Eine Kanzlei bereitet Tausende Schadensersatzklagen vor, die Staatsanwaltschaft durchsucht Büros, und der Konzern kämpft mit einer Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro. Bei BayWa verdichten sich die Krisen — und die Aktie notiert rund 18 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
Juristischer Druck von mehreren Seiten
Die Tübinger Kanzlei TILP bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 BayWa-Aktien erworben haben. Grundlage ist ein BaFin-Bescheid: Die Behörde rügte, dass BayWa im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit sowie Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwiegen hatte. Im Visier stehen neben dem Unternehmen selbst frühere Vorstandsmitglieder — und möglicherweise Abschlussprüfer PricewaterhouseCoopers, der für 2023 ein uneingeschränktes Testat erteilte, ohne auf existenzgefährdende Risiken hinzuweisen.
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas hat bereits ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren gegen PwC eingeleitet. BayWa schreibt das Prüfermandat ab 2026 neu aus und prüft eigene Schadensersatzansprüche gegen die bisherigen Prüfer.
Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen frühere Vorstandschefs, darunter Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Vorwurf lautet Untreue und vorsätzlich falsche Darstellung von Liquiditätsrisiken im Jahresabschluss 2023. Im Januar kam es zu Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Restrukturierung unter Druck
Die juristische Eskalation trifft einen Konzern, dessen Sanierung an mehreren Fronten ins Stocken geraten ist. Von den angestrebten vier Milliarden Euro Restrukturierungsvolumen fehlen noch 2,7 Milliarden. Die genossenschaftlichen Eigentümer haben bereits rund 550 Millionen Euro über Kapitalerhöhungen und Darlehen eingebracht.
Ein geplanter Verkauf der Energiesparte — 51-Prozent-Beteiligung, angestrebter Erlös 1,7 Milliarden Euro bis 2028 — ist hinfällig. Gestrichene US-Subventionen im Rahmen des sogenannten „One Big Beautiful Bill Act“ haben die Bewertung der zugrunde liegenden Projekte für erneuerbare Energien massiv gedrückt.
Als Ersatz treibt das Management den Verkauf der neuseeländischen Obsthandelstochter T&G Global voran. Für den 74-prozentigen Anteil erwartet BayWa rund 300 Millionen Euro. Die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group bremst den Prozess allerdings. Selbst bei einem reibungslosen Abschluss füllen die erwarteten Erlöse die Milliardenlücke kaum.
Banken als Schiedsrichter
Das eigentliche Schicksal des Konzerns liegt bei DZ Bank und HVB. Beide müssen einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zustimmen — ohne ihre Zustimmung verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Grundlage. Als Verhandlungsargument setzt das Management auf den T&G-Verkauf: Die Entkonsolidierung soll die Bankverbindlichkeiten um mehr als 600 Millionen Euro senken.
Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken spüren die Krise bereits konkret. Von einem Schuldscheindarlehen schrieben sie im Jahresabschluss 2024 bereits 60 Prozent ab — im Extremfall droht ein Totalausfall.
Auf operativer Ebene hat der Vorstand die Prognose für 2026 gestrichen und das EBITDA-Ziel für 2027 auf rund 140 Millionen Euro gesenkt. Bis 2028 soll aus einem 24-Milliarden-Euro-Konzern ein auf Agrar- und Baustoffhandel fokussiertes Unternehmen mit rund 10 Milliarden Euro Umsatz entstehen — rund 1.300 Stellen sollen wegfallen. Den testierten Konzernabschluss für 2025 erwartet das Unternehmen erst im vierten Quartal 2026. Bis dahin fehlt eine belastbare Grundlage zur fundamentalen Bewertung der Aktie.
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