfurt als an der Straße von Hormuz – und an der Frage, wie lange Riad bereit ist, den Ölmarkt mit zusätzlichen Barrels zu fluten.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.