Ein Führungswechsel an der Spitze von Berkshire Hathaway ändert offenbar wenig an der Aktienstrategie des Konglomerats. Wie CNBC berichtete, lässt der amtierende Chef Greg Abel bei Entscheidungen über das Aktienportfolio weiterhin Warren Buffett und Portfoliomanager Ted Weschler den Vortritt. Für Anleger ist das eine wichtige Beruhigung: Die Nachfolgeregelung an der Spitze verändert die Kapitalallokation im Wertpapiergeschäft vorerst nicht.
Diese Kontinuität zeigt sich auch in den jüngsten Portfoliobewegungen. Nach der Auswertung der 13F-Meldung für das zweite Quartal wuchs das Aktienportfolio auf rund 299 Milliarden US-Dollar, wobei die fünf größten Positionen etwa 72 Prozent des Volumens ausmachen.
Berkshire baute seine Beteiligungen an Alphabet, Delta Air Lines, Lennar, Macy’s und der New York Times aus. Gleichzeitig wurden Positionen bei Bank of America, DaVita, Kroger, Ally Financial und Capital One deutlich reduziert, um Kursgewinne zu realisieren.
Rechtsstreit um Immobilienprovisionen teilweise beigelegt
Auf der juristischen Seite bestätigte ein Berufungsgericht am Freitag den 2024 geschlossenen Vergleich in einer Sammelklage gegen die Berkshire-Tochter HomeServices of America.
Das Unternehmen hatte sich bereiterklärt, 250 Millionen US-Dollar eines insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar schweren Vergleichs zu zahlen, um Vorwürfe beizulegen, langjährige Regeln zur Aufteilung von Maklerprovisionen hätten diese künstlich hochgehalten. Die Summe wird über vier Jahre gezahlt, rund 130 Millionen US-Dollar liegen bereits auf einem Treuhandkonto.
Vollständig vom Tisch ist das Thema für Berkshire allerdings nicht. Berkshire Hathaway Energy, die Muttergesellschaft von HomeServices, sieht sich weiterhin einer separaten Sammelklage zu Immobilienprovisionen ausgesetzt.
Ein Richter hatte im April entschieden, dass diese Klage nicht vom HomeServices-Vergleich abgedeckt ist. Anleger sollten das Risiko damit nicht als vollständig erledigt betrachten, auch wenn der jetzt bestätigte Vergleich eine der größeren offenen Fragen klärt.
Solide Quartalszahlen als Hintergrund
Die Nachrichten vom vergangenen Freitag und Wochenbeginn stehen im Kontext solider Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Berkshire hatte Anfang August ein Ergebnis je Aktie von 6,02 US-Dollar gemeldet und damit die Konsensschätzung von 5,13 US-Dollar deutlich übertroffen. Das operative Ergebnis stieg um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden US-Dollar, getragen von starken Zuwächsen im Fertigungs-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsgeschäft sowie bei Berkshire Hathaway Energy. Schwachstelle blieb das Versicherungsgeschäft, dessen Underwriting-Ergebnis um 13 Prozent auf 1,73 Milliarden US-Dollar zurückging.
Auf Insiderebene zeigten sich in der ersten Augusthälfte zudem Kaufaktivitäten: General Counsel Michael O’Sullivan erwarb über einen Trust 488 Class-B-Aktien, Finanzchef Charles Chang kaufte zwei Class-A-Aktien für jeweils 765.000 US-Dollar.
Kursbild bleibt verhalten
An der Börse notierte die Aktie zuletzt bei 651.000,00 Euro und gab am Montag um 0,5 Prozent nach. Damit liegt das Papier 5,1 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 686.000,00 Euro, das im August markiert wurde, hält sich aber mit einem Abstand von 2,4 Prozent oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts.
Der operative Rückenwind aus dem zweiten Quartal spiegelt sich damit bislang nur verhalten im Kurs wider – die Bewertung der Neuigkeiten aus Führungsebene, Portfolio und Rechtsstreit dürfte die nähere Kursentwicklung mitbestimmen.
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